Matthew Sweet & Susanna Hoffs - Under The Covers Vol. 3 - Cover
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Matthew Sweet & Susanna Hoffs Under The Covers Vol. 3


  • Label: Freeworld/H'ART
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Prinz und die Prinzessin des Power-Pop präsentieren zum dritten Mal ihre Lieblingssongs.

Es ist eine auf den ersten Blick interessante und erfrischende Verbindung, die die beiden Musiker, deren Solo-Karrieren ins Stocken geraten waren, eingegangen sind. Zur Erinnerung: Susanna Hoffs war Mitglied der Bangles, die in den 80er-Jahren Welthits wie „Eternal Flame“, „Manic Monday“ oder „Walk Like An Egyptian“ hatten. Hoffs legte seit 1991 drei Solo-Alben vor, konnte aber ohne ihre Kolleginnen nicht an frühere Erfolge anknüpfen. Matthew Sweet brachte seine erste Arbeit 1986 heraus. Im selben Jahr, in dem auch die erste Bangles-Veröffentlichung erschien. Er hatte dann in den 90er-Jahren einige von der Kritik zu Recht hochgelobte gehaltvolle Power-Pop CDs zustande gebracht, die aber nicht ausreichend Käufer fanden. Im Jahr 2003 versuchte er es noch mal mit Folk-Rock innerhalb des Musikerkollektivs The Thorns. Hier wurde er von den Songwriter-Kollegen Shawn Mullins und Pete Droge begleitet. Diese hatten ein ähnliches Schicksal hinter sich wie er: Sie waren sehr begabt, aber relativ erfolglos.

Matthew Sweet und Susanna Hoffs lernten sich bereits 1997 bei den Aufnahmen zum Soundtrack von „Austin Powers“ kennen und erkannten ihre große Schnittmenge bei den jeweiligen musikalischen Vorlieben. Folglich beschlossen sie, irgendwann gemeinsame Sache zu machen. Ihre Strategie dabei ist simpel und vielversprechend zugleich: Man nehme Evergreens und exquisite eingängige Pop-orientierte Stücke einer Dekade und frische sie im Power-Pop-Stil mit wechselndem oder gemeinsamem Mann/Frau-Gesang auf. Und zwar so, dass sie sowohl Hörern von Oldie-Sendern wie auch an den Originalkünstlern interessierten Musik-Fans gefallen.

Im Jahr 2006 begannen sie mit einer Hommage an die 60er-Jahre, 2009 folgten die 70er, folglich haben sie sich jetzt die 80er-Jahre vorgenommen. Bei der Auswahl der Titel bewiesen Susanna und Matthew stets ein glückliches Händchen. Man findet eine gelungene Mischung aus offensichtlichen Hits und geschmackvollen, unbekannteren Kompositionen vor. Engagiert und flott geht es dann auch bei der neuesten Zusammenstellung mit „Sitting Still“ (R.E.M.), „Girls Talk“ (Elvis Costello) und „Big Brown Eyes“ (The dB`s) los.

Waren die ersten beiden Folgen von „Under The Covers“ noch durch einen relativ unkonventionellen Umgang mit dem verwendeten Fremdmaterial gekennzeichnet, so sind jetzt einige Interpretationen stark am Original ausgerichtet. Hier vernachlässigen es die beiden ein wenig, den Songs eine neue, überraschende Wendung zu geben. Die Musiker stoßen nicht zum Kern der Quelle vor, sie plätschern nur an der Oberfläche. Die Lieder werden eher nachgespielt als nachempfunden. Das gilt besonders für “Kid”, einen Pop meets Country-Twang-Track der Pretenders) und für „More Than This“, der Schmuse-Nummer von (Roxy Music). Insgesamt wirkt die aktuelle Folge dadurch weniger leidenschaftlich als ihre Vorgänger. Man verlässt sich zu sehr auf die Wirkung des gut abgestimmten Gesanges. Susanna Hoffs trumpft immer noch durch ihre betörende, attraktiv-erotische Stimme auf. „They Don`t Know“ - komponiert von Kirsty MacColl - ist in diesem Hinblick wie für sie geschaffen. Rauchzart und verführerisch macht sie diesen puren Popsong zu einem sinnlichen Erlebnis. Matthew Sweet bietet dazu das ideale, geschmeidig-robuste Gegengewicht.

„Under The Covers Vol. 3“ ist angenehm flüssig durchzuhören. Es fällt aber auf, dass einige Arrangements zu gleichförmig geraten sind. Diesen Eindruck vermitteln „Our Lips Are Sealed“ (The Go-Go`s/ Fun Boy Three) und “Trouble” (Lindsey Buckingham (ex-Fleetwood Mac)). Der Schlagzeuger ertönt so, als würde er den in den 80er-Jahren verbreitet angewendeten Drum-Computer-Sound nachempfinden wollen. Das passt nicht immer, aber bei „The Bulrushes“, dem New Wave-Hit der (Bongos), funktioniert das gut. Der Titel wird entsprechend druckvoll und treibend umgesetzt.

Gut gelöst haben sie die Aufgabe, die mit weniger Hit-Potential ausgestatteten Melodien in ein ansprechendes Pop-Gewand zu überführen. Diese Vorlagen haben sie in das Gesamtkonzept eingegliedert, ohne deren Charakter zu verleugnen. Dem flirrenden, geheimnisvollen „How Soon Is Now“ der Smiths) wurde eine kräftige Gesangsspur von Matthew Sweet spendiert, wodurch es bodenständiger rüber kommt. Bei dem düsteren „Killing Moon“ von (Echo & The Bunnymen) drosseln sie das Pathos und setzen dieses dramatische Lied lieblicher in Szene, als es seine Verfasser taten.

Für die Beurteilung des Gesamteindruckes ist die Erwartungshaltung entscheidend. Sucht man luftig leichte Unterhaltung, dann ist man bei diesen radiotauglichen Cover-Versionen mit hohem Wiedererkennungswert sehr gut aufgehoben. Erwartet man aber originelle Einfälle und handfeste Überraschungen, dann wird man enttäuscht sein. Beim häufigeren Durchhören stört tendenziell die Vorhersehbarkeit einiger Songverläufe. Folge 1 und 2 von „Under The Covers“ waren in dieser Hinsicht wesentlich abwechslungsreicher und interessanter gestaltet worden.

Anspieltipps:

  • Sitting Still
  • Girls Talk
  • Big Brown Eyes
  • They Don`t Know
  • The Bulrushes

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