Soundtrack - The Hunger Games: Catching Fire - Cover
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Soundtrack The Hunger Games: Catching Fire


  • Label: Republic/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Sensation der Suzanne Collins-Adaption ist verflogen - zumindest den offiziellen Soundtrack betreffend!

So überraschend wie der Erfolg der ersten The Hunger Games-Verfilmung an den Kinokassen einschlug (in Amerika setzte sich das postapokalyptische Szenario mit einem Einspielergebnis von 408 Millionen Dollar sogar gegen die komplette Harry Potter- und Twilight-Saga durch), so interessant gestaltete sich auch der begleitende Soundtrack, der mit einer hochkarätigen Armada an Künstlern besetzt war, die jedoch nicht unbedingt in ihrem angestammten Bereich agierten, sondern an einem gemeinsamen Strang zogen. Ähnlich wie bei Pixars „Merida“ fühlte man sich nach dem Druck auf die Play-Taste sofort in eine andere Welt versetzt, ausgelöst durch ein homogenes Klangbild, welches unter der Aufsicht von T Bone Burnett seinen Fokus auf handgemachten Singer/Songwriter-Folk-Pop legte und dabei Damen und Herren wie Birdy, Kid Cudi oder Taylor Swift zu Höchstleistungen animierte.

Verständlicherweise darf man für den Nachschlag „The Hunger Games: Catching Fire“ nun ähnliche Großtaten erwarten. Dummerweise werden diese aber nur mehr in Nuancen erfüllt, da der neue Soundtrack-Supervisor, Frau Alexandra Patsavas, die unter anderem mit der Twilight-Saga betraut war oder durch den Einsatz von Snow Patrols „Chasing cars“ und The Frays „How to save a life“ für die Fernsehserie „Grey´s Anatomy“ den einen oder anderen Glücksgriff verbuchen darf, ihren zwölf Protagonisten wesentlich mehr Freiheiten einräumt und somit die dichte, in sich geschlossene Atmosphäre des Vorgängers, gelinde gesagt, über den Haufen wirft. Dieser Wandel würde grundsätzlich kein Problem darstellen, wenn zumindest die einzelnen Songs, welche extra für den Film geschrieben wurden, dem Niveau der Kompositionen von Teil 1 angepasst wären, doch selbst hier schwächelt die Zusammenstellung.

Christina Aguilera trifft mit ihrem opulenten Klangkleid à la Ryan Tedder (OneRepublic) exemplarisch nur lyrisch ins Schwarze („So burn me with fire / Drown me with rain / I'm gonna wake up screaming your name / Yes I'm a sinner, yes I'm a saint / Whatever happens here, whatever happens here, we remain“), Coldplay bieten mit „Atlas“ lediglich eine „Mylo Xyloto“-B-Seite an, Imagine Dragons versuchen ihren Gassenhauer „Radioactive“ mit Woodkid zu paaren („Who we are“) und Ellie Goulding schwebt anfänglich in einer nichtssagenden Esoterikschleife, bis die Dubstep-Schere angesetzt wird und die Engländerin von einem Beatgewitter zerstückelt wird. Subtil funktioniert jedenfalls anders und ähnlich inspirierend wie die Buchvorlage ist keine einzige dieser Nummern. Wirklich glänzen oder zumindest stimmungsvoll untermalen darf der Soundtrack nur, wenn die hoffnungslose Welt von Panem sein musikalisches Äquivalent vorgesetzt bekommt oder die durch Katniss Everdeen angezettelte Revolution in Text und Musik ihren Niederschlag findet.

So erfreut man sich in „Silhouettes“ der isländischen Of Monsters And Men an einem melancholischen Streifzug durch karge Wälder, lauscht den rebellischen, fast schon tanzbaren HipHop-Beats von Sias „Elastic heart“ oder dem brüchigen Bariton von The National-Sänger Matt Berninger in „Lean“, verdrückt eine Träne beim famosen „Gale song“ der amerikanischen Folk Rocker The Lumineers und bricht im mit dezentem Electro-Einsatz und schwebenden Klangflächen ausgestatteten „Devil may cry“ von R&B-Nachwuchshoffnung The Weeknd in einer der dunklen Seitengassen von District 12 aufgrund der unbarmherzigen Herrschaft des Kapitols kraftlos zusammen, während Patti Smith im reduzierten „Capital Letter“ kurzerhand eine simple, aber umso effektivere Hymne für die Rebellen gezimmert hat, die Katniss eins zu eins für den ersten Teil der Verfilmung des dritten Bandes „Mockingjay“ übernehmen könnte.

Etwas in der Luft hängen hingegen die Beiträge von Lorde (das unglaublich düstere Cover des Tears For Fears-Klassikers „Everybody wants to rule the world“ ist im Hinblick auf den gelockerten Ansatz des Soundtracks viel zu bedrückend) und Santigold („Shooting arrows at the sky“ ist zwar ein angenehm flackernder Electro Pop-Track, der zwischen aufbäumend und gelassen pendelt, jedoch jault Frau White etwas zu aufgekratzt in ihr Mikrophon und betreibt somit unpassendes Overacting), gemessen an den enttäuschenden Beiträgen von Coldplay oder Christina Aguilera sind das aber nicht mehr als zwei Tropfen Inkonsequenz auf den heißen Stein der Gleichgültigkeit. Für den Nachfolger ist die Direktive jedenfalls glasklar: Wir wollen T Bone Burnett zurück!

Anspieltipps:

  • Patti Smith – Capital Letter
  • The Lumineers – Gale Song
  • The Weeknd – Devil May Cry
  • Of Monsters And Men – Silhouettes

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