Adel Tawil - Lieder - Cover
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Adel Tawil Lieder


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 54 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Das erste Soloalbum des Gesichts und der Stimme von Ich+Ich.

Adel Tawil hat zusammen mit Annette Humpe unter dem Namen Ich+Ich in knapp fünf Jahren mehr als drei Millionen Einheiten ihrer bis dato veröffentlichten drei Studio- und zwei Live-Alben verkauft. Damit zählt das Duo aus Berlin zu den absoluten Topstars der Branche. Doch irgendwann steht einem der Sinn auch einmal nach etwas anderem und deshalb liegt das Ich+Ich-Projekt vorerst auf Eis und Adel Tawil, das Gesicht und die Stimme der Band, wandelt auf Solopfaden.

Wer auf den extrem eingängigen Sound und das besondere Pathos in den Texten von Ich+Ich steht, muss sich bei Adel Tawils Solo-Liedern nicht groß umstellen. Der 35-Jährige und sein Team aus Songwritern und Produzenten knüpfen mit den 14 Stücken auf „Lieder“ da an, wo Ich+Ich vor zwei Jahren in den Ruhestand geschickt wurden. So bekommt der Hörer die gewohnten Breitwandklänge serviert („Immer da“), es gibt Pathos-getränkte Texte („Unter Wasser“) und jede Menge Melodien, die uns in den kommenden Monaten aus dem Radio entgegen strömen werden („Lieder“, Graffiti Love“).

Dabei schießt besonders die erste Singleauskopplung (der Titeltrack „Lieder“) den Vogel ab. Denn darin bastelte Adel Tawil aus zwei Dutzend Song-Zitaten von Künstlern wie The Bangles, Prince, Jimi Hendrix, Bob Dylan, Cutting Crew, Herbert Grönemeyer, Elton John, George Michael, Louis Armstrong, Ultravox, David Bowie, The Prodigy, Whitney Houston, Michael Jackson, Guns N´Roses, Advanced Chemistry, Depeche Mode, Cypress Hill, Bros, Rio Reiser, Boyz 2 Men, Beck, Rage Against The Machine, Nirvana, The Boyz und natürlich Ich+Ich seine ganz persönliche Lebensrückschau zusammen.

Wem allerdings das Oeuvre von Ich+Ich schon nicht behagte, wird natürlich auch mit „Lieder“ nicht warmwerden, zumal Stücke wie „Weinen“ oder auch „Kartenhaus“ wie aus dem Archiv-Fundus des Duos klingen. Wenn dann auch noch „Unter Wasser“ wie eine Mischung aus dem Soundtrack von „Das Boot“ und Schiller klingt, ist die Kunst des Berliners einfach nur vorhersehbar und auf Nummer sicher ausgelegt. So sind auch die Kollaborationen mit den Rappern Sido und Prinz Pi („Aschenflug“), den Humpe-Schwestern („Graffiti Love“) und Matisyahu („Zuhause“) zwar allesamt hervorragend produziert, aber eben auch weitgehend spannungsfrei. Dass „Lieder“ trotzdem ein fast perfektes Popalbum darstellt, ist Kunst und Widerspruch zugleich.

Anspieltipps:

  • Lieder
  • Zuhause
  • Immer da
  • Aschenflug
  • Unter Wasser

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