Mooncry - Rivers Of Heart - Cover
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Mooncry Rivers Of Heart


  • Label: Saol/H'ART
  • Laufzeit: 52 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Keyboard wird hier zum vollwertigen Metal-Instrument, doch der Metal selbst geht in der Drucklosigkeit unter.

Nach dem in Eigenregie veröffentlichten „Legacy Of Hope“ machen Mooncry vom schönen Bodensee nun endlich ernst. Die Band, bestehend aus Enrico Hahn (Keybord), Sali Hasan (Gesang), Berthold Miller (Gitarre), Alexander Schwenk (Bass) und Peter Zimre (Schlagzeug), wurde 2006 gegründet und machte sich auf den Bühnen der Nation bereits einen Namen. Grund genug, ihr zweites Album ein wenig fetter zu gestalten und noch ein paar Fans extra abzugreifen. „Rivers Of Heart“ bietet einen leider immer noch viel zu selten gehörten Mix aus Power-, Heavy- und Dark-Metal. Symphonische Arrangements lockern das Erlebnis auf und gestalten es angenehm zackig. Die Mischung macht's. Und Mooncry klingen Gott sei Dank auch eigenständig genug.

Sowas kennt man allenfalls von den mittlerweile wieder vereinten Niedersachsen von Dark At Dawn. Die Stimme von Mooncrys Frontmann Sali Hasan erinnert in den tieferen Gefilden sogar an deren Sänger Thorsten Kohlrausch. Leider liegt ihm nicht jede Stimmlage - vor allem, wenn er höher singt oder sich in Balladen versuchen will, wird Hasan zum größten Schwachpunkt des Albums. Dieser Mann ist immer dann am besten, wenn sein warmes Organ stellenweise nahtlos in wohl dosiertes Screaming übergeht. Musikalisch dagegen trumpfen Mooncry so richtig auf. Es ist heutzutage sehr schwierig, seinen melodischen Heavy Metal noch frisch zu präsentieren. Anstatt munter abzukupfern, versuchen sich die Herren an einer sehr eigenen Interpretation, welche sich glücklicherweise vom Gros der Teutonen-Schule absetzt und stellenweise mit einem kruden Konservenorchester-Bombast aufwartet, den man - mal abgesehen von der italienischen Underground-Szene - auch nur noch selten zu Hören bekommt.

Das mag Geschmackssache sein, aber wird ohne Frage seine Anhänger finden. Soll es auch! Wer die kreative Explosion des Power Metals zu Beginn des 21. Jahrhunderts vermisst, findet in Mooncry ein unerwartetes Revival. Neu ist hier gar nichts, aber zumindest in der Tradition von Stilrichtungen, die bisher kaum berücksichtigt wurden. Da wären echte Ohrwürmer wie das basslastige „Grief And Hope“, das sich im Refrain zur waschechten Hymne mausert. Oder der Titeltrack, welcher nicht nur durch die Chöre zum Mitsingen einlädt. „Memories Drowning“, „Ghosts Of Mind“ und das brachiale „Suffer My Pain“ (wieder mal der Einfluss von Dark At Dawn!) bieten dagegen einen klimatischen und verschachtelten Aufbau - Mooncry flirten hier heiß mit dem Prog, neigen bisweilen zu einer angenehmen (und glücklicherweise nicht übertriebenen) Virtuosität und bringen beinahe schon zu viele Ideen unter. Kontraste gibt es mit dem flotten, doch überraschend zurückhaltenden Opener „Seconds In Time“ oder dem Monstrum „Into The Night“.

Das Keyboard ist auf „Rivers Of Heart“ omnipräsent und spendiert dem Album eine angenehme Wärme. Bands, die es offen und ehrlich als „klassisches“ Metal-Instrument einsetzen, findet man auch nicht mehr an jeder Ecke. Alleine dadurch haben die Jungs aus Baden-Württemberg schon ihre Nische gefunden. Lediglich die sehr drucklose Produktion lässt das Album über weite Strecken trocken wirken und lässt erahnen, dass Mooncry gerne nochmal richtig aufgedreht hätten. „Rivers Of Heart“ macht letztendlich viel richtig und gut, lässt aber die wahren Hits doch schmerzlich vermissen. Es geizt nicht mit einer verträumt-düsteren Atmosphäre und versucht sich vom Gros der Genrevertreter abzusetzen, was generell Respekt verdient. Somit ist dieses Album der erste wichtige Schritt in die richtige Richtung. Auch wenn Mooncry das Genre letztendlich doch alles andere als revolutionieren, wirken sie frisch, motiviert und werden mit Sicherheit auf ihrem „Rivers Of Heart“ aufbauen können.

Anspieltipps:

  • Memories Drowning
  • Ghosts Of Mind
  • Grief And Hope
  • Into The Night

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