Tim Kasher - Adult Film - Cover
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Tim Kasher Adult Film


  • Label: Saddle Creek/CARGO
  • Laufzeit: 39 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Thematisch und musikalisch weit gefasstes Zweitwerk des Saddle-Creek-Künstlers.

Tim Kasher ist einer der fleißigsten Singer/Songwriter unserer Zeit, er unterhält zwei Bands (Cursive, The Good Life) und bringt nun als Solokünstler den Nachfolger seines im Jahr 2011 erschienenen Debüts („The Game Of Monogamy“) heraus. Thematisch schließt Kasher an jenen Vorgänger an und handelt nach der Monogamie den „Adult Film“ - so der Albumtitel - ab. Wobei er sich thematisch sehr weit fasst und neben der Moral das Erwachsenwerden, das Altern und die Auswüchse zwischenmenschlicher Beziehungen in seinen Songs verarbeitet. Desgleichen greift er wieder auf diverse Spielarten von Elektro, Rock und Pop zurück. Gegenüber seinem Debüt hat er jedoch weitestgehend auf opulent-orchestrale Elemente verzichtet.

Der US-Singer/Songwriter hat sich dieses Mal seine Live-Band ins Studio geholt: Sara Bertuldo (Bass, Gesang), Patrick Newbery (Orgel, Klavier, Synthesizer, Hörner) und Schlagzeuger Dylan Ryan. Für den Mix war John Congleton (Explosion In The Sky, Wye Oak) zuständig. Dabei ist ein klangtechnisch ausgewogenes Album herausgekommen, das sowohl die lauteren, als auch leiseren Passagen ins rechte Licht rückt.

Mit Cursive hat Tim Kasher bisher fast immer seine dynamische und wuchtige Seite aufgezeigt, mit The Good Life dagegen die des verfeinerten melodischen Folk-Pop. Als Solokünstler scheint er beide Seiten zu vereinen und noch um einige Facetten zu erweitern. So zieht auf dem Opener „American Lit“ eine an die Sixties angelehnte Farfisa-Orgel ihre Kreise gegen einen dunkel-wuchtigen Sound, während Kasher die Lyrics auf seine unverkennbare Art herunterschnattert, im positivsten Sinne selbstverständlich. Auf anderen Titeln fiepsen und kreischen Synthies, poltern die Trommeln, rumoren die Bässe und rocken die Gitarren. Die ruhigeren Songs zeichnen Kasher als feingeistigen und emotional aufwühlenden Sänger aus wie z.B. auf „Where’s Your Heart Lie“, das von der bezaubernden Stimme Laura Stevensons zusätzliche Veredelung erfährt. Ganz ähnlich wird auf dem poetischen „You Scare Me To Death“ verfahren, hier übernimmt Jenna Morrison die weiblichen Vocals.

Die instrumentale Vielfalt zeigt sich im Einsatz von Vibraphon, Akkordeon, Flöte und wiederholt von Bläsern, die Fanfaren schmettern, Soli einstreuen oder rhythmische Funktion übernehmen. Kashers Songwriting folgt keinen üblichen Schemata, kommt sehr freigeistig daher und zeichnet eigenwillige Melodielinien und vertrackte Rhythmusstrukturen. Dabei gelingen ihm ansprechende Kompositionen, die zwischen Art- und Songwriter-Pop oszillieren. Der Amerikaner hat zweifellos ganz ordentlich abgeliefert, doch es bleibt auch das Gefühl, dass er als Solokünstler einen noch größeren Wurf in petto hat.

Anspieltipps:

  • American Lit
  • Where’s Your Heart Lie
  • Lay Down Your Weapon
  • You Scare Me To Death

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