Harsh Toke - Light Up And Live - Cover
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Harsh Toke Light Up And Live


  • Label: Tee Pee/ALIVE
  • Laufzeit: 38 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine Jamsession zwischen musikalischer Offenbarung und Kopfschmerzen, wobei die Kopfschmerzen am Ende überwiegen dürften.

Im Film „Ted” zählt der gleichnamige Teddy seinem Freund John vier Weed-Sorten auf: „Mind Rape“, „Gorilla Panic“, „They’re coming! They’re coming!“ und „This Is Permanent“. Alle vier genannten Bezeichnungen könnten ohne Abstriche auch als Titel für das neue Album der Acid Rock-Kapelle Harsh Toke fungieren! Denn in der Tat tritt so etwas wie Panik auf, wenn die vier Songs, die als ein zusammenhängender Jam begriffen werden sollen, aus den Boxen getobt kommen. Man glaubt für einen Moment wirklich, dass irgendwer gleich draußen im Garten landet, spürt, wie der Verstand sich verwirrt dem Sound ergibt und fürchtet, dass es dabei zu bleibenden Schäden kommen könnte. Das sind alles nicht die schlechtesten Voraussetzungen für eine gute Psychedelic-Platte, bei deren Soli sogar Frank Zappa kurz ungläubig die Ohren spitzen würde.

Alles beginnt mit der völligen Überforderung und anschließenden Kapitulation des (nüchternen) Zuhörers: „Rest In Prince“, der Track mit dem vorerst letzten Gesangspart für die nächsten 20 Minuten, klingt wie Musik aus dem Auge des Hurrikans. Hier gibt es keine Regeln mehr, nur noch lärmende Gitarren, Übersteuerungen und eine gewöhnungsbedürftige Kompromisslosigkeit, die erzittern lässt. Dieses Konzept, wenn man es denn so nennen möchte, setzt sich im anfangs schamanenhaften, später erneut heftig austeilenden „Weight Of The Sun“ fort, das sich über eine Viertelstunde hinzieht und sämtliche Strukturen zu Anfängerfehlern degradiert. Das darauffolgende Titelstück nimmt mit seinem tiefgreifenden Bass diese Vorlage dankend an: Meditationen und Halluzinationen gehen einher mit einer Attitude, die auch in Hunter S. Thompsons „Fear And Loathing In Las Vegas“ ihren Platz gefunden hätte. Gleiches gilt für das finale Inferno „Plug Into The Moon“, mit dem Harsh Toke letztmalig an den Nerven der Zuhörer zerren, bevor der Spuk nach 38 Minuten vorüber ist und eine geradezu unheimliche Stille eintritt, die mit einer berechtigten Erleichterung einhergeht.

Nun kehren die ersten Gedanken zurück: Was war das eigentlich? Habe ich irgendwas nicht verstanden? Und will ich das wirklich nochmal hören? „Light Up And Live“ ist ein Ungetüm von einer LP, purer und wahnsinnig konsequent durchgezogener Acid Rock, dessen Power und Adrenalin erstaunlich gut aufgenommen wurden. Das muss man Harsh Toke durchaus zugutehalten! Auf der anderen Seite ist ihre Musik nah an der Unhörbarkeit, ein Produkt, das live mit großer Wahrscheinlichkeit funktioniert, auf Platte aber mehr als einmal am Stück nur für einen sehr kleinen Kreis von Leuten zu ertragen ist. „Light Up And Live“ ist ein Jam zwischen musikalischer Offenbarung und Kopfschmerzen, wobei die Kopfschmerzen am Ende leider überwiegen dürften.

Anspieltipps:

  • Light Up And Live

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