African Corpse - Corpsewar - Cover
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African Corpse Corpsewar


  • Label: Saol/H'ART
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Metal gegen Welthunger und Ungerechtigkeit – die Meinung gibt es ungeschönt und hartherzig in die Fresse gespuckt!

Dass Vertreter der extremen Metal-Zunft hin und wieder einmal die sozialkritische Schiene fahren, ist auch kein Geheimnis mehr. Man denke an die Veggie-Grinder um Cattle Decapitation oder die außerordentliche Entwicklungen durchmachenden Pioniere von Death! Wenn sich eine Band African Corpse nennt, dann ist die erste Frage schließlich, wie genau die Musiker es denn nun halten. Aufrütteln der Hörerschaft oder provokante Geschmacklosigkeit - streng genommen geht ja alles in der divergenten Szene. Die Heilbronner Death- und Thrash-Kombo African Corpse will glücklicherweise auf die Probleme in der dritten Welt aufmerksam machen. Provokant sind sie dennoch - und das ist wohl auch ganz sinnvoll! Zudem engagieren sich die Jungs bei humanitären Hilfsorganisationen und gehen mit gutem Beispiel voran. Der Metal bekommt so eine weitere Band mit wichtiger Aussage; der Mainstream bleibt weiterhin bei Mariah Carey, die auch so gerne dünn wie ein kleiner Afrikaner wäre - „aber nicht mit den Fliegen und dem Tod und dem ganzen Zeug.“

Vom kleinen Exkurs (Careys Zitat ist eine bekannte satirische Aussage, welche im Internet seinerzeit Wellen schlug) zurück zu African Corpse, die ihr Sujet durchaus ernst sehen. Spaß an der Musik haben Christopher Aldinger (Gesang, Gitarre), Alexander Klein (Gitarre), Daniel Rieth (Bass) und Conner Nelson (Schlagzeug) dennoch und hauen nach einer selbstproduzierten EP flugs ihren ersten Longplayer „Corpsewar“ raus. Den Hörer erwartet ein überaus abwechslungsreicher Mix aus Death und Thrash. Man merkt dem Quartett ohne Frage an, dass es nicht nur seine Meinung vertritt, sondern auch musikalisch einiges zu sagen hat. Deshalb wirkt „Corpsewar“ so, als hätten alle Mitglieder fast schon hastig ihre Ideen einbauen wollen. Das ist alles andere als schlimm, doch stellt sich die Frage, ob nicht weniger mehr gewesen wäre. Immerhin sollte man nicht direkt am Anfang seine Munition verschießen. Ob dies der Fall ist, wird sich spätestens mit dem Nachfolger von „Corpsewar“ herausstellen.

Ansonsten hat der Hörer sichtlich Spaß am Album und lässt sich fröhlich die Birne weg ballern. Songs wie „War (R)evolution“, „Look Behind“ und „Schizophrenia“ sind stellvertretend für alle Kompositionen (mal ausgenommen vom Intro und einem Remix) äußerst hart, ziemlich schnell und trotzig. Aber auch leicht melodisch und äußerst groovig darf's dann und wann mal werden, wie der Track „Enemy Mine“ beweist. Mit Aldingers Growls und Screamings gibt es besonders auf der gesanglichen Ebene Abwechslung. Vor allem durch die Screams bekommt „Death Sentence“ stellenweise eine moderne Core-Ausrichtung, der nach der Band benannte Track überrascht sogar mit dezentem Sprechgesang - Suicidal Tendencies lassen grüßen. Gut so! Was sich die Jungs aber mit dem Elektro-Remix ihres eigenen „Schizophrenia“ gedacht haben, bleibt ein Rätsel. Zumindest die Bezeichnung „Trve Remix“ ist ironisch und deutet auf ein Gimmick hin. Warum eigentlich nicht?

Dennoch ist die Band in ihrem Element, wenn sie hemmungslos kloppen darf. Dann drücken sich auch schon mal traditionelle Momente die Klinke in die Hand. Wenn African Corpse in „I Hate You“ und dem nahtlos angehängten „Save My Soul“ mit Doublebass-Gewittern wüten und jene dann in einen melodischen, todesbleihaltigen Kreator-Smasher münden lassen, ist das nicht nur technisch einwandfrei, sondern macht auch noch Laune. Ob das reicht, um im Dschungel der Extreme-Neuveröffentlichungen nicht unter zu gehen, wird sich zeigen. Zumindest gehen African Corpse nicht verloren und spielen ihre Musik interessant und mit definitiv zu hörendem Herzblut! Und da sie bereits vor etablierten Acts wie Atrocity, We Butter The Bread With Butter oder Debauchery auf der Bühne standen, sollten sie bereits einige Anhänger gewinnen können. An diese ist „Corpsewar“ gerichtet. Doch auch Menschen, die African Corpse noch nicht kannten, sollten diese junge Band keinesfalls ignorieren.

Anspieltipps:

  • Corpsewar
  • Death Sentence
  • African Corpse
  • I Hate You
  • Save My Soul

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