Boy George - This Is What I Do - Cover
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Boy George This Is What I Do


  • Label: Very Me Records
  • Laufzeit: 54 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Boy George hat zu organischen Popsongs zurückgefunden, die leider etwas im Reggae- und Dubstep-Wahn versumpfen.

Ist es eigentlich statthaft, einen weltweit bekannten Künstler wie Boy George (52), der mit der Band Culture Club in den frühen 80er Jahren große Erfolge feierte und danach eine Solokarriere startete, als One-Hit-Wonder zu bezeichnen? Schließlich ist von seinen zwei Dutzend Single-Veröffentlichungen lediglich „Everything I own” aus dem Jahr 1987 so richtig im Gedächtnis geblieben. Und natürlich, dass George Alan O’Dowd (so Boy Georges bürgerlicher Name) stets als ultra-freakiger Paradiesvogel durch die Gegend rannte, der aus seiner Homosexualität und seiner Vorliebe für Drogen aller Art nie ein Geheimnis machte. Legt man darüber hinaus auf die Goldwaage, dass die letzten beiden Longplayer-Veröffentlichungen „U Can Never B 2 Straight“ (2002) und „Ordinary Alien“ (2010) quasi außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung versauerten, hat der 52-Jährige mal eben eine ganze Dekade an die Wand gefahren.

Albumaufnahmen waren für Boy George nie einfach, sodass er im Laufe der Jahre eine echte Aversion dagegen entwickelte. Nichtsdestotrotz haben sich vor allem seitdem Boy George als nüchtern und drogenfrei gilt, eine Menge Songs und Ideen angesammelt, die nun auf dem neuen Werk, mit dem fast schon entschuldigenden Titel „This Is What I Do“, zusammengefasst wurden. Die Studioaufnahmen dazu fasst Boy George als spaßig, stressfrei und als einen großen Schritt davon entfernt zusammen, was der Brite in den letzten paar Jahren als Dance-DJ gemacht hat.

In der Tat ist „This Is What I Do“ ein reinrassiges Popalbum fernab aller Club-Kultur geworden, das zwar ab und an wie ein musikalischer Gemischtwarenladen mit Reggae- und Dubstep-Anleihen („Live your life“, „My star“, „Love and danger“, „Nice and slow“), Country- und Folk-Einflüssen („It’s easy“) sowie souligen Elementen klingt („Death of Samantha”), aber nichts mehr mit der exaltierten Drogen- und Club-Dance-Mucke der jüngeren Vergangenheit zu tun hat. Und das ist auch gut so, selbst wenn nicht alle Stücke auf dem Album zünden und gerade zum Ende in einem zähen Reggae-Sumpf untergehen.

Dafür startet „This Is What I Do“ mit einem der besten Popsongs der letzten Monate, der pathetischen Hymne „King of everything“, die mit einer musikalischen Opulenz zwischen Queen und Elton John gesegnet ist und im UK doch nur bis auf Platz 73 der Charts kam. Was für eine Schande! Denn bessere Argumente als „King of everything“ hat „This Is What I Do“ leider nicht zu bieten.

Anspieltipps:

  • My god
  • It’s easy
  • Nice and slow
  • Love and danger
  • King of everything
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