Blue Rodeo - In Our Nature - Cover
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Blue Rodeo In Our Nature


  • Label: Blue Rose Records
  • Laufzeit: 62 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Das 13. Studioalbum der hierzulande weitgehend unbekannten CanAmericana-Institution Blue Rodeo.

In ihrem Heimatland Kanada sind sie hochdekorierte Superstars, bei uns kennen sie hingegen nur relativ wenige Insider. Das könnte sich jetzt ändern, denn ihr aktuelles Werk erscheint bei Blue Rose, dem hiesigen Spezialisten für handgemachte Roots-Sounds zwischen Country, Folk und Blues. Blue Rodeo wurden im Jahr 1985 in Toronto, Kanada, gegründet und brachten zwei Jahre später ihr Debüt „Outskirts“ heraus. Seitdem haben sie ihre Vorstellung davon, wie traditionell verwurzelte Rockmusik zu klingen hat, verfeinert, moduliert und qualitativ durchgängig auf hohem Niveau präsentiert.

Herz und Hirn der Band sind die Songwriter Jim Cuddy und Greg Keelor, die gerne auch als die kanadischen Lennon/McCartney bezeichnet werden. Das kommt nicht von ungefähr, denn das versierte Komponisten-Duo verarbeitet in ihrem speziellen Country-Folk auch gerne Beatles-Harmonien. Aber auch die Finesse und Eleganz der Byrds und die Verehrung für die Bodenständigkeit von The Band haben in ihrem Sound ein Zuhause gefunden. Diese Einflüsse kann man streckenweise noch orten, die Gruppe hat sich aber längst von ihren Vorbildern emanzipiert und einen typischen, eigenständigen Sound entwickelt.

Die beiden Köpfe der Combo ergänzen sich in ihrer Herangehens- und Ausdrucksweise prächtig: Jim Cuddy hat ein Sehnen und Flehen in seiner Stimme, das Steine erweichen kann. Greg Keelor ist mit einem wie von leichtem Raureif überzogenen Timbre gesegnet, das ihn prädestiniert, die dunkleren Stücke überzeugend zu interpretieren.

Harmonie und Ausgeglichenheit sind Schlüsselworte, die den Klang der Blue Rodeo-Kompositionen charakterisieren. Die Songs bewegen sich in einem Spektrum, das zwischen abgebremsten Up-Tempo-Nummern bis hin zu tiefemotionalen Balladen, die immer auch aufhellende Momente aufweisen, liegt. Sie entziehen sich durch Stimmungs- und Stilwechsel einer exakten Kategorisierung und bleiben so ständig interessant und andersartig.

Die Einspielungen zum neuen Album entstanden auf der Farm von Greg Keelor. Die als Übungsaufnahmen geplanten Zusammenkünfte führten dann aber direkt zu einer offiziellen Veröffentlichung. Die Stimmung bei den Sessions war ausgelassen, das ländliche Ambiente inspirierte die Musiker und so wurden Klänge geschaffen, die eine tiefe Verbundenheit mit der kanadischen Heimat und eine schon fast telepathische Kommunikation zwischen den Akteuren offenbart.

Dementsprechend hat man es hier mit ausgewogenen, aus der langen Erfahrung und dem außergewöhnlichen Können der Songwriter entsprungenen, altersweisen Songs zu tun. Unter den vielen exquisiten Einfällen ragen folgende Lieder heraus: Der Opener „New Morning Sun“ ist ein optimistischer, lockerer Mid-Tempo-Track mit Hit-Potential. Die flüssige Country-Nummer „Mattawa“ wird von knackigen Twang-Gitarren und edlen Steel-Guitar-Einlagen geadelt. Blue Rodeo hat für solch besondere instrumentale Kabinettstückchen den Multiinstrumentalisten Bob Egan in ihren Reihen. Er hat durch seine einfühlsame Musikalität unter anderem schon Lieder von Freakwater und Wilco glänzen lassen und macht auch hier wieder einen großartigen Job. „In The Darkness“ kommt nicht so düster rüber, wie es der Titel vermuten lässt. Irrlichternde, zwischen Vor- und Hintergrund wechselnde Gitarren sorgen in einem vorwärts trabenden Rhythmus für eine auffallende Kulisse.

Auch die Balladen haben es in sich: „Wondering“ wird von Greg Keelor überlegt, mit melancholischer Note umgesetzt. Perlende E-Piano-Intermezzi runden dieses wattige Gebilde, das gemütlich vor sich hin plätschert, ab. Das Epos „In Our Nature“ ist eindringlich und geheimnisvoll konzipiert. Keelors Gesang erklingt in matten Grautönen. Der Song tastet sich vorsichtig nach vorne, so als würden unbekannte, nicht ausreichend beleuchtete Räume erforscht werden. Dazu erzeugt das E-Piano Töne, die im Restlicht schimmern. Sehr gediegen und fesselnd.

Diese neue Songsammlung nimmt im an Höhepunkten nicht armen Katalog von Blue Rodeo eine obere Position ein. Die Songs sind harmonisch ausbalanciert. Sie sind nicht zu euphorisch und auch nicht zu introvertiert. Hier sind Künstler am Werk, die genau wissen, was sie tun. Sie kommen aus der Liebe zur Musik zusammen, wenn sie der Welt etwas mitzuteilen haben. Und die Welt sollte zuhören, was sie zu sagen haben.

Anspieltipps:

  • New Morning Sun
  • Wondering
  • Mattawa
  • In Our Nature
  • In The Darkness

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