Blue Sky Black Death - Glaciers - Cover
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Blue Sky Black Death Glaciers


  • Label: Fake Four/CARGO
  • Laufzeit: 60 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Voluminös und glitzernd wie ein Gletscher. Instrumenteller HipHop als Landschaftsportrait.

Blue Sky Black Death sind ein Produzentenduo aus Seattle, das mit instrumentellem, langsamem HipHop bekannt geworden ist. Kingston Maguire und Ian Taggart (manchmal auch Young God genannt) arbeiten schon seit 2003 zusammen und haben seitdem nicht nur eigene Alben produziert, sondern auch typische Produzentenarbeit, vor allem im HipHop Underground, verrichtet. Acts wie Noah23 und CunninLynguists gehören da noch zu den bekannteren Features. Mit BSBD, wie Fans sie nur kurz nennen, verhält es sich ähnlich wie mit anderen Genrekollegen, die ihre Arbeit abseits des amerikanischen HipHop-Mainstreams verrichten. Der schon geringe Bekanntheitsgrad des Duos erstreckt sich kaum über die Grenzen der USA hinaus.

Trotzdem sind seit 2006, neben einer Reihe von Kollaborationen, drei Studioalben im Namen von Kingston und Young God entstanden. Nach dem letzten Longplayer, „Noir“ (2011), konnte man meinen, dass die Produzenten ihren langatmigen, atmosphärischen Stil für einen beatlastigeren, leicht funkigen Sound aufgeben würden. Aber BSBD treten mit dem Konzeptalbum „Glaciers“ zurück in die Fußstapfen von „A Heap Of Broken Images“ (2006) und „Late Night Cinema“ (2008). BSBD haben die bisher so dezente Idee der Musik als Landschaft zum Zentrum dieses Albums gemacht.

Die Sounds, die so unterschwellig Kingstons und Ians Musik ausgemacht haben, manifestieren sich in vollem Volumen schon auf den ersten paar Takten von „Glaciers“. Ein einsames Klimpern zeichnet eine melancholische Stimmung, bevor etwas, das klingt wie eine Mischung aus dem Ruf einer Krähe und dem Kreischen einer Frau, den langsamen Beat einleitet. Die Stimme von Natalie Plaza legt sich in einem Bett aus Hall-Effekten, glitzernden Synthies und einem gemächlichen Rhythmus nieder. Die Labelkollegin der Band Child Actor, die selbst für psychedelische, glitzernde Musik stehen, wirken wie die perfekte Wahl für dieses Feature.

Ebenso JMSN, der auf Lied vier gefeatured ist, und mit seinem Track „Alone“ auch international schon kleine Wellen geschlagen hat. Die Musik, die er selbst produziert, könnte mit Violin-Einlagen und einzelnen Field Recordings genauso gut von Blue Sky Black Death stammen. So fügt auch er sich ausgezeichnet in „Glaciers“ ein.

Bei all diesen Features, die musikalisch in eine ähnliche Richtung gehen, geht leider einiges an Abwechslung verloren. Der Beginn von „II“ ist dem des Openers sehr ähnlich, das Arrangement der Beats bleibt fast dasselbe. Die geschaffene Atmosphäre wandelt sich im Verlauf des Albums minimal. Darüber kann man hinwegsehen, solang man „Glaciers“ als Hintergrundbeschallung einstellt und im Aufbau als eine Art DJ-Set akzeptiert. So lässt sich das Album letztlich als ein einziges Ambient-Konzept, ein einziger Track betrachten, der wie dichter Nebel fast bruchlos im Ohr schwebt und wabert. Vereinzelt ist in den Tracks noch der Einfluss der Features rauszuhören, am Ende von Track zwei die rockigeren Einflüsse von Child Actor, gegen Mitte des dritten Tracks Percussion-Elemente von Trespassers William und R&B-Vibes in Track vier.

Doch die Produktion von BSBD, die Effekte und Mittel, die sie ins Feld schicken, um die melancholische Landschaft zu schaffen, überwiegen zu sehr, um das Resultat noch als abwechslungsreich bezeichnen zu können. „Glaciers“ ist ein allenfalls nettes Experiment, ein Werk, das sich fast nur auf die Charakteristika stützt, die man unfehlbar Kingston und Young God zuschreibt, und diese in den Vordergrund treibt, bewusst hochspielt. Fans des Genres und Interessierte sollten lieber wieder auf „Late Night Cinema“ zurückgreifen, wenngleich „Glaciers“ als sphärisches Ambient-Werk zumindest teilweise funktioniert.

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