Rhapsody Of Fire - Dark Wings Of Steel - Cover
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Rhapsody Of Fire Dark Wings Of Steel


  • Label: AFM Records
  • Laufzeit: 60 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Arrivederci, Magnum Opus! Buon giorno, Mittelmäßigkeit!

Rhapsody Of Fire fahren zweigleisig. Und hier ist es nun, das lang erwartete neue Album der „Hauptband“. Wir erinnern uns: Luca Turilli, seines Zeichens Haupt-Ideenlieferant und Gitarrenhexer, verließ seine von ihm gegründete Band, um mit Luca Turilli's Rhapsody ein neues musikalisches Kapitel zu schreiben. „Ascending To Infinity“ erschien im Jahre 2012, bot ein verspieltes, überschäumendes und beinahe schon erwünscht kitschiges Sympho-Metal-Erlebnis - der Versuch, sich von den Ketten des Fantasy-Zyklus zu lösen, war ein genauso großer Gewinn wie der schlichtweg großartige Sänger Alessandro Conti (Trick Or Treat). Und im Lager von Rhapsody Of Fire? Fabio Leone, Vokalist, ehemaliger Kamelot-Aushelfer und Gründer unzähliger Vertreter des Italo-Powers, macht mit seinem Kollegen Alex Staropoli (Keyboard) und den Holzwarth-Brüdern Alex (Schlagzeug) und Oliver (Bass) weiter. Neu hinzu gekommen ist Roby de Micheli, welcher Turilli an der Gitarre ersetzt. Fans frohlocket, Rhapsody Of Fire sind wieder da. Und sie machen da weiter, wo sie aufgehört haben.

Denkste! Tatsächlich hat sich einiges getan. „Dark Wings Of Steel“ - ein Schelm, wer jetzt an Böses denkt - will unbedingt und mit aller Macht die Erfolgsgeschichte der stilprägenden italienischen Band weiter schreiben und am besten noch einen drauf setzen. Und wird so von seinen eigenen Anforderungen und Ansprüchen regelrecht erdrückt. Streng genommen wiederholt sich die Band seit „Power Of The Dragonflame“ (2002) oder spätestens „Symphony Of Enchanted Lands Part II - The Dark Secret“ (2004) eh nur noch und liefert genau das ab, was die Fans von ihr erwarten. Selbst die damals folgenden Alben waren in deren Augen und Ohren Meilensteine und Meisterwerke für die Ewigkeit - die Wahrheit ist, dass der Zenit längst überschritten war und außer einer noch bombastischeren Produktion und der Extraladung Kuchenglasur keine wirkliche Entwicklung stattfand. Die damaligen Soloalben Turillis, „King Of The Nordic Twilight“ (1999) und „Prophet Of The Last Eclipse“ (2002), zeigten bereits, was Rhapsody Of Fire hätten sein können. Es kam nichts. Dann passierte der freundschaftliche Split in zwei Bands und brachte eine neu gewonnene künstlerische Freiheit für alle Beteiligten mit sich.

„Dark Wings Of Steel“ bleibt angesichts des strengen konzeptionellen Rahmens ein Album, welches der Hörer von der Gruppe erwartet. Musikalisch ist es dagegen überraschend metallisch (!), hart (!!) und weniger bombastisch (!!!) als je zuvor. Das wäre alles kein Problem, im Gegenteil sogar! Rhapsody Of Fire hätten ihren Kritikern - und das sind nicht gerade wenige - zeigen können, zu was sie wirklich fähig sind. Stattdessen treibt das zwölfte Studioalbum („Ascending To Infinity“ wird tatsächlich und verwirrenderweise als offiziell elftes genannt) in einer Art musikalischen Limbus. Rhapsody Of Fire stehen zwischen den Stühlen: für ihr „eigenes“ Genre Symphonic Epic Hollywood Metal (inklusive Variationen) sind sie zu hart und irgendwie auch nicht mehr so pompös und opulent wie gewohnt. Für „reinrassigen“ Metal - und selbst wenn es sich um Power Metal handelt - dagegen, sind sie immer noch zu verspielt und wollen ein Versprechen geben, welches sie nicht mehr einhalten können.

Tatsächlich klingt „Dark Wings Of Steel“ nicht mehr wie die kitschigen, von vielen als obskur angesehenen, kruden Rhapsody Of Fire. Aber genau die will der Fan doch hören! Gerade das machte die Gruppe doch so besonders. Deshalb lassen die elf neuen Kompositionen den Glamour vergangener Alben vermissen und auch ohne Luca Turilli an der Gitarre scheint es so, als habe die Band ihr Herz und ihre Seele verloren. „Vis Divina” als Opener und Intro fängt dabei ganz vielversprechend, wenn auch nicht innovativ, an. Geschenkt! Bereits „Rising From Tragic Flames” präsentiert sich recht beliebig und wie aus Versatzstücken alter Songs zusammen geklaut. Nur dass die Band eben nicht ihre besten Momente kopiert und erzwungen die bombastischen Genre-Trademarks einbaut. Weil sie es eben muss. „Angel Of Light“, das stellenweise angenehm knackige „Tears Of Pain“ oder „My Sacrifice“ folgen diesem Muster. Erst „Silver Lake Of Tears“ und „A Tale Of Magic“ machen es mal komplett anders und kommen als zünftige Power Metaler daher, die stark an die frühen Vision Divine oder Athena erinnern. Das ist gelungen, hört sich zwar nur entfernt nach Rhapsody Of Fire an, macht aber durchaus einiges richtig.

Ebenso glänzt das entspannte „Fly To Crystal Skies“ - ein versöhnlich stimmender, leicht progressiver Metaller der südeuropäischen Schule. Die italienische Ballade „Custode Di Pace“ ist mittlerweile beinahe schon Pflicht für die Band und im Vergleich zu ähnlich geschriebenen Songs der bisherigen Diskographie beliebig - auch wenn Fabio Leone hier die beste gesangliche Leistung seit Jahren zeigt. Im direkten Vergleich zu Luca Turillis letztem Beitrag - und „Dark Wings Of Steel“ muss sich nun mal messen lassen - zieht die Hauptband in jeglicher Hinsicht den Kürzeren. Dinge, die man bei Rhapsody Of Fire lieben gelernt hat, sind zwar noch durchaus vorhanden, wirken aber ungewohnt fremd und anders als sonst. Wirklich schlecht oder schwach ist „Dark Wings Of Steel“ nicht wirklich. Dafür sind die einzelnen Musiker alleine schon ein Highlight für sich - allen voran die gewohnt großartigen Holzwarths. Und doch fehlt das gewisse Etwas, das die bisherigen Alben der Band so eigen machte. Dieses Album wird die Anhängerschaft spalten: viele werden die rosarote Brille auf der Nase lassen, andere hingegen zeigen offen ihre Enttäuschung.

Anspieltipps:

  • Fly To Crystal Skies
  • Silver Lake Of Tears
  • A Tale Of Magic

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