Kele - Bloc Party Tapes - Cover
Große Ansicht

Kele Bloc Party Tapes


  • Label: K7 Records/ALIVE
  • Laufzeit: 72 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine Zusammenstellung aus manchmal nervigen, manchmal interessanten, aber selten wirklich anspruchsvollen Tracks.

Dass Bloc Partys Rock-Sound seine Wurzeln in britischen Dance-Rhythmen hat, ist kein Geheimnis, und Frontmann Kele Okereke lässt selten eine Gelegenheit aus, das zu betonen. Mit seinem Solo-Debüt „The Boxer“ hat er das schon im Jahr 2010 unter Beweis gestellt. Vom deutschen !K7-Label dazu eingeladen, bei dessen „Tapes“-Serie mitzuwirken, geht Kele nun auf der vorliegenden Compilation konkret auf seine persönlichen Einflüsse ein.

Und interessant fängt es an. Nach dem meditativen Intro, das der stilisierten Ganesha-Darstellung auf dem Cover gerecht wird, läuft das Album mit einem groovigen Track aus plätschernden Jazz-Elementen und Panorama-Marschtrommeln an. Die simple Gitarrenmelodie, die die sphärische Entfaltung der einzelnen Elemente begleitet, wirkt wie das nie enden wollende Intro eines Songs, wie der langsame Aufbau eines Tracks vor einem Live-Publikum, und macht „I Love You“ zum perfekten ersten Song eines Albums, das den Hörer offenbar mitnehmen will.

Wohin, wird nicht direkt klar. Erst gegen Ende setzen einzelne Bässe ein, der Song geht in einen funkigen, entspannten Afrobeat-Track über, der immer noch wie der Anfang von etwas anderem klingt. Erst mit dem erfreulich gut gelungenen Übergang zu Stickys Remix von Wileys „Numbers in Action“ scheint das Konzept klarer. Keyboard-Klänge auf einem erfrischenden Snare-Beat machen den Track zum Wendepunkt von ruhig und loungig hin zu einem clubfreundlichen Tempo.

Doch steht das Beispiel kein bisschen stellvertretend für den Sound der folgenden vier Tracks. Denn ehe man sich versieht, steckt man tief in Keles Erinnerungen an alte Tanznächte zu Garage- und Two-Step-Tracks. „Battle“ ist basslastig und von R&B-Vocals begleitet, minimalistischer Bass und nervige Sound-Interferenzen zeichnen „Space Alarm“ aus und „RIP Groove“ wartet mit viel Piepen und gelooptem Frauenjubel auf. Besonders interessant in der Konstellation ist Keles persönlicher Remix von Bloc Partys „Obscene“. Zwar ist dieser aufgrund des gleichbleibenden Rhythmus auf Dauer ähnlich anstrengend, bietet aber mit ruhigen Synthie-Passagen, die Keles Vocals schön in Szene setzen, erfreuliche Abwechslung.

„Shuffering & Shimiling“ markiert im Afrobeat und englischem Sprechgesang die zweite Hälfte von „Bloc Party Tapes“, die von Housegrooves dominiert wird. Nach einem Abstecher mit Fela Kuti ins Heimatland von Keles Eltern, Nigeria, geht es nach Schweden, wo Torske Afro- in Housebeats verwandelt. Mit „The Sun Can't Compare“ erwartet den Hörer ein rein elektronischer, minimalistischer House-Track. Die Junior Boys bieten schließlich im Carl-Craig-Remix spät einsetzende Bässe mit zurückgelehnter Coolness. Die 19-jährige Ambient-Hoffnung Koreless macht „The Look“ am Ende zum gechillten Clubgroove für zuhause.

Im Gesamtbild ergibt sich eine deutlich zusammenhängende Mixtur aus Dancetracks, hauptsächlich Electronica, zu selten gemischt mit afrikanischen Rhythmen. Auch wirklich anspruchsvoll wird die Mischung leider nie und so erwischt man sich oft beim lediglich beiläufigen Zuhören. Doch immerhin gewährt „Bloc Party Tapes“ Einblicke in das alte und neue musikalische Umfeld Keles und erklärt teilweise die Entstehung von Bloc Partys Sound. Wirklich erleuchtet fühlt man sich nach der Meditation jedoch nicht.

Anspieltipps:

  • I Love You
  • Obscene
  • Like A Child
  • The Look

Neue Kritiken im Genre „Dance“
7/10

Raw Movements/Rude Movements
  • 2016    
Diskutiere über „Kele“
comments powered by Disqus