Sean Paul - Full Frequency - Cover
Große Ansicht

Sean Paul Full Frequency


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 50 Minuten
Artikel teilen:
3/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Frei nach Rudi Völler gibt es immer noch einen tieferen und noch einen tieferen Tiefpunkt.

Mit den Songs „Other side of love“, „Turn it up“, „Entertainment“ und „Want dem all” brachte Dancehall-Star Sean Paul (41) zwischen Juni und November 2013 gleich vier Singleauskopplungen seines sechsten Longplayers „Full Frequency“ auf den Markt, ohne dass dieser erhältlich war. Die Veröffentlichung, die laut Plan Anfang November 2013 erfolgen sollte, wurde nämlich auf Mitte Februar 2014 verschoben, sodass „Full Frequency“ schon vor dem Release etwas ausgelutscht daherkommt. Immerhin finden sich aber noch zehn weitere Stücke auf der Scheibe, mit denen der Jamaikaner erneut den Dancefloor aufrollen möchte.

Etwas zwiespältig war die Musik von Sean Paul ja schon immer. Seine Songs sind in der Regel maximal partytauglich, aber selten zu mehr nutze. Er schlängelt sich mit seiner Interpretation des Dancehall zwischen R&B, HipHop, Pop und Reggae durch den Stil-Maschendraht und eckt damit höchstens bei Puristen an. Denn wer will diesen ewigen Ringelpiez mit Anfassen schon ernsthaft kritisieren, den Mr. Henriques mit unzähligen Produzenten (darunter u.a. StarGate, Akon, Polow Da Don und Chef Tone), Gästen wie Damian Marley, Nicki Minaj, Juicy J, 2 Chainz, Konshens und Prince Royce, Texten aus der untersten Peinlichkeitsschublade sowie einem Akzent zum davonlaufen, mühevoll zusammengeschraubt hat?

Bei Sean Paul funktioniert nur schwarz oder weiß. Entweder lässt sich der Hörer von dem debilen Party-Spaß anstecken und schleppt seinen Hintern auf die Tanzfläche oder er ballt spätestens nach dem fünften Songs („Hey baby“ – Sie ahnen es vielleicht schon...) vor Wut die Faust in der Hosentasche. Denn während sich die Bässe wuchtig durch die Lautsprecher fressen, beleidigt Sean Paul den Hörer mit unterirdischen DJ-Bobo-Weisheiten à la „It´s your life, let it go. It´s your life, not gonna waste it, it´s your life girl don´t suppress it, it´s your life, time to get crazy, it´s your life life life“.

Dieses Schauspiel wiederholt sich völlig charme- und sinnfrei von Song zu Song in einem spannungslosen Korsett aus immer gleichen musikalischen Mitteln. Daraus resultiert ein künstlerischer Tiefflug, der sich für jeden ernsthaften Musiker wie eine Ohrfeige anfühlen muss. Denn während sich andere abrackern, wird für die Musik von Sean Paul tatsächlich Geld ausgegeben. Fazit: Den Spaß, den der Hörer mit den frühen Alben von Sean Paul hatte, kann er auf „Full Frequency“ getrost abschreiben.

Anspieltipps:

  • Anyday
  • Pornstar
  • Take it low
  • Entertainment 2.0
Neue Kritiken im Genre „Dancehall“
Diskutiere über „Sean Paul“
comments powered by Disqus