Eminem - The Marshall Mathers LP 2 - Cover
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Eminem The Marshall Mathers LP 2


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 78 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Da Real Slim Shady ist wieder da!

Mit dem innerhalb eines guten Jahres Schlag auf Schlag auf den Markt gebrachten Album-Trio „Relapse” (05/2009), „Relapse: Refill” (12/2009) und „Recovery” (06/2010) katapultierte sich Rapper Eminem nach einer zweieinhalbjährigen Verschnaufpause zurück in den Fokus der HipHop-Welt. Seitdem sind inzwischen mehr als drei Jahre vergangen. Es wird also Zeit, dass der 41-Jährige neues Material nachlegt. Denn auch mit Rap-Göttern machen die eisernen Regeln des Musik Business keine Ausnahmen. Aber Eminem ist ein Profi, der weiß, was in so einem Fall zu tun ist.

So wird das 2000er Album „The Marshall Mathers LP“ für den Titel des neuen Werks reaktiviert und mit dem Produzenten-Team Dr. Dre (Snoop Dogg, Ice Cube, 50 Cent, The Game, Kendrick Lamar, Xzibit) und Rick Rubin (Beastie Boys, LL Cool J, Run DMC, Public Enemy, Kanye West, Jay-Z) die einzig logische Entscheidung getroffen, um das Thema Eminem in der Öffentlichkeit noch einmal so richtig zu befeuern. Und weil der Detroiter nicht doof ist, und ahnt, dass das Publikum den Braten riecht, stellt er gleich im ersten Song die Weichen: „I hope you hear it we are in a car right now. Wait, here comes my favorite lyric: I‘m the bad guy who makes fun of people that die. And hey, here‘s a sequel to my Mathers LP. Just to try to get people to buy. How‘s this for publicity stunt. This should be fun. Last album now cause after this you‘ll be officially done. Eminem killed by M&M. Matthew Mitchell. Bitch, I even have your initials. I initially was gonna bury you next to my brother, but fuck it!”.

So benötigt Eminem die ersten Tracks zu nichts anderem, als sich in gewohnter Manier über alles und jeden auszukotzen. Okay, der in epischen Wortschwallen und dunkel dröhnenden Bässen verpackte Hang zu Disses und Hasstiraden lässt auch während der folgenden 78 Minuten nicht wirklich nach, doch solange die musikalische Verpackung in Ordnung ist, soll und muss es dem Hörer recht sein. Dazu verwendet Eminem Soul-Grooves im Stil der 70er Jahre („Rhyme or reason”), abgeschmackte E-Gitarren-Riffs („Survival“), auffallend zahlreiche unbekannte weibliche Gesangspartner („Legacy“, „***hole“) und Old-School-Vibes („Berzerk“, „Brainless“) in seinem Songreigen.

„The Marshall Mathers LP 2“ ist ein mit musikalischen und inhaltlichen Selbstzitaten gespicktes Album. Eminem suhlt sich wechselweise in seinen persönlichen und fremden menschlichen Abgründen und spart nicht mit Selbstbeweihräucherung. Dennoch ist die Bühne mit 16 Tracks und fast 80 Minuten Spielzeit diesmal etwas zu groß für ihn. Denn wenn die Zeit dazu reicht, merkwürdige Southern-Rock-Riffs im Stil von Kid Rock zu verbraten („So far...“) und für die Singleauskopplung „The monster“ erneut Rihanna im Studio antanzen zu lassen (siehe auch „Love the way you lie“ vom „Recovery“-Album), die mit ihrem dominanten Gesangspart wie ein Fremdkörper wirkt, dann ist das kein gutes Zeichen.

Dennoch besitzt natürlich auch dieser Eminem-Output einige großartige Momente, wie die entfesselten Raps in „Rap god“ und „Evil twin, um zwei Beispiele zu nennen. Das rappende Weißbrot setzt sich dabei natürlich selbst unter Druck, wenn es sein Album „The Marshall Mathers LP 2“ nennt, selbst wenn es nicht zwingend als Fortsetzung gedacht ist. Auch dadurch hängt die Messlatte höher als bei anderen Rappern, was für Eminem Anreiz und Ballast zugleich ist. Mit „The Marshall Mathers LP 2“ zieht sich der 41-Jährige trotz allem einigermaßen achtbar aus der Affäre.

Anspieltipps:

  • Berzerk
  • Evil twin
  • Rap god
  • So much better
  • Rhyme or reason

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