Nightwish - Showtime, Storytime - Cover
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Nightwish Showtime, Storytime


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 85 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Showtime, Floor! Mach uns die Tarja, aber üb' noch an deiner Anette!

Änderungen im Line-up von Nightwish - was für ein alter Hut! Fans werden strapaziert, das Nervenkostüm der ehemaligen Sängerinnen sowieso. Kaum hat man sich an Anette Olzon gewöhnt und sie lieben und schätzen gelernt, setzt die Band sie vor die Tür. Ohne jetzt allzu sehr dieses schwierige Thema zu vertiefen: History repeats itself. Schon alleine vom menschlichen Standpunkt möchte man dies Floor Jansen (die Neue in der Klasse) nicht wünschen. Es ist ihr einfach anzumerken, dass ein Traum in Erfüllung gegangen ist. Sie pendelt zwischen aufgeregtem Mädchen und frecher Rockröhre hin und her und weiß dank jahrelanger Erfahrung mit After Forever und ihrer eigenen Band Revamp, wie sie die Herzen der Zuschauer erobern kann. Da wird beinahe vergessen, dass Folk-Experte Troy Donockley ebenfalls fest angeheuert hat und der Band fortan noch viele Michael-Flatley-Momente spendieren wird.

Ob nun die ewige „Originalsängerin“ Tarja Turunen oder die niedliche Anette Olzon: Das Fanlager ist seit dem ersten Bruch gespalten und nur die wenigsten Anhänger der finnischen Symphonic-Legende Nightwish kennen einen gesunden Mittelweg. Floor Jansen - beinahe anhand einer Silent Transition in die Band gekommen - vermag dagegen beide „rivalisierenden“ Lager wieder zu vereinen. Sie ist sowohl für das Tarja- als auch für das Anette-Material wie geschaffen und verleiht beiden eine eigene Note, ohne kopieren zu müssen. Dabei gelingt ihr erstgenanntes erstaunlicherweise sogar sehr viel besser! Ja, Fräulein Jansen macht ihren Job gut. Ob sie aber jemals der Arbeit von Holopainen einen einzigartigen Charakter geben kann, wie es ihre Vorgängerinnen gemacht haben, steht noch in den Sternen.

Für „Showtime, Storytime“ reicht es aber allemal. Das Hauptaugenmerk des Wacken-2013-Konzerts liegt natürlich auf dem letzten Longplayer „Imaginaerum“. Mit „I Want My Tears Back“, „Storytime“, „Last Ride Of The Day“, vor allem aber dem großartigen „Ghost River“ finden sich einige echte Rosinen in der Setlist. „Song Of Myself“ sorgt als großer Höhepunkt des Gigs schließlich für Drama und Gänsehaut - schön, diese Komposition mal im Livegewand zu hören. Teilweise haben die Tracks des 2011er-Albums eine ganz neue Dynamik und kommen ungewohnt zackig daher. Vielleicht waren sie zu sehr auf Anette Olzon zugeschnitten. Ironischerweise gilt das nicht für die „unvergleichbare“ Tarja: Floor trumpft richtig auf, wenn sie der ersten Bandära das gibt, was Fans bei Anette schmerzlich vermisst haben. Evergreens wie „Dark Chest Of Wonders“, „Wish I Had An Angel“ und „Nemo“ (alle vom Album „Once“, 2004) funktionieren ganz vorzüglich. Mit den wunderbaren „She Is My Sin“ und „Ever Dream“ („Century Child“, 2002), dem viel zu oft übersehenen „Bless The Child“ sowie „Ghost Love Score“ (opulent wie eh und je) kriegen die Fans zudem eine mehr als gelungene Entschädigung dafür, dass auf das totgenudelte „Wishmaster“ verzichtet werden muss.

Showtime, Floor! Das hast du fein gemacht! Sowohl als Live-, wie auch als Vorstellungs-Album funktioniert „Showtime, Storytime“ und ist mal abgesehen von der überraschend abwechslungsreichen Setlist auch nicht mehr. Floor Jansen ist gesanglich ein Gewinn - ihre Leistung wird aber erst dann relevant, wenn sie nach dieser Feuerprobe zeigt, wie sie im Studio mit neuem Material umgeht und ihm bestenfalls einen ganz eigenen Stempel aufdrückt. Bis dahin darf sich jeder Fan gut und gerne einen ersten Eindruck von der sympathischen Niederländerin verschaffen. Und natürlich hoffen, dass es auf der zu Recht mit Argwohn betrachteten menschlichen Ebene intern wieder bergauf gehen wird. Floor, bleibe uns bitte lange erhalten - wenn auch nur aus Prinzip!

Anspieltipps:

  • Dark Chest Of Wonders
  • She Is My Sin
  • Ghost River
  • Ever Dream
  • Bless The Child
  • Song Of Myself

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