Super Flu - Halle Saale - Cover
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Super Flu Halle Saale


  • Label: Monaberry/INTERGROOVE
  • Laufzeit: 64 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Opa Herbert approves.

Über manche Dinge kann man sich wundern. Wer sich inzwischen noch über Super Flu wundert, hatte wohl noch nicht das Vergnügen. Feliks und Mathias aus Halle an der Saale produzieren seit geraumer Zeit erfolgreich House und Techno. Neben Eigenreleases und unzähligen Erscheinungen auf Clubsamplern glänzen die Jungs in ihren DIY-Musikvideos mit Pappradio-Spazierfahrten im Kinderwagen zu Housegrooves und rausgefilterten Bässen. So weit, so bodenständig und doch verrückt.

Schreibt man sich angenehmes Verrücktsein auf die Fahne, muss eigentlich irgendwann ein Album wie „Halle Saale“ erscheinen. Auf dem Cover Pittiplatsch aus dem Sandmännchen, allerlei Papprequisiten und Notenlesen aus dem Hustler. Das klingt schon stark nach experimentellem Lokaltheater Obermoschel. Ist vermutlich auch ein bisschen so gewollt, schließlich zieht sich auch der Hang zu kryptischen Tracktiteln wie ein roter Faden durch Super Flus Werke. „Oktavlachs“, „Shneeblee“ und „Bukkake Beyonce“, um nur einige zu nennen.

Das ändert sich auch auf „Halle Saale“ nicht. Wie schon auf Heimatmelodien wird das Album mit einer Ansage von Maskottchen Onkel Herbert eröffnet, diesmal begleitet von typischen Kuhglockensynthies und Kickdrum aus Mathias' 808er Maschine. Es ist schade, dass „0180 Dolphin“ so abrupt endet. Der eingängige Beat, der mit Vocals eines Kindes ausläuft, wäre die perfekte Überleitung in den zweiten Track gewesen. „Fibi Maybe“ bricht damit aber sehr plötzlich und läuft stattdessen auf Housebeat. Dafür jedoch mit ganz interessantem, atmosphärischem Gefrickel im Hintergrund.

„Me Roar“ mit Monkey Safari reitet auf der Welle weiter. Klassischer Beatloop des 70er-Hits „Think“ von Lyn Collins, doch viel interessanter sind der Bass, der an Dschungel erinnert, und die wunderbar eingesetzten Soul-Vocals über künstlichem Kratzen einer Nadel auf Vinyl. Für Spaß sorgen auch die unüberhörbaren Anspielungen auf Falcos „Der Kommissar“ in „Raptor“. Wie schon „Me Roar“ ist auch „Raptor“ mit allerlei kleinen Soundschnipseln versetzt, die genaues Hinhören belohnen.

Ein Trend, der sich durch viele Tracks auf „Halle Saale“ zieht. Viele kleine Elemente machen einen Großteil des Sounds aus und machen einige Tracks erst interessant, beispielsweise „Cheesy Mobisi“. Wer mag, kann das Album aber trotzdem einfach als Hintergrundbeschallung laufen lassen, darf sich dann allerdings nicht über dessen Monotonie wundern. Abgesehen von einigen erfrischenden, aber kurzen Zwischenpassagen gelingt es Super Flu nämlich nicht, von den Housegrooves runterzukommen.

Bei einem dedizierten House-Album ist das grundsätzlich nicht schlimm, vor allem wenn es in so einer Verpackung wie „Senamuun“ daherkommt. Hier wird die House-Formel mit Field Recordings und funkigen Synthies versetzt. Doch abseits der kleineren und größeren Spielereien in der Produktion bietet das Album eben nicht so viel Abwechslung und kann sehr monoton wirken. Insofern ist „Halle Saale“ sicherlich ein Werk, das sich problemlos im Hintergrund hören lässt und für Clubs eignet. Wer aber genau hinhört, dem reicht die kleinteilige Effekthascherei, die man beim Nebenbeihören so schnell überhört, wahrscheinlich nicht aus. Spaß, kann man an dem Album trotzdem haben.

Anspieltipps:

  • Me Roar
  • Raptor
  • Senamuun

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