Northcote - Northcote - Cover
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Northcote Northcote


  • Label: Xtra Mile Recordings
  • Laufzeit: 40 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Hat alles, was alle wollen, hat nicht mehr, als alle bieten.

Matt Goud ist ein hochgewachsener, bärtiger Kanadier mit dieser gewissen Holzfäller-Kuscheloptik. Mit seiner Vorgeschichte als Frontmann der christlichen Harcore- und Punk-Band Means, die sich in Gouds Heimatregion formte, nimmt man ihm die Rolle des freundlichen Riesen auch gerne ab. Sieben Jahre tourte Goud mit seiner Band durch die USA und Kanada bevor er 2009 sein erstes und 2011 schließlich sein zweites Soloalbum unter dem Namen Northcote veröffentlichte.

Gouds drittes Album ist seinem Künstlernamen nachempfunden und soll seine Fähigkeiten als reifender und energetischer Songwriter unter Beweis stellen. Dabei sind von vornherein Parallelen zu Frank Turner, übrigens auch Northcotes Labelkollege, schwer zu ignorieren. Interessanterweise teilen beide auch noch einen ähnlichen musikalischen Hintergrund. Doch Goud bietet mit kratziger Stimme, die oft klingt, als würde sie das obere Ende seines Stimmumfangs strapazieren, einen leicht raueren Ton. Auch legt er auf „Northcote“ viel Wert auf Stadionatmosphäre und möglichst viele Gelegenheiten zum Mitgrölen und Mitsingen.

So finden sich auf „How Can You Turn Around“ konstant „Ooh Oh Oohs“ und Hooks zum Mitsingen. Die „Oohs“ finden sich spätestens im Endspurt der auf den Opener folgenden Lieder wieder. Bis „A Thousand Nights“ wird auch leider alles auf diese Konzert-Erste-Reihe-Erfahrung ausgelegt. Erst bei „Burn Right Past Them All“ nimmt Goud ein wenig das Tempo raus und findet eine schöne Kombination aus tiefen, akustischen Gitarrentönen und Hörnern im Hintergrund. Gegen Ende wird es auch angenehm pompös, wenn das Schlagzeug einsetzt und die Hörner aufdrehen.

Mit „Counting Down The Days“ schafft Northcote auch einen gelungenen Folgesong für die Ballade zuvor. Hier wird endlich mal von den ewigen Standard-Anschlägen und Beats, die die erste Hälfte des Albums dominieren, abgewichen und auch neue Instrumente eingeführt, mit denen man nicht sofort rechnet. Leider sind die anschließenden Tracks wieder eher mau. Mit „Knock On My Door“ versucht sich Goud an einem weiteren sehr ruhigen Stück mit schleppendem Schlagzeug und einzelnen Gitarrenarpeggios. Doch abgesehen von einigen Einsätzen von E-Gitarren ist das Stück auch nicht überdurchschnittlich und schlägt wahrscheinlich nur ein, wenn man in der Stimmung ist, traurig zum Beat hin- und herzuwippen.

Zurück zu den Hymnen geht es dann mit „Find Our Own Way“. Nach den ruhigeren Stücken macht das auch Sinn, ist aber auch einer der Tracks, den man sich nach der ersten Albumhälfte auch hätte sparen können. Vor allem da darauf wieder ein extrem ruhiges Stück folgt. Mit „Only One Knows My Name“ hat es dafür noch ein sehr schöner, scheinbar unplugged eingespielter Song auf „Northcote“ geschafft. Wirkt aber auch mehr wie die Zwangsbeilage jeder dieser Genrealben. Ohne Wir-sind-beste-Freunde-Grölen geht es hier leider auch nicht.

Grundsätzlich ist Gouds „Northcote“ kein schlechtes Album, es ist nur leider auch nicht sonderlich gut. Fans des Genres werden sicherlich Spaß damit haben, schließlich bietet es alles, was zum Genre dazugehört. Die erste Hälfte sind nach vorne gehende, energetische Tracks, dann folgen abwechselnd nachdenkliche, ruhige und schnellere Stücke. Daran etwas besonders zu finden fällt schwer, vor allem weil sich das Album anstrengt, ja niemanden zu verprellen. Jeder kann sich in irgendeiner Form mit den besungenen Themen identifizieren und nachvollziehen, wie die Gefühle musikalische transportiert werden. Doch „Northcote“ macht das weder auf neue noch auf interessante Weise. Es ist nichts Genre-sprengendes, nichts was aneckt.

Anspieltipps:

  • Burn Right Past Them All
  • Counting Down The Days
  • A Thousand Nights
  • Only One Knows My Name

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