Teen Daze - Glacier - Cover
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Teen Daze Glacier


  • Label: Lefse/INDIGO
  • Laufzeit: 43 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
4/10 Leserwertung Stimme ab!

Manchmal zu penetranter Ambient, mit Schwerpunkt auf hochtonige Keyboard-Sounds.

Es ist schon eine kleine Weile her. Im Jahr 2011 erschien Teen Dazes „My Bedroom Floor“ auf Bandcamp, gefüllt mit beatlastigen Synthielandschaften. Die Songs zeugen noch von Teen Dazes Anfängen, inspiriert von 8-Bit-Soundtracks und Sci-Fi-Effekten. Dabei füllten diese ersten Werke erst sein drittes Album. Mit „Four More Years“ war bereits 2010 ein Album erschienen, das reifer klang und mit weicheren Beats und wärmeren Soundcollagen à la Chillwave überzeugen konnte. 4-Track-Winzling „Beach Dreams“ erschein gegen Ende desselben Jahres und war durchtränkt von Lo-Fi-Effekten, Indie-Melodien und akustischen Gitarren.

Es war also eine Zeit der Entwicklung für Jamison, dem Mann hinter Teen Daze, der ein Geheimnis um seinen Nachnamen macht. Im Jahr 2012 erschien schließlich, was fälschlicherweise gemeinhin als Jamisons erster Longplayer angesehen wird. „All Of Us, Together“ war im Prinzip eine beatlastigere Chillwave-Fortsetzung Teen Dazes philosophischer „A Silent Planet“-EP, die 2011 seine erste pure Ambient-Platte sein sollte. So bleibt es weiterhin bei der Stilsuche. „The Inner Mansions“ (2012) war wieder Chillwave, jedoch mit einem beachtlichen Schwerpunkt auf Songwriting. Ob Jamison inzwischen seinen Stil gefunden hat, ist schwer zu sagen. „Glacier“ verschreibt sich erneut dem Ambient. Eigentlich kaum verwunderlich, sind flächige Synthies und Echos doch ständiger Begleiter all seiner vorigen Produktionen gewesen.

Trotz Gewöhnung an Teen Dazes wechselnde Sounds, der Sprung zu „Glacier“ ist überraschend hart. Das Album beginnt sehr langsam, sehr leise. Eine unterschwellige Bassdrum hält den Rhythmus, während an der Oberfläche schimmernde Synthies einen immer leiser werdenden Frauenchor begleiten. „Autumnal“ folgt einem schnelleren Drumloop, doch im Vordergrund zeichnet Teen Daze eine flächige, ruhige Synthie-Landschaft mit dem sphärischen Vocalsample einer ausatmenden Frau. „Ice On The Windowsill“ legt tatsächlich wieder mehr Wert auf Rhythmus, spielt ein bisschen mit Hi-Hats, und hat seichte Vocals. Der Hintergrund ist jedoch konstant mit demselben Ton unterlegt, der klingt, als wäre ein himmlischer Frauenchor im ersten A von „Halleluja“ hängen geblieben. Wer zu stark darauf achtet, fühlt sich unangenehm an Tinnitusgeräusche erinnert.

Ähnlich geht es in „Tundra“ zu, nur handelt es sich hierbei um einen hartnäckigen Keyboard-Sound, der Cuts, Clicks und eine E-Gitarre im Vordergrund begleitet. Man muss ihm lassen, dass er es schafft, eine Tundra musikalisch zu umreißen. Glücklicherweise bricht auch irgendwann der Keyboard-Sound zu Gunsten abwechselnder Töne ab. Wirklich lange konzentriert zuhören möchte man bei diesem und dem letzten Track trotzdem nicht.

Es wirkt alles sehr New Age, klingt sehr nach Ambient-Großmeister Brian Eno. Da fühlt man sich von der Rückkehr dominanter Percussion und Synthie-Melodien, die Jamisons vorige Alben so prägten, richtig erfrischt. „Flora“ kommt einen Track zu spät, ist dafür aber umso erfrischender und endet in einer schrägen Soundwand. Von hier an geht es aufwärts. „Listen“ hat zwar wieder einen sphärisch-penetranten Hintergrund-Ton, doch die Beats, die an Au Revoir Simones „Through The Backyards“ erinnern, und die hallenden Vocals, machen das wieder wett.

„Walk“ ist der abschließende Closer und zeigt, fast schon vorwurfsvoll, wie „Glacier“ hätte klingen können. Langsame aber flächige Synthies mit leicht metallischem Klang, später untersetzt von weißem Rauschen und einer zweiten, höheren Synthie-Spur machen den Track aus. Ansonsten ist Teen Dazes Werk einfach zu anstrengend und zu einseitig, als dass es wirklich fesseln könnte. Die Verträumtheit des Albums ist ein Stück zu weit und zu konsequent durchgezogen, zu verwaschen sind die Effekte und zu eintönig und grell ist das Ergebnis.

Anspieltipps:

  • Flora
  • Walk

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