Obliteration - Black Death Horizon - Cover
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Obliteration Black Death Horizon


  • Label: Indie Recordings
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Death Metal für Dreckschweine von Dreckschweinen – hart, fies und abgründig!

Das norwegische Kolbotn scheint ein regelrechter Seuchenherd der extremen Metalzunft zu sein. Nicht nur die bekannten Darkthrone kommen ursprünglich aus dem 6000-Seelen-Nest, auch andere Bands wie Aura Noir oder Lamented Souls wurden in jenem Örtchen gegründet. Mit Obliteration meldet sich ein noch recht junger Nachbar der erwähnten Gruppen zu Wort. Die im Jahre 2001 gegründete Todesbleischmiede hat mit „Perpetual Decay“ (2007) und „Nekropsalms“ (2009) bereits zwei Longplayer in der Diskographie zu verzeichnen. Mit „Black Death Horizon“ wagen sich Sindre Solem (Gesang, Gitarre), Arlid Myren Torp (Gitarre), Didrik Telle (Bass, Gesang) und Kristian Valbo (Schlagzeug) an die schwierige Aufgabe des dritten Albums. Viel getan hat sich dabei eigentlich nicht. Obliteration zelebrieren einen abartig brachialen, dumpfen und rumpelnden Death Metal, der Boshaftigkeit aus allen Poren schwitzt.

Das ist heutzutage beinahe schon eine erfrischende Abwechslung zu so manchen Genrevertretern, die mit Modernität, Sozialkritik und zunehmend experimentellen und/oder melodischen Einsprengseln eine Entwicklung vortäuschen (?) wollen. Nicht so Obliteration! Wie schon auf ihren vorherigen Alben rotzen die vier Musiker dem Hörer eine äußerst kompromisslose und ungeschliffene Todesblei-Klamotte ins Maul. Zeit für Experimente haben Obliteration kaum. Bei ihnen herrscht die Brutalität einsam und mit festem Griff. Lediglich Doom-Elemente sollen ihren festen Platz bekommen. So beginnt bereits der Opener „The Distant Sun (They Are The Key)” zähflüssig wie Lava, unendlich düster und atmosphärisch. Eine Eruption erfolgt: Obliteration ziehen schlagartig andere Saiten auf und pulverisieren den Hörer mit Oldschool-Death, der in bester Darkthrone-Manier lospoltert und dem Hörer die Eingeweide heraus prügelt.

Zuerst Doom, dann Death - auf „Black Death Horizon“ wird diese Vorgehensweise als klares Schema benutzt. Ähnlich verhält es sich mit „Transient Passage“, „Ascendance (Sol Invictus)“ und dem Titeltrack. Originell ist der Aufbau nicht zwangsläufig, dafür aber überzeugend umgesetzt. Mit Düsteratmosphäre geizen die Musiker genau so wenig wie mit messerscharfem Riffing, rumpelnden Drums und äußerst überzeugenden, tonnenschweren Basslinien. In den kürzeren „Goat Skull Crown” und „Sepulchral Rites” hingegen herrscht unbändige Härte und ein Chaos, welches stellenweise stark am Grindcore kratzt. Besondere Beachtung findet der Sänger Sindre Solem. Dieser glänzt stets als beinahe geisteskrank anmutender Dämonenbeschwörer. Während seine Kollegen bereits verschroben daherkommen, ist Solems Performance ein faszinierend wirkendes Durcheinander. Und sie ist die Seele und das Herz von „Black Death Horizon”, welche den Hörer augenblicklich in ihren Bann zieht.

Die Produktion tut ihr übriges - teilweise absichtlich dumpf und dreckig, allerdings auch nur bis zu einem bestimmten Punkt. Glücklicherweise wird der oftmalige Authentizitätsanschein geschickt umgangen. Obliteration nähern sich mit ihrem Sound den Idolen und Helden des Genres an und ziehen rechtzeitig die Notbremse. Dadurch bekommt das Album einen organischen Sound, der weder zu glatt, noch zu erzwungen blechern klingt. All dies sind für Freunde der zünftigen Death-Prügelei mehr als gute Argumente. Genrefreunde, denen Death Metal heutzutage einfach zu sauber und brav klingt, und die sich mal wieder so richtig zum Kotelett kloppen lassen wollen, werden mit „Black Death Horizon“ richtig viel Spaß haben. Softies lassen aber klar die Finger vom Longplayer - Obliteration kennen nämlich kein Mitleid!

Anspieltipps:

  • The Distant Sun (They Are The Key)
  • Transient Passage
  • Sepulchral Rites
  • Black Death Horizon
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