Rebecca Ferguson - Freedom - Cover
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Rebecca Ferguson Freedom


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 48 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Rebecca Ferguson klaubt alle gängigen Pop-Praktiken der letzten 20 Jahre zusammen und schneidert diese fürs Radio zurecht.

Müssen wir bei Rebecca Ferguson Parallelen zu Leona Lewis ziehen, die trotz Casting-Status als ehrlicher Newcomer erschien, bevor sie ihren eigenen Sound in generischer Langeweile ertränkte? Album Nummer zwei ist da und die Befürchtung besteht, dass sich zwischen den gut gemachten Pop einiges Füllmaterial schleicht. Ferguson wäre nicht die erste Künstlerin, der dieses Negativ-Kunststück gelingt. Die Vorab-Single „I Hope“ hat noch keine Tendenzen verraten, da ein geradliniger Pop-Song nicht weltbewegend sein, sondern im Ohr bleiben muss. Diese Disziplin hat die Single bereits bestanden, doch die großen Gefühle bleiben dabei aus.

Hätte man „Fake Smile“ den Vortritt gelassen, dann wären diese Zweifel erheblich kleiner gewesen. Der zweite Track auf „Freedom“ hat eine einprägsame Melodie, beschreibt textlich die unglückliche Liebe präziser als der Opener und kann in den entscheidenden Momenten treibend und emotional klingen. Die typische, aber auch gut umgesetzte Ballade „Bridges“ rundet das Bild einer gelungenen Fortführung ab. Allerdings stellt sich schnell heraus, dass das Album sein Pulver schlicht zu Beginn verschossen hat. Nach „Bridges“ stürzt sich die Platte nämlich in konservative Pop-Arrangements, die an die späten Neunziger erinnern. Der Viervierteltakt wird’s schon richten. Völlig überladen („My Best“ und „All That I've Got“) oder als schwächere Kopien des Auftakts („Hanging On My Freedom“ und „Wonderful World“) präsentiert sich das darauf folgende Material und hinterlässt dabei kaum bleibenden Eindruck.

Hier rettet sich das Album sogar über das Genre, da der Pop zwar zahnlos, aber zumindest auch nicht nervenaufreibend wird. Dank Fergusons Stimme und einiger gelungener, wenn auch stets überraschend altmodischer Ideen („We'll Be Fine“) kann sich das Werk stets über der Wertung „erträglich“ halten und lässt sich zumindest im Hintergrund gut hören. Das vermeintliche Potenzial des Auftakts hat sich bis dahin allerdings selbst als Konzentration der Ausnahmen bewiesen. Dass die Sängerin ausgerechnet in der Titeltrack-Ballade befremdlich verschnupft klingt, setzt der weichenden Qualität die Krone auf. „Freedom“ ist wie ein Ballon, dem immer weiter die Luft entweicht. Am Ende bleiben überholte und weder berührende noch mitreißende Pop-Songs in der Überzahl. So wird das Album es schwer haben, noch zu Weihnachten im Gedächtnis potenzieller Käufer zu verweilen.

Anspieltipps:

  • I Hope
  • Fake Smile
  • Bridges

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