Daniel Bortz - Patchwork Memories - Cover
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Daniel Bortz Patchwork Memories


  • Label: Suol/Rough Trade
  • Laufzeit: 60 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein schöner Flickenteppich verschiedenster Einflüsse, der jedoch selbst leider kaum im Gedächtnis bleibt.

Augsburg hat eine knappe Viertelmillion Einwohner. So betrachtet ist die Stadt nicht grade der Inbegriff der pulsierenden Musikmetropole. Dementsprechend würde man von einer Person, die seit 2007 in Deutschland Musik macht, schon erwarten, dass es sie irgendwann in die größeren Städte treibt. Daniel Bortz, gebürtig auch noch Berliner, scheinen diese typischen Erwartungen egal zu sein. Mit Techno und House ist er als Produzent und DJ groß geworden. Nun veröffentlicht er sein Debüt „Patchwork Memories“.

Mit durchdringenden Basedrums und krachenden Beats, wie man sie von „Südwind“ oder seinem Remix von James Blakes „Limit To Your Love“ kennt, hat das Album im ersten Augenblick nicht mehr viel zu tun. Stattdessen begrüßt Bortz den Hörer zu Beginn mit Downtempo-Rhythmus, hallenden Glitch-Elementen und einer Klavierspur, die entfernt an die Originalversion seines eben erwähnten Remixes erinnert. Verzerrte und hoch gepitchte Vocals machen „Alone At Home“ zu einem nachdenklichen, ein bisschen sehnsüchtigen Stück.

Wesentlich clubfreundlicher ist da die musikalische Folgemaßnahme. „Spend The Night“ ist ein ziemlich poppiger House-Track mit gelooptem „Uhuu uhuu“-Vocalsample und Bortz' Stimme, die sich mit Zweizeilern an die klimpernde und glitzernde Atmosphäre schmiegt. Erst mit „Monkey Biznizz“ kehrt Bortz zu seinen Genre-Wurzeln zurück: minimaler Techno, aus dem irgendwann leichte, klare Synthies aufsteigen. Richtung instrumentellem HipHop macht sich Bortz schließlich mit „Bright“ auf, ein knapp dreiminütiger Interlude zwischen zwei klassischen House-Tracks.

„Patchwork Memories“ bewegt sich mehrfach aus den typischen Techno- und House-Rahmen heraus. Neben „Bright“ spielt „In The Yard“ mit seichten Twostep-Rhythmen, allerlei klimpernden Glitch-Elementen und einer wunderbaren Bassline. Diese Tracks machen Spaß und bringen jede Menge Abwechslung in das Album. Doch auch Bortz' klassisches Handwerk ist abwechslungsreich und steuert dem Gesamtwerk die nötige Kontinuität bei. Zischende Drums und langgezogene Synthies hauchen „The Misery“ jede Menge Melancholie ein. Die Lyrics, einzelne Klaviertöne und eindringliche Beatpassagen machen das Stück zu einem der einprägsamsten Momente des Albums.

Doch Einprägsamkeit ist die absolute Schwachstelle von „Patchwork Memories“. Keine Frage, die Tracks machen Spaß, sind abwechslungsreich und kommen in einer belebten Abfolge. Dennoch bleibt seltsamerweise sehr wenig davon beim Hörer hängen. Selbst schöne Momente wie der Uhrwerk-Beat auf „Friends“ und das Klavierspiel, das sich wie ein roter Faden durch das Album zieht, sind nicht eindringlich genug, um den Gehörgang Stunden später wieder heimzusuchen oder Sehnsucht zu wecken. Somit ist „Patchwork Memories“ zwar ein durchweg schönes Album, aber letztlich ein zu glattes Werk, das eben nicht anstößt und wenig Aufmerksamkeit für sich beansprucht.

Anspieltipps:

  • Alone At Home
  • Spend The Night
  • The Misery
  • In The Yard

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