Roger Taylor - Fun On Earth - Cover
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Roger Taylor Fun On Earth


  • Label: Virgin/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Roger Taylor zeigt sich als ernsthafter und politisch engagierter Songwriter.

Die vier Musiker der Band Queen (Freddie Mercury, Brian May, John Deacon und Roger Taylor) waren gemeinsam eine künstlerisch unschlagbare und unangreifbare Macht. Kritisch wurde es immer nur dann, wenn sich die einzelnen Bandmitglieder auf Solopfade begaben. Vielleicht fehlte hier und da einfach das regulatorische Element einer Gruppe, die demokratisch entscheidet, ob ein Song gut ist oder nicht und ob er verwendet wird oder in die Mülltonne fliegt. Doch wenn die Herren Mercury („Mr. Bad Guy“, 1985), May („Back To The Light“, 1992) oder Taylor („Strange Frontier”, 1984) alleine ins Studio gingen (John Deacon hielt sich mit Soloalben immer zurück), kamen mitunter skurrile Ergebnisse dabei heraus, die nur von den beinharten Queen-Fans goutiert wurden.

Viel schlimmer war allerdings die sogenannte Queen-Reunion ohne Freddie Mercury und John Deacon unter dem Namen Queen + Paul Rodgers zwischen 2004 und 2009. Diese Schnapsidee hätte unter allen Umständen verhindert werden müssen, zumindest was das Studioalbum „The Cosmos Rocks“ (09/2008) betrifft, das als das mit Abstand schlechtestes Queen-Werk in die Geschichte eingegangen ist. Zum Glück ist dieser Spuk beendet worden und Queen-Schlagzeuger Roger Taylor (64) begann Ende des Jahres 2008 gegen die Langeweile seinen mittlerweile fünften Solo-Longplayer einzuspielen.

Die Texte auf Taylors Soloalben waren immer wieder mit sozialpolitisch geprägten Botschaften ausgestattet, was bei Songs wie „Nazis 1994“ oder „Dear Mr. Murdoch“ schon mal zu kleinen Skandälchen führte. An dieser Taktik hält Taylor auch heuer fest. Und so verlagert der Engländer die Szenerie seines neuen Albums zurück auf die Mutter Erde, nachdem er im Jahr 1981 auf seinem Solodebüt Spaß im Weltraum hatte („Fun In Space“ erreichte immerhin die Top 20 in Großbritannien).

Roger Taylor ist nicht nur als Partylöwe bekannt, sondern auch als ein Songschreiber, der nie den einfachen Weg gewählt hat. Er ist sowohl für absolute Queen-Ohrwürmer wie „Radio ga ga“ als auch für kantige Rocksongs wie „I’m in love with my car“ verantwortlich. Ein sehr gutes Beispiel für diesen scheinbaren Widerspruch ist bereits der zäh stampfende, mit tiefen E-Gitarrenriffs ausgestattete Opener „One night stand“, der aus einem eher ruhigen, akustischen Album heraussticht.

Diese rockigen Eruptionen erstrecken sich über das gesamte Werk. So ist die Ballade „Fight club“ mit akustischen Gitarren und atmosphärischen Saxophonklängen ein absoluter Ohrenschmeichler, während „I am the drummer (in a rock’n’roll band)” als kantiger Hardrock-Song durchgeht. „Say it’s not true” ist dagegen die Neuaufnahme des ursprünglich von Queen + Paul Rodgers performten Songs, dem nun Jeff Beck als Gast-Gitarrist mit seinen sparsamen Licks eine Gänsehautatmosphäre verleiht. Das zarte „Be with you“ erinnert ein wenig an Pink Floyd, so wie „Sunny day” an Queens „No one but you (only the good die young)” aus dem Jahr 1997 angelehnt scheint. „The unblinking eye“ ist eine schonungslose Abrechnung mit britischen Politikern und Kriegstreibern, in deren krassen Gegensatz ein Song wie „Small” als Folk-Pop-Ballade mit traumhafter Melodie steht.

„Fun On Earth“ ist ein typisches Roger-Taylor-Album. Zwar klingt es im Vergleich zu früheren Werken etwas gesetzter und vielleicht auch altersmilde, doch man hört immer wieder heraus, dass hier jemand mit über 40 Jahren Erfahrung in Sachen Rock- und Pop-Songwriting am Werk ist. Auch wenn die Songs hier und da simpel klingen mögen, sind sie nie langweilig. Denn die Details befinden sich unter der Oberfläche, wo sich neben dem heiteren und unbekümmerten Menschen Roger Taylor, ein ernsthafter und politisch engagierter Songwriter verbirgt.

Anspieltipps:

  • Small
  • Sunny day
  • I don’t care
  • Quality street
  • The unblinking eye
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