Son Lux - Lanterns - Cover
Große Ansicht

Son Lux Lanterns


  • Label: Joyful Noise/CARGO
  • Laufzeit: 41 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Orchestraler Pop mit schaurig-schönen Vocals und komplexen Elektroeinlagen.

Ryan Lott ist in erster Linie Komponist. Bevor und noch während der vier Jahre, in denen er an seinem Solodebüt arbeitete, schrieb er Stücke für Tanzchoreographien und eine New Yorker Werbeagentur. Seit „At War With Walls And Mazes“, das er als Son Lux veröffentlichte, hat Lott seinen musikalischen Horizont um ein vielfaches erweitern können: Auf „We Are Rising“ (2011) bügelte er viele der Fehler aus, die an seinem Debüt kritisiert worden waren. Im Jahr 2010 unternahm er auf seiner „Weapons EP“ einen Ausflug ins Breakbeat- und IDM-Genre und 2012 tat er sich, in der S/S/S genannten Kollaboration mit Sufjan Stevens und Rapper Serengeti, als HipHop-Produzent hervor.

Auf „Lanterns“, seinem drittem Soloalbum, ist diese Entwicklung förmlich zu spüren. Lotts Stimme klingt zerbrechlich und sehnsüchtig. Aufbrausende Chöre treiben „Alternate World“ aus der Melancholie in eine Euphorie, in der die glitzernde Harfe, die das Stück bis dahin die ganze Zeit begleitet hat, eine völlig neue Rolle einnimmt. Das Gesamtbild ist komplex und mitreißend, irgendwo eine Mischung aus Radiohead und Grizzly Bear. Seine Erfahrung nutzt Son Lux für dichte Arrangements und unheimliche Atmosphären, seine Produktion treibt mit tiefen Bässen und schneller Percussion die Stücke aus dem Dasein als simple Hintergrundvertonung ins Rampenlicht.

„Lost It To Trying“ ist das perfekte Beispiel für das zuletzt beschriebene, ist dicht und packend, doch es geht auch anders. „Ransom“ läuft mit einer Synthiespur an, die an Chromatics' Hit-Album „Kill For Love“ erinnert. Schräge, beunruhigende Violinen setzen ein zu einem knarzenden Bass. Plötzlich bricht alles ab, eine filigrane Stimme erhebt sich über einem subtilen Bass, überlässt es dem Stück, sich neu aufzubauen. Dagegen ist „Easy“ eine absolute Downtempo-Nummer, in der Baritonsaxophone und Offbeat den Hörer zur Aufmerksamkeit zwingen. „Pyre“ gräbt sich mit trägem Beat und einer schaurig-schönen Synthiespur in den Gehörgang ein, bevor es um Bass und Percussion zu einem Track erweitert wird, der in Ruhe und Kraft einem Gewitter in nichts nachsteht.

Der Sturm und die Ruhe davor. So in etwa lässt sich auch das gesamte Album beschreiben. Die ruhigen Tracks entfalten alle früher oder später eine Kraft, die mitreißt, wenn man nicht schon längst von den faszinierenden Kompositionen zu Anfang mitgenommen wurde. Manchmal ergeben sich die Stücke dann in pompöser Instrumentierung und Frauenchören, manchmal in elektronischen Spielereien und Jazz-Anleihen. Manchmal sind es rockige Gitarrenriffs und Folk-Rhythmen. Es ist schwer zu kategorisieren, doch dies und die unheimliche und doch euphorische Atmosphäre, die auf „Lanterns“ vorherrscht, machen das Album aus. Schön ist, dass es immer wieder Spaß macht, zu beobachten, wie Lott diese Atmosphäre jedes Mal neu schafft und so Abwechslung reinbringt.

Anspieltipps:

  • Lost It To Trying
  • Ransom
  • Pyre
  • Lanterns Lit

Neue Kritiken im Genre „Electro“
Diskutiere über „Son Lux“
comments powered by Disqus