Beltez - Tod: Part 1 - Cover
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Beltez Tod: Part 1


  • Label: Saol/H'ART
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Was lange währt, wird endlich gut.

„Tod: Part I“ - wenn ein Album so benannt wird, ist das heutzutage entweder unfreiwillig komisch oder so trve, dass gerade mal der Kenner des Black Metals Spaß daran haben wird. Es soll auch gar kein Hehl daraus gemacht werden, dass Beltez keine Band für Jedermann sind. Aber zumindest fällt unfreundliches Elitär-Gehabe bei Dod (Gitarre, Gesang), Gezuecht (Gesang), Flagg (Bass) und Herr Tot (Schlagzeug) weg. Nein, die Motivation von „Tod: Part I“ - es kommt mit einer Verspätung von satten neun (!) Jahren - ist beinahe nachvollziehbar. Für Beltez wird die Kunstform des Black Metals weniger als ein Zeitabschnitt, als vielmehr etwas, dass sich genug Zeit nimmt, sich entfalten zu können, gesehen. Ihr Zweitwerk wurde nach und nach geschrieben - erst zum Schluss addierten die Musiker spontan die Lyrics dazu. Glaubt man der Band, handelt es sich hier um das Experiment, spontane Emotionen festzuhalten. Wieso nicht? Die Fan-Schar rutscht sich jetzt vor Ungeduld den Hosenboden auf dem Stuhle durch.

Sofern Beltez diese über die Jahre behalten konnten. Ist ja schon ein starkes Stück, sich fast eine Dekade lang nicht zu melden. Anderen Bands läuft bei solch einem Stunt die Anhängerschaft nach und nach davon. Bemerke: Wir haben es hier nicht mit einer Band zu tun, die Stadien füllt. Nun, „Tod: Part I“ entschädigt zumindest den harten Kern der Anhänger für die lange Wartezeit und präsentiert sich als zackiges Stück Schwarzmetall der alten Schule. Wer die Gruppe also immer noch berücksichtigt, soll am Ende belohnt werden. Musikalisch bleibt man dem Genre absolut treu und versucht gar nicht erst, massenkompatibel oder „einfach“ zu klingen. Allenfalls das überaus gelungene Slime-Cover „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“ setzt sich vom konzeptionellen Teil des Albums ab - und auch nur deshalb, weil es eben ein Cover ist. Die fünf vorhergegangenen Kompositionen sind ein kleiner Zyklus über den Tod. Beltez zelebrieren scheppernden, unterkühlten, bitterbösen Black Metal - hart, aber durchaus auch facettenreich. „Nagelfar“ zum Beispiel hypnotisiert mit einer eisigen Melodie, bis die träumerische Ruhe von Blastbeats und messerscharfem Riffing durchbrochen wird. Der elf Minuten zählende Longtrack „Zu den Sternen blickend“ macht es ähnlich, ist allerdings noch verspielter und schafft es, mit dem Spagat zwischen Härte und Monotonie einen Wiedererkennungswert zu bieten, der gerade im Genre nicht gang und gäbe ist. Gerade wenn Beltez so vorgehen, zeigt sich ihre wahre Qualität: Man glaubt gut und gerne, dass sich die Musiker wirklich alle Zeit der Welt nehmen wollten. „Tod: Part I“ ist ausgeklügelt und durchdacht.

Und es braucht Zeit, sich zu entfalten. So findet der Hörer selbst in den beinahe durchgängig brachialen „Das schwarze Grab“, „Selbstmord“ und „Endzeit“ nach mehrmaligem Hören noch kleine Details. „Tod: Part I“ profitiert weiterhin von einer für das Genre überaus passenden Produktion, welche weder zu sauber noch zu gewollt dreckig klingt. Gerade die Kunst, einen Genrebeitrag vernünftig abzumischen, ist eine, welche nicht jede Band, jeder Produzent beherrscht. Man denke nur an die vermeintliche Kelleraufnahme einer Band wie Hate Meditation! Beltez stimmen die Produktion auf ihre Musik ab und vollenden ein persönliches Gesamtkunstwerk. Menschen, die damals Beltez kennen lernten, werden sich freuen und für die lange Wartezeit entschädigt. „Tod: Part I“ ist ein donnernder und scheppernder Orkan des Black Metals. Es ist ein Album für Liebhaber des Subgenres, durchdacht und kreativ. All jene, die bisher noch keine Berührungspunkte mit dem Genre haben, werden dagegen wenig mit diesem recht schwierigen Album anfangen können. Denn Kompromisse kennen Beltez nicht.

Anspieltipps:

  • Selbstmord
  • Nagelfar
  • Der Tod ist ein Meister aus Deutschland
  • Zu den Sternen blickend

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