Nick Cave - Live From KCRW - Cover
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Nick Cave Live From KCRW


  • Label: Bad Seed Ltd.
  • Laufzeit: 52 Minuten
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9.5/10 Unsere Wertung Legende
8.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Live-Album, das mit seiner Zerbrechlichkeit deutlich von dem abweicht, was eigentlich zu erwarten gewesen wäre.

Dieses Jahr war das Jahr von Nick Cave & The Bad Seeds: Erst die Veröffentlichung ihres wahrlich genialen 15. Studioalbums „Push The Sky Away“ im Februar, dann Konzerte, die so zärtlich und gleichzeitig zerstörerisch waren, dass selbst eingesessenen Musikliebhabern die Kinnlade runterklappte und schließlich, zum Dessert, noch ein Live-Album, das mit seiner Zerbrechlichkeit deutlich von dem abweicht, was eigentlich zu erwarten gewesen wäre. Es ist kein regulärer Auftritt, der für „Live From KCRW“ mitgeschnitten wurde – das offenbart schon ein Blick auf die Setlist: Keine alles niederreißende Performance von „Jubilee Street“, kein Nick Cave, der bissig „I'm that bad motherfucker called Stagger Lee“ ins Mikrofon ätzt, während er auf dem Geländer vor der ersten Reihe rumturnt und auch kein verstörendes „From Her To Eternity“, das im Normalfall, wie „Stagger Lee“, zum Standardrepertoire der Band gehört.

Nein, auf diese Songs verzichteten Nick Cave und seine böse Saat, als sie im April in Los Angeles zusammentrafen, um im Apogee Studio vor einem kleinen Kreis ihre vierte Live-Platte einzuspielen. Denn das Konzept war ein anderes: Es sollte ruhig zugehen, noch ruhiger als auf „Push The Sky Away“, so reduziert wie auf einem Unplugged-Album, voll brüchiger Schönheit, ohne dabei jedoch wirklich unplugged zu spielen. Es mag ein nicht für möglich gehaltenes Unterfangen gewesen sein, den „Higgs Boson Blues“ noch weiter runterzubrechen, seine Elemente noch klarer darzulegen, als es bereits die Studioaufnahmen vermögen, zu fragil sind die Strukturen, zu umfassend ist die Atmosphäre, die von Caves neustem Meisterwerk ausgeht. Und doch stellen sich die Bad Seeds dieser Aufgabe gleich zu Beginn ihres Auftritts, als wollten sie es allen zeigen, als wollten sie sagen: Wenn wir diese Nummer nicht packen, können wir alle gleich nach Hause gehen.

Alles, was danach kommt, gerät mit dem anfänglichen Erfolg im Rücken zu einer befreienden Darbietung, mal etwas näher an den eigentlichen Aufnahmen („People Ain’t No Good“, „Push The Sky Away“), mal etwas weiter von ihnen entfernt („The Mercy Seat“, „Jack The Ripper“). Es ist erstklassig, was Nick Cave, Warren Ellis, Martyn Casey, Jim Sclavunos und Barry Adamson aus „Wide Lovely Eyes“ machen, wie sie „And No More Shall We Part” und „Far From Me“ noch mehr Faszination verleihen, wie sie es am Ende immer wieder schaffen, ihre Fans zu überraschen. Auf ein zurückhaltendes Studioalbum folgte eine laute Tour, auf diese laute Tour folgt nun ein noch zurückgezogeneres, aber umso anziehenderes Live-Album. Wir sind gespannt, wie es weitergeht.

Anspieltipps:

  • Higgs Boson Blues
  • Wide Lovely Eyes
  • And No More Shall We Part
  • Push The Sky Away
  • Far From Me

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