Shantel - Anarchy + Romance - Cover
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Shantel Anarchy + Romance


  • Label: Essay Recordings
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Keine Zeit für schlechte Laune, nach vorne, nach vorne!

Wer kann sich noch an den Shantel erinnern, der um die Jahrtausendwende poppige Downtempo-Tracks produziert hat? Der mit „Higher Than The Funk“ im Jahr 1998 international Aufmerksamkeit auf sich lenkte? Wer heute Shantel erwähnt, spricht höchstwahrscheinlich von Balkan Beats und polternden Orchestern. Zu Recht. Ohne Shantel seine Qualitäten als Downbeat-Produzent absprechen zu wollen, in Erinnerung bleiben wird er wohl für seine Mischung von elektronischen Produktionen mit osteuropäischen Klängen.

Ganz loslösen von diesem Image wird sich Stefan Hantel, so sein bürgerlicher Name, wohl auch nicht. Ob er das will, ist jedoch sowieso fraglich. Schließlich greift „Anarchy + Romance“ vieles von dem Balkan-Sound auf, den er über die letzten zehn Jahre so gepflegt hat. Mit Gitarre, Trompete und Tamburin gibt er sich auf „Ghost Town“ der Melancholie mit Live-Instrumenten hin. Was erst mal wie ein Versuch klingt, sich ein wenig von den Tanzflächen Europas zu distanzieren, stellt sich schnell als ein einfach nur ruhiger Opener heraus, denn die Folgetracks „All The Glamour Has Gone“ und „13th Shake“ lassen mit bollernden Beats, orientalischer Melodik und rhythmischem Klatschen keinen Zweifel daran, dass Shantel sein Konzept noch weiter verfolgen will.

Und das tut er sehr wohl erfolgreich. Wie das Tanzen generell, wird glücklicherweise auch Shantels Untermalung nicht langweilig. Das wird wohl dem Umstand geschuldet sein, dass er sich durchaus darauf versteht, das Konzept auch frisch zu halten. Mit Swing-Einflüssen, verstärkten Folktronica- und Rock-Klängen sowie gelegentlichen Bossa-Nova- und Rockabilly-Rhythmen wartet „Anarchy + Romance“ auf jeden Fall mit mehr Neuem auf als das Vorgänger-Album „Planet Paprika“. Der charakteristische Gipsy-Sound erhält sich dabei natürlich trotzdem.

Was der vorliegende Longplayer nach dem Opener leider gar nicht zu bieten hat, ist emotionale Abwechslung. Im Vordergrund steht wie immer das Feiern des Lebens und der Geselligkeit, was sich ja schon in der Entstehung des Sounds niederschlägt und auch Grundlage der gefeierten Live-Auftritte Shantels und des Bucovina Orkestars ist. Obwohl sich die lyrischen Themen abwechseln, passt sich der Sound diesen doch kaum an. Somit sind die Songstruktur und die Instrumentierung sehr vielschichtig, doch in den Emotionen, die transportiert werden, äußerst flach. Einzige Ausnahmen bilden lediglich das langsame „Ghost Town“, „Letkis“ und „Golden“ (übrigens mit dezentem Flamenco-Klappern der beste Track des Albums). Diese tragen aber kaum zu einer guten Mischung bei, da sie gebündelt erst am Anfang oder am Ende des Albums auftreten, anstatt sich ausgewogen über die Spieldauer hinweg zu verteilen.

Anspieltipps:

  • All The Glamour Has Gone
  • Your Nose Is Punk
  • Golden
  • Süper Bad Day

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