Andi Deris And The Bad Bankers - Million Dollar Haircuts On Ten Cent Heads - Cover
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Andi Deris And The Bad Bankers Million Dollar Haircuts On Ten Cent Heads


  • Label: Edel Records
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Wirtschaftskrisen-Metal mit Eiern, der teilweise ganz neue Seiten des Helloween-Sängers zeigt.

Alle Bänker, alle Manager, alle hohen Tiere gehören abgeknallt! Das dachte sich auch Dr. Uwe Boll, seines Zeichens legendär scheiterndes Multi-Talent in der Filmbranche, und drehte seinen im Jahr 2013 erschienenen Exploitation-Streifen Assault On Wall Street. Unausgesprochene Wahrheiten, die uns allen im Kopf umherschwirren, werden plakativ von Märtyrer Boll auf die Leinwand gebracht. Nur echt mit dem gekonnten Leugnen einer Mindestqualität. Wie gut, dass es noch den Andi Deris gibt. Auch er greift auf seinem „Million Dollar Haircuts On Ten Cent Heads“ stellenweise Themen wie die Weltwirtschaftskrise und den „ganzen ökonomischen Mist“, so Deris selbst, auf. Aber Andi macht es besser als Boll, denn so schwer es ist, das Thema vernünftig umzusetzen, ohne es naiv oder ärgerlich wirken zu lassen, so einfach scheint es für den Helloween-Frontmann, locker-flockige Songs aus dem Ärmel zu schütteln.

Alleine ist Andi Deris nicht. Im Jahr 1999 wanderte er das letzte Mal auf Solopfaden. „Million Dollar Haircuts On Ten Cent Heads“ ist dagegen eine echte Gemeinschaftsarbeit mit seiner flugs zusammengestellten Band The Bad Bankers - passend! Ebenso wird der Fan der Kürbisköppe enttäuscht werden, der von Deris erwartet, den Sound seiner Hauptband einfach zu adaptieren. Nein, „Million Dollar Haircuts On Ten Cent Heads“ ist kein Power-Metal-Schinken. Zum Glück, möchte man da sagen - immerhin ist Deris ausgelastet und darf sich bei Helloween austoben. Umso besser, dass er mit den Bad Bankers weitere Freiheiten besitzt, die in solch einer Form von Helloween-Fans mit Argwohn betrachtet werden würden. Diese sind nun mal gebrannte Kinder, wenn man mal an die frühen 90er-Jahre zurück denkt. Im Rahmen dieses Outputs geht jegliches musikalische Experiment natürlich voll und ganz klar. Dass Andi Spaß an der Sache hat, merkt man auch.

Ob nun leicht sleazig, frech und ruppig („Cock“, „Bankers Delight“), melancholisch, ausufernd, unterkühlt („Blind“, „Who Am I“, „Must Be Dreaming“) oder so, dass es dann irgendwie doch auf ein Album seiner Hauptband gepasst hätte („Will We Ever Change“, „The Last Day Of Rain“, „Enamoria 1.8“): Der Sänger macht, worauf er Bock hat, und gibt sich dennoch überraschend stilsicher, was „Million Dollar Haircuts On Ten Cent Heads“ eine angenehme Homogenität beschert. In der akustisch gehaltenen Pop-Ballade „I Sing Myself Away“ gibt sich Deris gar überraschend zahm und zeigt eine komplett neue Seite seiner markanten Stimme. Er macht es den Solo-Arbeiten seines Helloween-Vorgängers Michael Kiske nach, benutzt den Ausflug in den Singer- und Songwriter-Sektor allerdings nur als kleine Auflockerung. Das Zeug dazu, sich gerade in jener Hinsicht auszuleben, hätte Andi Deris allerdings ohne Frage. Wer hätte das gedacht?

Als Alternative zu den Veröffentlichungen Helloweens taugt das Album von Andi und seinen bösen Bänkern nicht - und das will es auch gar nicht. Stattdessen ist „Million Dollar Haircuts On Ten Cent Heads“ ein gefundenes Fressen für Fans von der Hauptband des Herrn Deris. Hier zeigt sich sein Gespür für tolles Songwriting, viele neue Ideen, die bisher keine Möglichkeit bekamen, irgendwie unter zu kommen und die dennoch allesamt natürlich und heimisch wirken. Immerhin hat Deris nicht wenige Kompositionen Helloweens (mit-)geschrieben. Mit seiner eigenen kleinen Band macht er so einiges richtig und deswegen darf man ihm definitiv ein Ohr leihen - und muss dafür nicht einmal zwangsläufig Fan von Weikath, Grosskopf und Co. sein.

Anspieltipps:

  • Blind
  • Who Am I
  • Must Be Dreaming
  • Enamoria 1.8
  • I Sing Myself Away

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