John Wizards - John Wizards - Cover
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John Wizards John Wizards


  • Label: Planet Music/CARGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Magischer Musikmix made in Kapstadt.

Was wäre die Welt ohne Zufälle? Im südafrikanischen Kapstadt ereigneten sich gleich zwei, die zur Gründung von John Wizards führten. Es ist 2011. Songwriter und Produzent John Withers trifft auf der Straße Emmanuel Nzaramba, der ihn auf seine Gitarre anspricht. Dieser ist aus Ruanda nach Kapstadt gekommen, um Musiker zu werden. Ein glücklicher Zufall, schließlich sucht Withers nach einem Sänger für seine Produktionen. Zu einer Zusammenarbeit soll es aber nicht kommen: Nzaramba verliert sein Handy und zieht um. Erst als Withers ein Jahr später, wie sollte es anders sein, zufällig in die Straße zieht, in die Nzaramba auch gezogen ist, sind John Wizards geboren. Planet Mu, sonst eher für IDM, Breakbeats und Dubstep bekannt, nimmt die Band unter Vertrag.

Der Name ist nicht nur ein offensichtliches Wortspiel mit John Withers Namen, sondern gleichzeitig auch eine schöne Anspielung auf die Musik, die die beiden machen. Magisch ist eine wirklich passende Beschreibung. Nzaramba singt einen Mischmasch aus Kinyarwanda, Ruandas Landessprache, und Englisch. Ein Vocoder verleiht der Exotik des melodischen Sprechgesangs eine moderne Note. Nebenher läuft eine vielschichte Komposition unterschiedlichster, hochtönender Klänge, die die Melodie vorgeben, begleitet von schneller, komplexer Percussion und jeder Menge Elektro-Elemente. Die Einflüsse sind vielfältig. Am stärksten scheinen Funk und Rock durch, doch die oft dumpfe Percussion ist ganz typisch afrikanisch und viele Synthies sind gradewegs Discotracks der 80er („iYongwe“) entstiegen. Hinzu kommen wilder Elektro und eine Menge exotischer Drumsamples, die gleichzeitig abgehoben und verträumt wirken.

Wie ein willkommener Gast wird der Hörer des Albums empfangen: „Greetings from John Wizards“ erschallt es nach „Tet Lek Schrempf“s Intro aus klimperndem Piano mit hallenden Synthies. Plötzlich Rasseln, aufbrausendes Schlagzeug, seltsame Flötentöne und allerlei Saiteninstrumente. „Lusaka By Night“ arbeitet weiter mit Tamburinen, E-Gitarre und Drum-Samples mit hochgedrehten Echos. Das Stück ist ungemein komplex, doch die Melodie ist kristallklar, allgegenwärtig und nistet sich angenehm im Gehörgang ein.

Die Songs sind alle kurz, oft keine drei Minuten, doch die Zeit ist gut genutzt und das nächste Stück in der Regel so belohnend, dass man sich gar nicht wünscht, den selben Song länger zu hören. Plötzlich legt man viel mehr Wert auf Quantität, weil die Qualität von vornherein stimmt und man einfach mehr von dem hören will, was John Wizards noch zu kreieren wissen. Ausnahmen bestätigen selbstverständlich die Regel. So ist „Limpop“ ein mitreißender Track mit energetischen Trommeln, wo plötzlich ein Bass-Synth einsetzt, dem man sich nicht entziehen kann. Das Stück ist eindeutig viel zu kurz und endet leider in sehr gedrosseltem Tempo.

Tja, was wäre die Welt ohne diese zwei Zufälle, die zu John Wizards geführt haben? Wahrscheinlich gar nicht mal so anders, doch wie schon Leibniz wusste: Wir leben in der besten aller möglichen Welten. Und so kommen wir in den Genuss eines wunderbaren Albums mit einfachen Melodien aber komplexen Strukturen, viel Frohsinn, ein wenig Rebellion und viel, viel Weltoffenheit.

Anspieltipps:

  • Lusaka By Night
  • Limpop
  • Finally/Jet Up
  • I'm Still A Serious Guy

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