Thomas D. - Aufstieg Und Fall Des Tommy Blank - Cover
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Thomas D. Aufstieg Und Fall Des Tommy Blank


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 52 Minuten
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2.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Der tiefe Fall des Thomas D. Ein nettes Konzept schlecht umgesetzt.

Fragte man deutsche Rapper danach, wie das Jahr 2013 für sie verlaufen sei, die meisten würden eine positive Bilanz ziehen. Die quasi-Renaissance des Deutsch-Rap, die die letzten zwei Jahre aus Leuten wie Casper und Cro ihren Antrieb nahm, zieht sich auch 2013 fort. SSIO, Genetikk, MC Fitti und Alligatoah, um nur einige zu nennen, können sicherlich ein paar Liedchen davon rappen. Ob lange geplant oder nicht, es war abzusehen, dass irgendwann auch die älteren Gestalten der Szene sich nicht mehr lange bitten lassen, neues Material zu produzieren. Fettes Brot veröffentlichten kürzlich ihr siebtes Studioalbum, Samy wird 2014 mit einer neuen Platte auftreten.

Urgestein Thomas D schafft sein neues Album „Aufstieg und Fall des Tommy Blank“ noch knapp vor Weihnachten in die Läden. Nicht nur hier hat das Marketing reife Arbeit geleistet. In Interview- und Homevideo-Aufmachung ließen Promo-Videos im Vorfeld die Features des Albums und Thomas selbst zu der fiktiven Rap-Persona Tommy Blank Stellung nehmen. Leuten wie Afrob oder Moses Pelham zuzuhören, wie ihnen dieser illustre und als „Rap-Rebell“ beschriebene Typ angeblich den Style geklaut oder alles bedeutet hat, oder sich von Thomas D anhören zu müssen, dass Tommys Musik definitiv nichts für Kinder sei, fühlt sich einfach falsch und peinlich an.

Thomas Ds neues Album ist, wie der Titel schon sagt, eben diesem Tommy Blanko gewidmet und leider nicht weniger peinlich. Im Gegenteil. Ohne Jahrzehnte multi-ethnische Rap-Geschichte leugnen zu wollen: Thomas D ist weiß wie Weißbrot. Dass der Herr keinen Flow hat, scheint ja schon allgemein akzeptiert, bedarf hier also keiner weiteren Ausführung. Leider bieten die Texte keinen Ausgleich, weder inhaltlich noch strukturell. Reime wie „Er hatte Flecken am Hemd / und es war immer sein letztes / denn er gab bis zuletzt sein bestes“ neben noch abgedroscheneren Zeilen bereiten einfach nur Kopfschmerzen. Unsagbar unauthentisch wirkt der D dann noch, wenn er versucht, es richtig krachen zu lassen. „Verpisst euch ihr Wichser / Ich fick' euch ihr Stricher / “ nimmt man ihm einfach nicht ab. Wenn Thomas D dann den Songtitel in „Erfolg Is A Bitch“ zitiert, kommt man aus dem Fremdschämen nicht mehr raus.

Trotzdem hat das Album durchaus gute Seiten. Hin und wieder bricht in Thomas' Zeilen doch mal das Genie durch. Dies und die Leistung vieler Features machen das Album noch erträglich. Auch die Produktion des Albums verdient eine Erwähnung. Diese ist letztlich dafür verantwortlich, dass Tracks wie „Schicksal“ (vor allem gegen Ende) und „Hurensöhne“ doch noch hörenswert sind. Dennoch, es ist kein glanzvoller Auftritt, den Thomas D mit diesem Konzeptalbum abliefert. Auf der Bühne modernen HipHops und Raps wirkt „Aufstieg und Fall des Tommy Blank“ befremdlich, trotz guter Produktion. Er zieht sein Ding durch, das kann man ihm zugutehalten, doch selbst wenn man Thomas D einen künstlerischen Anspruch und Hintergrund für das Album zusprechen möchte, wirkt die Umsetzung doch ungewollt albern und nimmt sich dementsprechend zu ernst.

Anspieltipps:

  • Schicksal
  • Hurensöhne

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