Avril Lavigne - Avril Lavigne - Cover
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Avril Lavigne Avril Lavigne


  • Label: Epic/Sony Music
  • Laufzeit: 46 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine einzige Katastrophe und ein Plastik-Produkt der schlimmsten Sorte.

Der fünfte Studioalbum von Avril Lavigne (29) hat keinen Namen. Beziehungsweise ist es einfach nach ihr selbst benannt. Zudem fällt das Cover für ein Pop-Album relativ düster aus. Ein klares Zeichen für einen Neuanfang oder einfach nur ein wenig Understatement, nach dem quietsch-bunten Power-Pop auf „The Best Damn Thing“ (04/2007) und dem Versuch, auf „Goodbye Lullaby“ (03/2011) erwachsen zu klingen? „Avril Lavigne“ muss es zeigen. Denn mit einem Studioalbum, aus dem bereits mehr oder weniger erschreckend geräuschlos drei Singles ausgekoppelt wurden („Here‘s to never growing up”, „Rock n roll“ und „Let me go“), kann auch eine Traumkarriere wie die der Kanadierin schon mal in Schieflage geraten.

Wirklich wundern würde es einen nicht. Denn ein Popstar, der inzwischen mehr in der Bunten als in der Bravo stattfindet und den Sänger von Nickelback heiratet, gilt gewiss nicht (mehr) als besonders cool. So wurden von „Goodbye Lullaby“ weltweit noch nicht einmal mehr 10% der Verkaufszahlen von „Let Go“ (2002) erreicht, was durchaus als Ohrfeige des Publikums gewertet werden kann. Als Gegenmaßnahme arbeitete Avril Lavigne ab dem Frühjahr 2012 mit zehn (!) mitwirkenden Produzenten sowie Ehemann Chad Kroeger als Co-Songwriter an ihrem neuen Album, um Anschluss zu finden an die Erfolge ihrer Kolleginnen wie Ke$ha, Taylor Swift und Katy Perry.

Und so schallen Titel wie „Rock n roll”, „Here‘s to never growing up” oder auch „17“ wie fleischgewordene Plagiatsversuche aus den Boxen und lösen bereits nach kürzester Spielzeit Fremdscham beim Hörer aus, der sich einer scheinbar nicht erwachsen werden wollenden Sängerin stellen muss, der nichts Besseres einfällt, als den letzten Rest der eigenen künstlerischen Identität aufzugeben. Dabei trauern wir noch nicht einmal dem unbekümmerten Charme des Debütalbums nach, der eh nicht zu reproduzieren ist, sondern staunen einfach nur ob der Einfallslosigkeit, die sich in Pubertätstexten wie „Bitchin‘ summer“ und „Sippin‘ on sunshine“ (die sich krampfhaft den „Parental Advisory: Explicit Lyrics“-Stempel abholen) sowie dürftigen Kompositionen wie „Hello heartache“ abspielt.

Dabei werden sämtliche Register gezogen und damit gnadenlos auf die Fresse geflogen. Das Desaster beginnt bei der Pathos-getränkten Pianoballade „Let me go“ im Duett mit Chad Kroeger, die klingt, als sei sie von der Nickelback-Resterampe gefallen. Es geht weiter mit dem debil stampfenden Dubstep-Versuch „Hello Kitty“ und endet in einem Duett mit dem inzwischen völlig abgehalfterten Brian Warner alias Marilyn Manson („Bad girl“). Deshalb müssen wieder mal simple Power-Popsongs wie You ain’t nothing seen yet“ und bemüht geheimnisvoll klingende Titel wie „Give you what you like“ und gefühlvolle Balladen wie „Hush hush“ nach altem Strickmuster ein Album retten, das eigentlich nicht zu retten ist.

Bringen wir es auf den Punkt: „Avril Lavigne“ ist ein Totalausfall. Ein Album, das absolut überhaupt nichts kann und mit den bis dato schwächsten Liedern in der zehnjährigen Karriere der Kanadierin daherkommt. Selten klang Major-Popmusik in diesem Jahr so phantasielos und antiseptisch wie hier. Nichts berührt, nichts bleibt hängen. Eine einzige Katastrophe und damit ein Plastik-Produkt der schlimmsten Sorte.

Anspieltipps:

  • 17
  • Hush hush
  • Give you what you like
  • You ain’t nothing seen yet

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