Volbeat - Outlaw Gentlemen & Shady Ladies (Tour Edition) - Cover
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Volbeat Outlaw Gentlemen & Shady Ladies (Tour Edition)


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 122 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Das knapp sechs Monate alte Erfolgsalbum wird mit einer „Tour Edition“ ein weiteres Mal ausgeschlachtet.

In Zeiten, in denen sich die Charts nicht mehr nur allein aus verkauften Einheiten eines Tonträgers zusammensetzen, sondern auch Downloads und sogenannte Umsatzgrößen in die Beurteilung mit einfließen, treibt die eigentlich sehr gute Idee, aufgebrezelte Luxus-Ausgaben von Longplayern auf den Markt zu bringen, mit denen die echten Fans glücklich gemacht werden, immer schlimmere Blüten des Irrsinns.

Neue Alben erscheinen in zig verschiedenen Formaten, wovon eins teurer als das andere ist. Wir sprechen dabei von sogenannten „Limited Super Deluxe Editions“, die sich nicht an den Otto Normalverbraucher wenden, sondern an die beinharten Fans, die wie treudoofe Lemminge zur Kasse gebeten werden und mit ihren erstandenen Luxusgütern die immer weiter sinkenden Verkaufszahlen durch die Höhe des Umsatzes wieder auffangen.

Ein weiteres Übel stellt die nachgelagerte Veröffentlichung von neuen Deluxe Editionen dar, die den Konsumenten mit zusätzlichen Inhalten locken und damit die Erstkäufer, die für die hohen Chart-Platzierungen verantwortlich sind, ziemlich alt aussehen lassen, weil die Bonus-Zutaten nicht separat erhältlich sind. Also wird der Krempel eben ein zweites Mal gekauft. Man kann es aber auch bleiben lassen, wie im Fall der „Tour Edition“ von Volbeats „Outlaw Gentlemen & Shady Ladies“. Denn hier wurde lediglich das Cover ausgetauscht, das Booklet erweitert, eine DVD mit 2013er Live-Auftritten Volbeats auf diversen großen Festivals wie „Rock am Ring“, „Rock’n’Heim“, „Hellfest“ oder auch „Roskilde“ beigefügt und der einzige Bonus Track der ursprünglichen Deluxe Edition, „Ecotone“, an das Ende des eigentlichen Albums gestellt. Welch schöne, aber auch komplett überflüssige neue Welt!

Ein Kommentar von Matthias Reichel

Die ursprüngliche Besprechung: Der Aufstieg von Volbeat lässt sich an keinem Beispiel so schön verdeutlichen, wie an ihrer Position in der Running Order des „With Full Force Festivals“. Im Jahr 2007 noch als Eröffnungsact gebucht und mit einer Spielzeit von 35 Minuten bedacht, nahmen die Dänen bereits vier Jahre später den Headlinerslot ein. Doch wie das immer so ist mit Bands, die in großen Sprüngen die Karriereleiter hinaufschießen - irgendwann kommt der Punkt, an dem die Musik den alten Fans zu sehr in Richtung Mainstream geht. Und exakt an dieser Gabelung sind nun auch Volbeat mit ihrem fünften Studioalbum „Outlaw Gentlemen & Shady Ladies“ angekommen.

Michael Poulsen, Anders Kjølholm, Jon Larsen und - Überraschung - Rob Caggiano (bis vor Kurzem noch bei Anthrax) wollen es am liebsten allen recht machen. Für die beinharten Metal-Fans haben sie „Room 24“ (feat. King Diamond), „Dead But Rising“, „Black Bart“ und „Doc Holliday” auf die Platte gepackt. Diese Songs haben mächtig Power unter der Haube und verweisen in dieser Eigenschaft herrlich offen an die Anfangstage der Band. Der Hits liebende, Radio hörende Teil der Volbeat-Fangemeinde bekommt mit der ersten Single „Cape Of Our Hero“ und dem schlichtweg gigantischen „Lonesome Rider“ (feat. Sarah Blackwood von Walk Off The Earth) zwei Nummern geliefert, die - einmal gehört - so schnell nicht mehr aus dem Ohr gehen. Vor allem das flotte und gleichzeitig sehnsuchtsgetränkte Duett zwischen Michael Poulsen und Sarah Blackwood wird mit großer Wahrscheinlichkeit mächtig einschlagen, sofern der Song als Single ausgekoppelt wird.

Bleibt noch die dritte Zielgruppe: der tolerante Rockfan, der es gerne hart mag, aber auch die weichen Klänge nicht verachtet und in dieser ausgeglichenen Stimmung unvoreingenommen an „Outlaw Gentlemen & Shady Ladies“ herantritt. Machen wir es kurz: Das ist anno 2013 der perfekte Hörer für Volbeat. Wer nicht erwartet, gleich zu Beginn aus den Socken gepustet zu werden, der sieht in „Pearl Hart“ vielleicht einen schönen Opener. Wer sich nicht nach einer erneuten Glanzleistung im Stile von „Sad Man's Tongue“ sehnt, der fühlt sich mit „Lola Montez“ eventuell gut bedient. Und wer der Meinung ist, Volbeat haben es mit ihrer Interpretation des Dusty Springfield-Klassikers „I Only Want To Be With You“ etwas übertrieben, der findet vielleicht im Gegenzug das Young The Giant-Cover „My Body“ ganz nett.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: „Outlaw Gentlemen & Shady Ladies“ ist kein schlechtes Album, auch nicht die bisher schwächste Veröffentlichung von Volbeat, sondern ein Longplayer, der ihrem Status als begehrte Rockband entspricht. Sie wollen und müssen eine breite Hörerschaft bedienen - ein Umstand, der zu einer leichten Akzentverschiebung geführt hat. Im Vordergrund stehen jetzt vor allem Titel, die im etwas gemäßigteren Tempo auf große, eindrucksvolle Refrains hinarbeiten und diese im besten Fall auch liefern können. Dadurch wirken Volbeat noch zugänglicher, als sie es ohnehin schon waren, aber auch etwas weniger mitreißend. Songs von der Essenz eines „Guitar Gangsters & Cadillac Blood“ haben die Dänen diesmal nicht im Gepäck, dafür aber ein durchgängig gut hörbares fünftes Album, mit dem sie gerne ihr gesamtes Publikum glücklich machen würden. Und selbst, wenn dieser Plan scheitern sollte: Spätestens bei den anstehenden Konzerten haben sich sowieso wieder alle lieb.

Anspieltipps:

  • Lonesome Rider
  • Dead But Rising
  • The Nameless One
  • Room 24
  • Cape Of Our Hero

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