Heart Of A Coward - Severance - Cover
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Heart Of A Coward Severance


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 39 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Der kleine Bruder von Meshuggah wird langsam erwachsen.

Nachdem das Djent-Strohfeuer langsam, aber sicher in gemäßigten Bahnen verläuft, wo nicht jeden Monat fünf Bands um progressive Aufmerksamkeit buhlen, wird es Zeit, einen Blick auf die größten Hengste im Stall zu werfen. Periphery haben als Genre-Speerspitze mit ihrem ersten Nachschlag „Periphery II: This Time It´s Personal“ (07/2012) auf jeden Fall versagt und auch TesseracT, die auf ihrem Debüt „One“ (03/2011) noch vielversprechendes Neuland betraten, sind mit dem in der Unendlichkeit des Nichts umherschwirrenden „Altered State“ (05/2013) vorerst am Nullpunkt angelangt, wo jeder weitere, falsche Schritt das Aus bedeuten könnte. Einzig und allein Meshuggah, die mit ihrer faszinierenden Polyrhythmik einen der wichtigsten Grundsteine für die Entstehung des Djent-Genres legten, formten mit „Koloss“ (03/2012) zumindest ein solides Allerlei aus Groove, Rhythmik und Melodie, das keineswegs an die hypnotische Großtat „Obzen“ (03/2008) oder die fulminante Prog-Suite „Catch Thirtythree“ (05/2005) heranreichte, aber Fans wenigstens nicht mit überflüssigen Experimenten langweilte.

Diese „No Bullshit“-Mentalität haben auch die Jungspunde von Heart Of A Coward aufgegriffen, welche mit „Hope And Hindrance“ (05/2012) ein rohes, aber auf den Punkt gebrachtes Debüt vorgelegt haben, das die Damen und Herren von Century Media zu einem Vertragsangebot überredet hat. Das gemeinsame Kind hört nun auf den Namen „Severance“ und ist in seinen Gebärden so etwas wie der kleine Bruder von Meshuggah. Überlange Kompositionen gibt es nicht und in den durchschnittlich vier Minuten eines Tracks werden nicht 163 verschiedene Rhythmen aus aller Welt hinein gepresst, sondern etwas stur, aber größtenteils passend, klare Linien verfolgt. Thematisch verfolgen Jamie Graham (Gesang), Carl Ayers (Gitarre), Steve Haycock (Gitarre), Vishal Khetia (Bass) und Christopher Mansbridge (Schlagzeug) „soziale Blutsauger, Elitedenken, Internetkultur, Statusdenken und insbesondere das Feiern irgendwelcher Prominenten, egal, wie weltlich ihre Bemühungen eigentlich sind“ und befinden sich somit auch auf Kurs.

Wie es sich für ein Album gehört, das mit dem richtigen Knall in der Szene einschlagen will, fetzt auch „Severance“ mit einem wutschnaubenden Berserker um die Ecke, der erst einmal verdaut werden will. Zeit dafür bleibt eigentlich keine, denn das spritzige und mit Klargesang ausgestattete „Prey“ legt kraftvoll nach und auch „Distance“ und „Nauseam“ spucken bitterböse Galle, selbst wenn letzterer Track sich etwas im Prog-Anspruch verliert und der Putz langsam zu bröckeln beginnt. Bevor es allerdings soweit ist, liefern Heart Of A Coward die grandiose Maulsperre „Deadweight“, bei der man besonderes Augenmerk auf die Arbeit der zwei Gitarren legen sollte, während „Eclipse“ ein überflüssiges Intermezzo darstellt und das anschließende „Psychophant“ die letzte Nummer ist, die mit ordentlich Nachdruck in die Magengrube einschlägt, denn sowohl „Mirrors“, „Desensitise“, als auch der abschließende Titeltrack legen eine gehörige Portion Aggressivität hinzu, bewegen sich dabei jedoch stets auf herkömmlichen, wie auch altbekannten Djent-Pfaden, die dem Genre keine neuen Nuancen offenbaren.

Nichtsdestotrotz verspricht die kompakte Ader des Fünfers (das Album bewegt sich mit nicht einmal 40 Minuten auf der unteren Längenskala im Djent) den überschäumenden Gebärden ihrer Kontrahenten ein Schnippchen zu schlagen und in Zukunft als einer der letzten Überlebenden aus dem Ring zu steigen. Ob es dazu kommt, wird sich zeigen, doch wenn Periphery, TesseracT & Co. ähnlich aufgeblasenen Murks verzapfen, wie auf ihren letzten Werken, dann wird diese Annahme wohl schneller Realität, als es den jeweiligen Herrschaften lieb ist.

Anspieltipps:

  • Monstro
  • Deadweight
  • Psychophant

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