Mooncry - A Mirror´s Diary - Cover
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Mooncry A Mirror´s Diary


  • Label: Saol/H'ART
  • Laufzeit: 60 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
8.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein gewaltiger Schritt nach vorne – diese Band wirkt wie neu geboren.

Selten hat man es mit einer Gruppe zu tun, die einen noch überraschen kann. Viele der neueren Metalbands machen ihr Ding einfach gut, aber viele sind zu routiniert und verlassen sich auf die bequemen Trampelpfade ihrer Helden. Warum viele Bands - besonders Vertreter des Power Metals - nie wirklichen Weltruhm erlangen können, ist eigentlich klar. Keiner will den x-ten Klon eines Klons hören (mal abgesehen von Sabaton; die finden alle Halbwüchsigen innovativ...) und wer es will, der bekennt sich offen zu seinem Special Interest. Normalos hingegen kommen dann irgendwann gar nicht erst hinter dem Ofen hervor und eine Band wie Mooncry muss auf der Strecke bleiben. Verdammt, was für ein gewaltiger Fehler das im Falle der süddeutschen Dark Power Metaler wäre. Auf ihrem dritten Album schießen sie völlig unerwartet den Vogel ab. In dem Sinne: Der Vollmond hängt über dem Bodensee und fünf Musiker heulen ihn an. Nein, sie schreien. Und sie schreien laut!

Auf „Rivers Of Heart“ (2011) haben sich Mooncry der Szene bereits vorgestellt, jetzt machen sie ernst! Um es kurz zu machen: Ihr dritter Longplayer ist der bislang stärkste der Bandhistorie und meistert die schwierige Prüfung des gefürchteten dritten Albums mit links! Bereits der dramatische, pompöse Opener „Burning Curtains“ setzt ein gewaltiges Ausrufezeichen und brettert sich als energiegeladener Power Metaler in die Gehörgänge. Ein solches Energiebündel haben Mooncry dringend gebraucht. Hier legen sie nach und allmählich schleicht sich der Gedanke ein, dass „A Mirror's Diary“ das Album geworden ist, welches „Rivers Of Heart“ hätte werden sollen. Diese Band befindet sich in bester Spiellaune und lässt es den Zuhörer zu jeder Zeit wissen! Stark, ganz stark!

Generell legen Sali Hasan und seine Kumpels auf „A Mirror's Diary“ in jeglicher Hinsicht eine Schippe drauf. Das Album ist sehr viel härter und muss dennoch nicht auf das abermals sehr dominante Keyboard verzichten, welches auf dem Vorgängeralbum für ein bisweilen krudes Gesamtbild gesorgt hat. Wie viel eine druckvolle Produktion doch ausmachen kann! Das Budget war definitiv gut angelegt. Eigenständig klingen Mooncry weiterhin, auch wenn der Vergleich mit Dark At Dawn nicht ausbleibt. Dieses Mal erinnern Mooncry sogar sehr viel mehr als zuvor an die Untergrundhelden aus Niedersachsen, was sicherlich auch daran liegt, dass „A Mirror's Diary“ eine echte Wuchtbrumme geworden ist. Ohrwurm-Refrains von den Kompositionen „Defamed Pride“, „Puppet Crow“ oder dem bereits erwähnten „Burning Curtains“ setzen sich als Hymnen in den Gehörgängen fest und sollten dort auch erst mal eine Zeit lang verweilen. Die in der Mitte des Albums platzierten, tonnenschweren „Reflections Of Lies“, „A Thousand Lives“ und „Scylla“ dagegen spielen mit der majestätischen Opulenz einer Band wie Amorphis. Der pointierte Einsatz einer Sitar in „Scylla“ erweist sich dabei als wahrer Glücksgriff. Und solch ein Experiment kann sehr schnell in die Hose gehen, wenn man sich zu sehr auf den Exotenbonus verlässt.

Der Titeltrack entpuppt sich schließlich als höchst mitreißender, atmosphärischer Longtrack, auf welchem Mooncry nochmal all das zeigen, was ihre dritte Langrille ausmacht. Schmissiger, harter und doch melodischer Metal geht Hand in Hand mit dem Keyboard. Dieses muss sich allerdings dem druckvollen Schlagzeug und den harten Riffs unterordnen, ist zwar immer noch höchst charakteristisch für Mooncry, aber weitaus weniger dominant. Gesanglich stimmt dieses Mal auch alles: Frontmann Sali Hasan ist sehr viel schroffer und rauer unterwegs, was ihm sehr gut steht und seine wahren Qualitäten zeigt. Die ruhigen Töne beherrscht er auch besser als zuvor, was die herrliche, von einer akustischen Gitarre getragene Ballade „The Beast Within Me“ zu einem überraschenden Höhepunkt macht. Und generell überrascht das komplette Album mit einer Hitdichte, die man nach „Rivers Of Heart“ kaum für möglich gehalten hätte. Diese Band ist neu geboren, sie ist definitiv auf dem richtigen Kurs und sie macht ihre Sache schlichtweg großartig! Nicht jeder Gruppe gelingt ein derart enormer Qualitätsanstieg, den Mooncry mit „A Mirror's Diary“ hier vorlegen. Wer druckvollen, melodischen und mitreißenden Power Metal mag, sollte nicht den Fehler machen, Mooncry zu ignorieren.

Anspieltipps:

  • Burning Curtains
  • Defamed Pride
  • Scylla
  • The Beast Within Me
  • A Mirror's Diary

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