Midlake - Antiphon - Cover
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Midlake Antiphon


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 44 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die hochmelodischen Ausflüge früherer Alben weichen dem Drang unbedingt etwas Neues schaffen zu wollen.

Als Midlake im Juni 2004 mit „Bamnan And Slivercork“ ihr kauziges Indie Rock-Debüt gaben, reihte sich der Erstling der ehemaligen North Texas College Of Music-Studenten Tim Smith (Gesang, Gitarre, Flöte), Eric Pulido (Gitarre, Keyboard), Eric Nichelson (Keyboard), Paul Alexander (Bass) und McKenzie Smith (Schlagzeug, Perkussion) in die Riege der guten, aber leider sträflich missachteten Anfangswerke einer Newcomerband ein. Zum Glück änderte sich dieser Zustand mit dem Nachfolger „The Trials Of Van Occupanther“ (07/2006), der nicht nur ein obskures Cover, sondern auch eine ganze Wagenladung an fabelhaften Melodien und naturbezogenen Texten bot, die Midlake den Ruf als verschrobene Waldmenschen einbrachte, die den ganzen Tag abgeschottet von der Zivilisation an den Vorzügen ihrer Isolation arbeiteten und über Banditen, Einsamkeit und zwischenmenschlichen Problemen sangen. Plötzlich waren die fünf Texaner in aller Munde und zierten die Best of-Listen einschlägiger Musikmagazine.

Doch dann kam bereits der kreative Umschwung und Midlake wollten mit ihrem dritten Longplayer die Band auf ein neues Level hieven, sie für all die Menschen da draußen greifbarer und verständlicher machen. Dummerweise zog sich der Prozess des Songschreibens in die Länge und „The Courage Of Others“ (02/2010) büßte nach und nach viel von seiner anfänglichen Unbeschwertheit ein, was letzten Endes zu einem weitaus düsteren und progressiv angehauchten Werk führte, das keineswegs schlecht war, aber viele Fans ratlos zurückließ. Der Fünfer konnte dennoch einen Achtungserfolg in den internationalen Charts erzielen (Platz 18 in England, Platz 94 in Amerika, Platz 96 in Deutschland) und versuchte anschließend mit Album Nummer vier die Kompositionen wieder zugänglicher zu machen. Als die Songs jedoch so gut wie fertig waren, suchte Sänger Tim Smith das Weite (er gründete die Band Harp), Gitarrist Eric Pulido nahm das Mikrophon an sich und Midlake fingen mehr oder weniger bei Null an.

In kurzer Zeit wurden neun Songs geschrieben („Provider reprise“ ist nur eine etwas langsamere, musikalisch leicht abgewandelte Variante des zweiten Tracks), die nach eigenen Angaben die wahre Essenz der Band in sich tragen sollen. Glaubt man dieser Aussage, so müsste die wahre Essenz wohl „gepflegte Langeweile“ sein, denn obwohl „Antiphon“ per se kein schlechtes Album ist, ist von den mitreißenden Harmonien und der dichten Atmosphäre eines „The Trials Of Van Occupanther“ hier nicht mehr viel zu spüren. Stattdessen installieren Pulido & Co. einen bestimmten Rhythmus oder eine interessante Idee in ihre Songs und belassen es dann dabei. Der mehrstimmige Gesang und die verträumte Waldschrat-Stimmung sorgt von Zeit zu Zeit zwar für ein wohliges Gefühl, doch wenn man meist damit beschäftigt ist, zu überlegen, ob man die Skip-Taste drückt oder lieber auf eine erlösende Wendung wartet, dann haben Midlake definitiv ihr Ziel verfehlt, ein ansprechendes Album zu gestalten.

Dabei betritt die mittlerweile mit zwei Neuzugängen verstärkte Band (Jesse Chandler (Keyboard, Piano, Flöte) und Gitarrist Joey McClellan) mit dem Titeltrack eine angenehm bekiffte Krautrock-Szenerie und zieht mit „Provider“ noch stärker an dem Tütchen, nur um dem Hörer in „The old and the young“ einen grandiosen Beat vorzusetzen, der durch eine unnötige Endlosschleife schneller an Glanz verliert, als der Sechser Vorbilder wie Pink Floyd oder Radiohead buchstabieren kann. Dieses Problem befällt in weiterer Folge auch das restliche Album und ehe man sich versieht, bleibt nicht mehr als das mitreißend konzipierte Instrumental „Vale“ übrig, das selbst ohne monotone Wortwiederholungen eine großartige Geschichte erzählt. Diese harsche Kritik mag angesichts der technisch einwandfreien Arbeit des Sechsers überzogen klingen, doch wenn ein vor sich hin mäanderndes, zielloses Nichts („Corruption“) auf viel zu brave Rockgitarren trifft („It´s going down“) und dabei langgezogene Wortfetzen säuselt („Ages“), dann reichen auch ein dominant eingesetzter Bass („This weight“) und ein barockes Bassdrum-Gewitter nicht aus, um den Hörer vom Stuhl zu reißen. Schade!

Anspieltipps:

  • Vale
  • Provider
  • Antiphon

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