Blood Orange - Cupid Deluxe - Cover
Große Ansicht

Blood Orange Cupid Deluxe


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 51 Minuten
Artikel teilen:
8.5/10 Unsere Wertung Legende
8/10 Leserwertung Stimme ab!

Das vielleicht beste Album der jüngeren Neo-R'n'B-Welle.

Für den Prince in uns. Der London-New-Yorker Devonté Hynes überrennt uns spät im Jahr auf vollster Linie mit seinem zweiten Versuch als Blood Orange.

The Weeknd, How To Dress Well, Frank Ocean und Jessy Lanza, ja selbst Rhye: es ist was los im R'n'B. Fast als wolle er endlich popkulturell und nicht nur chartstechnisch (wieder) ernst genommen werden. Fast als wolle er Usher und all die Popschmonzettenkonsorten endlich vergessen machen. Fast als wären alle anderen Subgenres des Pop schon in aller Ernsthaftigkeit eruiert worden von Künstlern jenseits des Mainstreams, von denen einige dann im ew'gen Kreislauf schließlich zu ihm werden.

Hynes, bald 28, geht einen tumulthaften, vielschichtigen, geradezu post-postmodernen Weg im Pop bis zu diesem kleinen Meisterwerk, aus Laptop, Synthies, Gitarre, Bass und Stimme. Noch in London, in den frühen Nullerjahren rockte er wild, indie-mäßig und Klaxons-verdächtig als Gitarrist der Test Icicles. Dann kam die Kehrtwende und sein erstes Soloprojekt als Lightspeed Champion - ungewöhnlicher, urbaner und sehr intimer Folk neuerer Spielart. Doch nach dem zweiten Album, gerade als die Kritikerschar Lightspeed Champion in den Folk-Himmel zu loben begann, war Schluss. Ein sperriges, noch nicht ausgereiftes, aber talentiertes Debüt als Blood Orange folgte vor zwei Jahren.

Jetzt ist es rausgelassen, das vielleicht beste Album der jüngeren Neo-R'n'B-Welle. Beseelt, mutig und schüchtern zugleich, dynamisch und sehr, sehr funky, mit einer über allem schwebenden, liebeserfahrenen Melancholie. Mit groovenden Basslines für den Hintern, mit zackigen Disco-Gitarrenriffs für die Hände, mit traurigen Was-wäre-wenn-Geschichten für die Gedanken. Exemplarisch mag die Entwicklung, die vielen Facetten auf „Uncle Ace“ für das gesamte Album stehen, wie sich dynamisch alles aufbaut, verdichtet und nach groovendem Höhepunkt zusammenfällt, in einem Song über jene New Yorker U-Bahn-Linie, die die jungen Obdachlosen New Yorks, die Stricher, die Junkies, die Taschendiebe und von-zu-Hause-Weggerannten, des Nachts als ihr kurzweiliges, trauriges Zuhause okkupieren.

Anspieltipps:

  • Uncle Ace
  • You're Not Good Enough
  • Always Let U Down
  • Chamakay
  • It Is What It Is
  • Time Will Tell
  • Chosen

Neue Kritiken im Genre „Indie-Pop“
6.5/10

Alles Ist Jetzt
  • 2018    
7/10

By All Dreams Necessary
  • 2018    
Diskutiere über „Blood Orange“
comments powered by Disqus