Vengeance - Piece Of Cake - Cover
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Vengeance Piece Of Cake


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Hardrock-Optimisten bleiben standhaft und beweisen, dass sie auch nach 30 Jahren nicht zum alten Eisen gehören.

Namhafte Musiker wie beispielsweise Ian Parry oder Ayreon-Chefdenker Arjen Lucassen gehörten ihr an - allesamt Herren, die es zu etwas gebracht haben. Keine Frage: Das niederländische Hardrock-Flagschiff Vengeance ist und bleibt eine der Legenden, die ihre beste Zeit vielleicht bereits hinter sich hat und dennoch weiterhin hungrig ist. Die Band, welche im Jahre 1989 aufhörte, als es am schönsten war, ist einfach nicht tot zu kriegen und macht damit ihrem Ruf, die vielleicht optimistischste Hardrock-Kapelle überhaupt zu sein, alle Ehre. Kein Problem, Pustekuchen, Piece o' cake - ihr elfter Longplayer „Piece Of Cake“ spricht Bände. Vengeance machen was sie wollen, bleiben sich treu und rocken einfach nur frisch und fröhlich drauflos.

Die vielleicht größte Neuerung im Line-up stellt Timo Somers an der Gitarre dar. Der Sohn des im Jahre 2011 verstorbenen Jan Somers bewirkt sicherlich keine 180°-Drehung, hat aber einige frische Einfälle und verleiht „Piece Of Cake“ eine recht moderne Ausrichtung, die sich alles andere als störend erweist. Somit ist das Album weitaus mehr als ein typisches Hardrock-Werk. Auch wenn die modernen Elemente überaus dezent sind, profitieren seine Kollegen von Somers dezenten Anpassungen. Leidglich die Kompositionen „Sandman“ und „Train“ fallen etwas aus dem Rahmen und nähern sich ein wenig dem Alternative an - das erweist sich als fataler Fehler, der den roten Faden durchtrennt und nur unnötig herausreißt. Skip. Im Großen und Ganzen bleibt „Piece Of Cake“ glücklicherweise oldschooliger Hardrock mit Eiern in der Hose und verliert ansonsten zu keiner Zeit seine Identität. Während „World Arena“, „Headquake“ und der Titeltrack ziemlich straight rocken, präsentiert uns die Band mit „Tears From The Moon“ eine sogar leicht sphärische Mid-Tempo-Nummer, die überraschend ruhige Saiten aufzieht.

Ähnlich verhält es sich mit „Raintime Preload“ und dem folgenden „Raintime“ - der Flirt mit Gitarren- und Progressive Rock ist unüberhörbar, gewinnt aber nicht die Überhand. Vengeance rocken mit Ecken und Kanten, mit besonderem Augenmerk auf die Gitarrenarbeit, welche sich stellenweise nicht mal hinter Maiden-Axtduellen zu verstecken braucht. Aufhorchen lassen schließlich das vor allem musikalisch vorzügliche „Back To Square One“, dessen ruhige Passagen beinahe bluesige Momente aufkommen lassen und der völlig zu Recht als Schlusslicht platzierte Höhepunkt „Goodbye Mother Sky“. Hier huldigen Vengeance mehr als deutlich Led Zeppelin.

„Kashmir“-Riffs finden sich genauso wie orientalische Passagen und ein sich immer weiter aufbauschender Bombast. Eine klasse gemachte und wohl dosierte Heldenverehrung, die als Gimmick sehr viel besser funktioniert als komplette Soundadaptionen diverser Retro-Rocker. Im direkten Vergleich ist „Piece Of Cake“ dagegen angenehm unaufgeregt und vermeidet große Stadionhymnen. Stattdessen wissen die Vengeance-Jungens mit einer teilweise überragenden Leistung an den Instrumenten zu beeindrucken. Klar, nach 30 Jahren Bandgeschichte geht da so einiges! Auch wenn Vengeance mit dem im Jahre 1989 erschienenen Werk „Arabia“ wohl oder übel ihren Zenit überschritten haben, ist „Piece Of Cake“ das vielleicht interessanteste Album, welches sie im neuen Jahrtausend veröffentlicht haben. Trotz einiger Filler sei es den Fans deshalb unbedingt ans Herz gelegt.

Anspieltipps:

  • Tears From The Moon
  • Raintime
  • Back To Square One
  • Goodbye Mother Sky

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