Booka Shade - Eve - Cover
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Booka Shade Eve


  • Label: Embassy Of Music/WEA
  • Laufzeit: 55 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein netter Versuch, der erst gegen Ende ein wenig überzeugen kann.

Walter Merziger und Arno Kammermeier haben schon eine lange Reise hinter sich. Anfang der 90er-Jahre machten die beiden als Planet Claire mäßig erfolgreichen Synth-Pop. Einige Bandnamen später sind sie 1995 als Booka Shade aktiv. Die parallele musikalische Umorientierung war an dem Punkt aber noch lang nicht abgeschlossen. Nach Clubmusik und einer ernüchternden Zuwendung zu Filmmusik veröffentlichten die beiden im Jahr 2005 ihr Debüt „Memento“, das Booka Shades eigenen House- und Techno-Stil prägen sollte. „The Sun And The Neon Light“ wiederum war dann ein eher kläglicher Versuch, Pop und Techno miteinander zu verbinden, was „More!“ auch nicht mehr hundertprozentig geradezubiegen wusste. Wer Booka Shade jedoch mit „More!“ kennenlernte, der verband die beiden Produzenten immerhin mit verspielten, manchmal aber zu glatt polierten Minimal Sounds.

Lässt man das DJ-Kicks Album von 2007 und die 2012er Koproduktion mit BBC Radios Pete Tong außer Acht, ist „Eve“ nun Booka Shades fünftes Studioalbum. Benannt ist es nach dem „Vintage Recording Studio“ in Manchester, in dem das Album entstanden ist. Hier haben sich die beiden erneut versucht, im Rahmen ihrer selbst gesetzten Genregrenzen neu zu erfinden, oder zumindest neue Einflüsse in alte Sounds reinzubringen. Das gelingt ihnen aber mehr schlecht als recht. Opener „Many Rivers“ eröffnet zwar mit einem loungigen Saxophon, lässt es dann aber für einen ziemlich austauschbaren Beat und eher faden Einsatz eines typischen Housepianos links liegen. Grillen zirpen in „Love Inc“, doch der Beat hat sich kaum verändert, die Vocals bieten einen eher lockeren roten Faden. Zwar wird mit kurzen Einlagen tiefer Funk-Synthies versucht, Abwechslung reinzubringen, durchgängig wird an dem Track aber nicht gearbeitet.

„Kalimera“ fängt mit Pianoklimpern und Field Recordings im Rauschfilter an und entwickelt sich abgesehen vom einsetzenden Beat und gitarrenähnlichen Synths kaum weiter. Das Piano fällt auch weg, stört aber kaum. „Leema“ ist immerhin düster, vereint Industrial mit Housebeats und hat eine echt schöne, teils beunruhigende Synthiespur mit mal subtileren, mal dominanteren Bässen. „Maifeld“ wiederum ist nicht mehr als Durchschnitt, tiefe knarzende Bässe mit einer immerhin sehr eingängigen Melodie. Am Ende leitet es zu „Perfect Time“, dem Highlight des Albums, über. Wunderbare Temponummer, melodische Synthbässe, kurze, sphärische Vocal-Einlagen von Yoav und Synthies, die ein wenig an Mattafix' „Everyone Around You“ erinnern.

Verträumt und von akustischer Gitarre und unterschwelligem Bass geführt wird „Time's On My Side“, dazwischen einzelne Interferenzen. Bei „Crossing Borders“ ist wirklich nur der Kurzauftritt der Trompete im Hintergrund interessant. Fritz Kalkbrenner und die dezenten Kuhglocken sind ganz nett, holen aus dem Track aber auch nicht mehr viel raus. Dafür ist „Love Drug“ eingängiger Techno mit schönem Klimpern und Drone-Einflüssen und mit Leichtigkeit der zweitbeste Track des Albums. Highlight ist hier definitiv das Arpeggio, das nach ungefähr halber Laufzeit einsetzt. „Ballad Of The East“ geht in eine ähnliche Richtung, ist dagegen aber beunruhigend und düster. Es geht in das ebenso schöne „Jesolo“ über, das ein gekonnter Abschluss für „Eve“ ist.

Letztlich kann nur über die spätere Hälfte des Albums wirklich Gutes gesagt werden. Tatsächlich wird es erst später abwechslungsreich. Erst dann verlassen Booka Shade ausgetretene Pfade und überraschen gelegentlich. Die erste Hälfte ist leider zum größten Teil uninspiriert und vielleicht zu sehr darauf ausgelegt, die Leute anzusprechen, die sich auf Neues nur in mundgerechten Häppchen einlassen können. Schade.

Anspieltipps:

  • Perfect Time
  • Time's On My Side
  • Love Drug
  • Ballad Of The East

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