Sepultura - The Mediator Between Head And Hands Must Be The Heart - Cover
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Sepultura The Mediator Between Head And Hands Must Be The Heart


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 68 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Sepultura prügeln in Black-Metal-Gewändern die Eingeweide aus ihren Instrumenten.

Nach dem zu Recht vielerorts gescholtenen „Kairos“ (06/2011) haben sich Derrick Leon Green (Gesang, Gitarre), Andreas Kisser (Gitarre), Paulo Xisto Pinto Jr. (Bass) und der für den ausgestiegenen Jean Dolabella eingesprungene Eloy Casagrande (Schlagzeug) vorgenommen, vorerst kein Konzeptalbum mehr auf die Beine zu stellen, weswegen der Titel „The Mediator Between Head And Hands Must Be The Heart“, welcher die Kernaussage hinter Fritz Langs Stummfilmklassiker „Metropolis“ aus 1927 darstellt, lediglich als Basis für die Texte hinter Sepulturas 13. Album fungiert. Um es gleich vorweg zu nehmen, genutzt hat diese geänderte Vorgehensweise eigentlich gar nichts und die brasilianischen Thrash Metaller befinden sich weiterhin in einem tiefen, schwarzen Kreativitätsloch.

War auf „Kairos“ zumindest noch der Versuch zu verspüren, das Schiff mit unterschiedlichsten Songideen und -fragmenten in einen sicheren Hafen zu steuern, so schwenken Kisser & Co. dieses Jahr bereits zu Beginn die weiße Fahne. „Trauma of war“ donnert als Opener nämlich ganz und gar nicht stilgerecht klar und differenziert aus den Boxen und versteht sich als audiophiles Glanzstück, sondern prügelt als roher Soundmatsch in Black Metal-Gefilden umher, was anfänglich befremdlich wirkt, dem aggressiven Thrash Metal der vier Jungs nach kurzer Eingewöhnungsphase jedoch besser zu Gesicht steht, als dem Versuch beiwohnen zu müssen, kreativen Durchfall durch eine High End-Produktion aufzuwerten.

Mit diesem Kniff reißen Sepultura auf kurz oder lang natürlich auch nicht den kompletten Wald um, aber nach der mit Glockengebimmel und Chor episch beginnenden Stadtstaat-Vernichtung „The vatican“ und dem anschließenden, dreckig-räudigen „Impending doom“ möchte man schon fast meinen, das brasilianische Vierergespann habe wieder in die Spur gefunden. Doch die Enttäuschung folgt auf dem Fuß: „Manipulation of tragedy“ schielt mit seinem lateinamerikanischen Trommelrhythmus zu Ill Nino hinüber, gebärdet sich dabei aber wie ein Elefant im Porzellanladen, „Tsunami“ verspricht anfangs einen satten Groove, tauscht diesen allerdings nach kurzer Zeit gegen eine uninspirierte Thrash-Mischung aus ungehobelt und scheißegal, während „The bliss of ignorants“ ohne Sinn und Verstand auf die gleiche Stelle drischt, bis ein fernes Wehklagen und verzerrte Gitarrensounds in „Grief“ die Sludge-Ballade des Albums einläuten. Leider perlt der Song aber zu gleichförmig aus den Boxen, als dass von einem Höhepunkt die Rede sein könnte.

Wieder wesentlich brutaler geht es in „The age of the atheist“ zu, doch obwohl die Aggro-Schiene sofort zum Headbangen einlädt, so wünscht man sich nach ein paar Minuten einen etwas durchdachter formulierten Thrash anstatt eines ungestümen Brockens, der maximal dem Frustabbau dienlich ist. Bevor mit dem interessantesten Stück und zugleich einzigen Cover „Da lama ao chaos“ (im Original von den Manguebeat-Künstlern Chico Science und Nacao Zumbi) der Wert von „The Mediator Between Head And Hands Must Be The Heart“ wieder ein wenig gesteigert wird, dürfen sich Slayer-Drummer Dave Lombardo und Casagrande in „Obsessed“ einen kleinen, wenn auch komplett sinnfreien Schlagabtausch liefern, der neben heiserem Geschrei und donnernden Schlagzeugsalven absolut keinen Mehrwert besitzt. Ein echtes Drum-Solo versteckt sich überdies nach 13 Minuten Stille im Track „Da lama ao chaos“. Das 7½-minütige Spektakel lockt nach der vorangegangenen Stunde voll von rohem, aber meist nicht unter Kontrolle gebrachtem Durchschnitts-Thrash dann aber auch keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor.

Anspieltipps:

  • The Vatican
  • Impending Doom
  • Da Lama Ao Chaos

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