Soundtrack - The Hobbit: The Desolation Of Smaug - Cover
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Soundtrack The Hobbit: The Desolation Of Smaug


  • Label: Decca/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 116 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

„Ich fühle mich, als säße ich zu Hause im Grünen Drachen! Ein Krug Bier in der Hand. Die Beine auf eine Bank hochgelegt. Nach einem langen, harten Arbeitstag!“ Dazu erklingen Howard Shores bekannte Klänge.

Dass Peter Jacksons „Der Hobbit - Eine unerwartete Reise“ nicht zur Alternative für „Der Herr der Ringe“ werden würde, war eigentlich schon im Vorfeld klar. Deshalb verließen viele Mittelerde-Fans das Kino mit gemischten Gefühlen. Tatsache ist aber, dass „Der kleine Hobbit“ ein Kinderbuch von knapp 330 Seiten ist, welches deswegen auch heute noch als Lektüre in der Unterstufe gelesen wird und klar auf ein jüngeres Publikum ausgerichtet sein will. Über Sinn und Unsinn einer gleich drei Teile zählenden Verfilmung darf man gerne streiten. Eventuell reicht dem Zuschauer die Tolkien-Dosis ja auch ohne das große Epos, den erst Frodo, Aragorn und Co. brachten. Oder er erfreut sich einfach wieder am gewohnt starken Soundtrack vom dreifachen kanadischen Academy-Award-Gewinner Howard Shore („Der Herr der Ringe“, „Philadelphia“, „Sieben“). Er ist einfach ein alter Hase, welcher mit einen Riecher für die Erwartungen der Fans des klanglichen Mittelerde ausgestattet ist. Und er ist Peter Jacksons erste Wahl: „Die Musik Howard Shores bietet ein einzigartiges Klangerlebnis und wächst weit über die ursprüngliche Aufgabe hinaus, den Film musikalisch darzustellen. Shore hat eine musikalische Welt erschaffen, die ihresgleichen sucht.“

Überraschend ist Shores Arbeit nicht und das soll genau so für seine unbestreitbaren Qualitäten als Komponist gelten. Shore hält sein Versprechen und die erreichte Qualität des Vorgängers „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“, welcher beinahe auf den Tag genau ein Jahr vor „Smaugs Einöde“ auf CD erschien. Shore nutzt abermals den Vorteil sowohl Leitmotive und Themen von „Der Herr der Ringe“, als auch die vom ersten Hobbit-Soundtrack, die er variiert und dem Hörer oder Zuschauer gerne als Comfort Food vorsetzt. Das macht „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ ungemein konstant und bindet den Soundtrack völlig natürlich in das musikalische Tolkien-Gesamtwerk ein. Viele sehen nicht ohne Grund den Soundtrack der Saga des Einen Ringes als vielleicht besten der Filmgeschichte. Darüber lässt sich schon alleine deshalb streiten, weil Shore streng genommen immer ähnlich vorgeht und der Soundtrack alleine nur ein Fragment von vielen ist, wenn es um das Faszinosum Tolkien geht. Der Fan, welcher genauso treu wie die Figur des Samweis Gamdschie ist, greift zum fünften Mal im Rahmen einer Jackson-/Ring-Veröffentlichung zu und freut sich wie ein kleines Kind, wenn das Orchester ihm wieder mal einen Bombast-Overkill um die Ohren haut, der sich gewaschen hat.

Gut so! Kompositionen wie „My Armor Is Iron“, „The Woodland Realm“, „Barrels Out Of Bond“, „The Forest River“ oder „Thrice Welcome“ geizen nicht mit Pomp und lassen das Orchester mal so richtig Gas geben. Es sind solche Momente, die seit jeher von den Hörern Shores abgöttisch geliebt werden. Eher ruhige Momente („Flies And Spiders“, „Inside Information“, das verträumte „Beyond The Forest“) wirken da fast schon wie ein Appetitanreger für den mit Sicherheit folgenden Orchesterbombast. Dennoch gehört „Smaugs Einöde“ sicherlich zu den ruhigsten und auch düstersten musikalischen Beiträgen Shores. Da wirkt der gesangliche Part des englischen Songwriters Ed Sheeran zuerst so passend und naheliegend, dann am Ende beinahe wie ein Platzhirsch. Der komplett auf den Gesang reduzierte Song „I See Fire“ leidet leider am Einsatz der Akustikgitarre, die letztendlich viel Wirkung raubt und Sheenans überzeugenden Beitrag zu einem bloßen Popsong macht. Schauspieler Richard Armitage und Neil Finn sind da weitaus überzeugender. Einen Abbruch macht die eher zwiespältig aufzunehmende Nummer dem Album aber nicht.

Denn dieses zieht den Hörer zurück in das mittlerweile mehr als vertraute, klingende Mittelerde. Als Teil des Gesamtwerkes überzeugt letztendlich auch der zweite Teil des Hobbit-Soundtracks und reiht sich erwartungsgemäß nahtlos in das Schaffen Howard Shores ein. Beinahe zwei Stunden erlebt der Hörer den Mittelerde-Eskapismus aus seinen Lautsprechern und fühlt sich wie eh und je als Reisegefährte von Bilbo oder Gandalf. Hier gibt es keine großen Experimente. Der Hörer weiß, was er will und er soll es bekommen. Das schöne ist ja, dass alter Wein in neuen Schläuchen auch einen hervorragenden Abgang haben kann. „Der Hobbit: Smaugs Einöde“ macht da keine Ausnahme und wird als gewohnt hochwertiger, faszinierender und in gewisser Hinsicht sogar versöhnlicher Klangkosmos präsentiert, der nicht nur Fans der Herren Jackson, Tolkien oder Shore gefallen sollte. Fazit: Mehr vom bereits Bekannten und alleine durch die klugen Variationen doch immer wieder für einen gemütlichen Abend vor dem Kamin gut. Am besten mit einer Pfeife Auenlandgras - und dann bitte üben, das Schiffchen hinzukriegen!

Anspieltipps:

  • The House Of Beorn
  • Thrice Welcome
  • The Courage Of Hobbits
  • My Armor Is Iron
  • Beyond The Forest

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