The Bianca Story - Digger - Cover
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The Bianca Story Digger


  • Label: Rent A Record Company
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Musik der fünf Baseler bleibt Geschmackssache, ihr Ideenreichtum dagegen ist ein Fakt.

Die Idee ist nicht nur gut, die Welt ist auch bereit dafür: Über 90.000 Euro hat die Schweizer Band The Bianca Story mittels Crowdfunding für ihren dritten Longplayer „Digger“ zusammengekratzt. Nun ist das Album frei im Netz verfügbar, die CD wird auf den Konzerten verschenkt – das waren die Bedingungen dieser durch und durch cleveren Aktion. Denn Publicity ist den vier Musikern und ihrer Sängerin nun garantiert, eine größere Hörerschaft dürfte in Aussicht stehen, die Konzerthallen voller werden – vorausgesetzt natürlich, der Inhalt stimmt. Denn was bringt Musik, die keiner hören möchte oder noch schlimmer: Was bringt Musik, die von zahlreichen Menschen vorfinanziert wurde und sich am Ende als Flop herausstellt?

Was dieses Kapitel der Geschichte angeht, bleiben The Bianca Story ihren Sponsoren nicht viel schuldig. Ihr Album „Digger“, dessen Cover an Rammstein erinnert, ist ein aufregendes Paket geworden, erfrischend unvorhersehbar und vielseitig. Einige Songs, vor allem diejenigen, in denen Anna Gosteli und Elia Rediger gemeinsam zum Mikro greifen, ähneln etwas den berühmten Nick Cave-Duetten aus den 90ern mit Kylie Minogue und PJ Harvey, andere Stücke verweisen auf die etablierte Verrücktheit von Bonaparte, in deren Studio das Werk entstand. Gelegentlich wird es laut, ungewohnt und ziemlich krass („Does Mani Matter?“), dann wieder ganz normal und poppig-konventionell („Neon Sand“). Umgeben ist der Sound von einer leichten Düsterkeit, nichts, was direkt der Gothic-Kultur entstammt, aber dennoch etwas, das ihr entfernt verwandt scheint.

Die Band selbst nennt das Produkt ihrer Mühen „Art Pop“ – ein Begriff, der, wenn man Lady Gaga mal außen vor lässt, das Ergebnis ganz gut trifft. Die ganz großen Momente fallen trotz dieses Labels nicht ab, für ein nettes Album reicht es aber trotzdem. „Digger“ ist ein „Kann“, aber eben kein „Muss“. Der teilweise auf Deutsch, teilweise auf Englisch und gelegentlich wild gemixt vorgetragene Gesang ist eine Eigenheit, die sich The Bianca Story bewusst gönnen, die aber nicht zwangsläufig gefällt. Gleiches gilt für ihre Sprunghaftigkeit, auch wenn merkbar viel Können hinter den Kompositionen steckt. Andererseits ist es gerade dieses Unberechenbare, das „Digger“ spannend macht. Die Musik der fünf Baseler bleibt Geschmackssache, ihr Ideenreichtum dagegen ist ein Fakt: 90.000 Euro können kein Irrtum sein.

Anspieltipps:

  • Crescendo
  • You Sir
  • Does Mani Matter?

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