Scorpions - MTV Unplugged In Athens - Cover
Große Ansicht

Scorpions MTV Unplugged In Athens


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 115 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Jetzt haben es auch die Scorpions getan: Stecker raus und ohne Strom gespielt. Fast.

Nein, so ein endgültiger Abschied von der großen Rock-Bühne fällt nicht leicht. Selbst dann nicht, wenn er von langer Hand geplant und angekündigt war wie bei den Scorpions. Irgendwie findet sich immer wieder noch ein Grund, um das Ende hinauszuzögern. Diese Prozedur zieht sich bei den Hannoveranern bereits seit vier Jahren hin und wird auch 2014 fortgesetzt – und zwar live auf der Bühne und mit neuen Bild- und Tonträgern. Schließlich ist die Band so erfolgreich, wie sie es seit Anfang der 90er Jahre nicht mehr war. Und wenn man erst einmal auf die Suche geht, dann finden sich auch in der Karriere der Scorpions noch ein paar kleine Lücken, die es zu schließen gilt. Zum Beispiel ein Auftritt im Rahmen der „MTV Unplugged“-Reihe.

Schaut man sich die Liste der Unplugged-Aufritte allein der deutschen Künstler in den vergangenen Jahren an, ist die Ehre und die Bedeutung, die dahinter steckt, schnell zu erahnen. Eine Einladung von MTV kommt einem Ritterschlag gleich. Und Acts wie Die Ärzte (2002), Die Toten Hosen (2005), Söhne Mannheims (2008), Sportfreunde Stiller (2009), Sido (2010), Udo Lindenberg (2011) und die Fantastischen Vier (2000 und 2012) haben diese Einladung in der vergangenen Dekade sehr gerne angenommen. Nun kommen die Scorpions dazu und wählten Athen in Griechenland als Auftrittsort. Das mag bei den deutschen Fans eventuell auf Unverständnis stoßen, doch für die Scorpions stellt es die Rückkehr an einen Ort dar, der ihnen im Laufe ihrer Karriere ans Herz gewachsen ist.

Bei seiner Veröffentlichung Ende November ist der Mitschnitt quasi noch brandheiß, da die Aufnahmen im Lycabettus-Theater zu Athen gerade einmal ein Vierteljahr her sind. Sie fanden am 11. und 12. September 2013 statt und stellen den weltweit ersten Unplugged-Gig unter freiem Himmel dar. Für eine geborene Stadion-Rockband wie die Scorpions ist das genau der richtige Ort, um in 2½ Stunden einen schier nie enden wollenden Hit-Reigen abzufeuern, zu dem sich die Band mit Johannes Strate (Revolverheld), Ina Müller, Morten Harket (a-ha) und Cäthe überraschende Gäste eingeladen hat, die man im Zusammenhang mit den Hannoveraner Hardrockern nie vermuten würde.

Bild

Auch die Setlist entpuppt sich bei näherem Hinsehen als kleine Wundertüte, bestehend aus seit ewigen Zeiten mal wieder ausgegrabenen Titeln, Must-Have-Classics und fünf nagelneuen Kompositionen, die in ihren akustischen Gewändern allesamt zum glückseligen Schunkeln einladen und stärker denn je den nachwievor gruseligen Akzent Klaus Meines betonen. Aber dieser gehört nun mal zu den Scorps, wie das Leineschloss zu Hannover. Take it, or leave it!

Dem enthusiastischen Publikum an diesen beiden Tagen im September waren solche Kleinigkeiten freilich egal. Die Griechen feierten neue Tracks wie „Dancing with the moonlight“ genauso ab wie Klassiker der Marke „Rock you like a hurricane“ oder auch „No one like you“ und sorgten so für beste Stimmung. Die Musiker dankten es ihnen mit eleganten Arrangements und einer geballten Macht akustischer Gitarren. Hier empfiehlt es sich als Beweis zur DVD oder Blu-ray zu greifen oder gleich die sämtliche Formate (inkl. Vinyl) umfassende Sammler-Box zu kaufen.

Auch wenn der neutrale Zuhörer eventuell zu der Auffassung kommen mag, dass nicht alle unplugged dargebotenen Tracks vollends überzeugen, und wenn man sich zudem eingesteht, dass die Scorpions nicht zum ersten Mal rein akustisch agieren (remember: „Acoustica“ aus dem Jahr 2001?), ist das Ergebnis dennoch befriedigend und an einigen Stellen sogar kurios, zum Beispiel, wenn das griechische Publikum herrlich schrägt mitsingt („Send me an angel“) oder wenn Johannes Strates Gesang in „Rock you like a hurricane“ dem Begriff „deplatziert“ eine ganz neue Bedeutung gibt.

Doch auch Morten Harket kann in „Wind of change“ nicht wirklich bekräftigen, warum ausgerechnet er als Duettpartner für diesen Dauerohrwurm ausgesucht wurde. Deshalb muss ganz zum Schluss ausgerechnet Ina Müller, die singende, saufenden und sabbelnde Wuchtbrumme aus dem hohen Norden die Dinge wieder geraderücken und die Scorps mit einem mütterlichen Klaps auf den Hintern von der Bühne scheuchen. Denn jetzt ist auch mal langsam gut mit Abschied feiern!

Anspieltipps:

  • In trance
  • Blackout
  • Can’t live without you
  • The best is yet to come
  • Passion rules the game
  • Where the river flows
  • Born to touch your feelings

Neue Kritiken im Genre „Hardrock“
6/10

A Dying Machine
  • 2018    
Diskutiere über „Scorpions“
comments powered by Disqus