Maintain - The Path - Cover
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Maintain The Path


  • Label: Swell Creek/SOULFOOD
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Die lange Schaffenspause hat den Jungs definitiv gut getan!

Das ist ja nochmal gut gegangen! Nach ihrem zweiten Longplayer „With A Vengeance“ (2007) verlor das Maintain'sche Gitarristenduo einfach den Spaß an der Sache und zogen die restlichen Mitglieder direkt mit in den Abgrund. Alles, was sich die Gruppe aus Norddeutschland bisher aufgebaut hatte, stand kurz vor dem Aus. Sie spielten kaum noch live und arbeiteten nicht an neuem Material. Die Konsequenzen mussten dementsprechend drastisch ausfallen, um das Bestehen der Band zu sichern. Deshalb hat es satte sechs Jahre gedauert, bis es wieder ein vollwertiges Lebenszeichen der deutschen Metalcoreler gab - in dem Genre, in dem die neuen Bands wie Pilze aus dem Boden sprießen und nicht selten die Hörerschaft mit halbgaren Müll peinigen, ist das beinahe ein gefühltes Jahrhundert. Sowas dürfen sich gerade mal Koryphäen wie Heaven Shall Burn oder Caliban erlauben - mal angenommen, sie würden von ihrem fast jährlichen Release-Rhythmus abweichen. Ein Problem für Maintain? Wohl kaum, denn sie wagen den Neustart. Da sie es wirklich ernst meinen, darf man ihren dritten Longplayer „The Path“ gut und gerne als waschechtes Comeback ansehen.

Zusammen mit den neuen Axtmännern Tim Piotraschke und Jan Röhrs melden sich Timo Böhling (Gesang), Julian Tamke (Bass) und Christoph Schiming (Schlagzeug) als wiederauferstandene Maintain zurück. An ihren damals als Achtungserfolg gefeierten Erstling „Reveal Our Disguise To An Infinite Abyss“ (2005) wird die neu erstarkte Band kommerziell wohl kaum anknüpfen können. Dafür ist in der Szene zu viel passiert, dafür sind viele Fans von früher einfach zu untreu geworden. Allerdings scheint die Pause, auch wenn sie von zwanghafter Natur gewesen sein soll, den Musikern gut getan zu haben. Zwar erlebt der Hörer von „The Path“ keine großen Genre-Pioniere, doch immerhin hebt sich ihre Musik vom Gros der monatlichen Metalcore-Outputs ab und bietet genug Abwechslung, dass man gerne hinhört, wenn die Burschen drauflos rumpeln. Der Opener „New Shores“ beispielsweise ist ein herrlich krachender Smasher, der besonders im Livegewand für schmerzhafte blaue Flecken sorgen dürfte. Bitterböses Riff- und Doublebassbombardement dagegen gibt es in Form von „Deception“, „The Day“ und ganz besonders, wenn die fünf Maintainer mit „Reign Of Malice“ eine todesbleihaltige Knüppelorgie feiern. Traditionsbewusste Langhaarzottel, die zufällig „The Path“ beschreiten sollten, werden schließlich mit den Heavy- und Thrash-Happen „The Farewell“ (großartig), „Kissing The Flames“, „In The Midst Of Doubt“ oder „Priorities“ auch nicht vergrault werden.

Aber in eigentlich jeder Komposition finden sich solch wohl dosierte Elemente, von denen das gesamte Album enorm profitiert. Dadurch entsteht eine gewisse Dynamik, welche monotoner Brachialität keine Chance lässt. Gut so! Tatsächlich entpuppt sich „The Path“ als wohl überlegtes und sorgfältig geplantes Unterfangen - mit so manchem Schnellschuss haben diese Band und dieses Album gottlob wenig zu tun. Ohne Kompromisse ziehen sie ihr Ding durch und vermeiden es, mit ihrer Musik die peinliche Emo-Fraktion glücklich machen zu wollen. „Wir haben es nie ausprobiert, denn wenn du das machst, dann muss es auch richtig gut sein, sonst machst du dich lächerlich.“, sagt Frontmann Timo, wenn es um das Thema cleane Vocals geht. Danke, endlich kapiert es mal jemand! Für so viel Einsicht, erbarmungslose Härte, aber auch Unbeschwertheit möchte man den guten Herrn gerne drücken. „The Path“ zeigt Maintain von einer abermals starken Seite, lässt das eher mittelmäßige zweite Album vergessen und ist ein empfehlenswertes „zweites Debüt“, welches man gehört haben sollte.

Anspieltipps:

  • New Shores
  • The Farewell
  • Kissing The Flames
  • Deception
  • Reign Of Malice

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