Jennifer Rostock - Schlaflos - Cover
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Jennifer Rostock Schlaflos


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 47 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Jennifer Rostock strampeln ihre Neo-NDW-Pop-Punk-Wurzeln ab und landen damit im Niemandsland.

Mit ihrem vierten Studioalbum in nur sieben Jahren, aufgenommen im Mai 2013 in den Portrait Recording Studios in New Jersey, eine halbe Autostunde von New York entfernt, melden sich die nimmermüden Jennifer Rostock gleich zu Beginn des noch jungen Jahres mit „Schlaflos“ zurück. Darauf perfektionieren die Berliner ihre Musik zwischen Punkrock und Power-Pop für den wütenden Teenager bis ins kleinste Detail, auch wenn das zulasten der vergleichsweise erfrischenden Kantigkeit ihres Debüts geht.

Es sieht so aus, als hätten Jennifer Rostock ihre Fühler ausgestreckt und ausgelotet, was in der aktuellen Musikszene abgeht und auf den Sound des Quintetts übertragen lässt. So mögen die HipHop/Rap-Elemente der ersten Singleauskopplung „Ein Schmerz und eine Kehle“ in Zeiten, in denen Casper und Cro auf Platz eins der Charts einsteigen, mehr als nachvollziehbar sein. Die Indie-Gemeinde wird mit Kraftklub-Anleihen bedient („Echolot“, „In den Sturm“), der Mainstream mit Silbermond-Harmonien beglückt („Phantombild“) und das hässliche Punkrock-Entlein mit bretthart eingeknüppelten Stücken wie „Der blinde Passagier“ und „Zeitspiel“ abgeholt.

Das klingt – wie gesagt – alles sehr perfekt, durchdacht und nach einem Masterplan. Doch ist es nicht genau das, was den Spaß an der Rockmusik killt? Wir erinnern uns: Mit dieser schablonenartigen Taktik sind zuletzt Jupiter Jones gnadenlos gescheitert. Und nun scheinen auch Jennifer Rostock nach einem bestimmten Schema den Erfolg anstreben zu wollen. Dabei wissen wir doch, dass Musik nicht nach mathematischen Formeln funktioniert.

Jennifer Rostock stehen für wilde Energie und herrlich um die Ecke gedachte Texte. Beides ist zwar auch auf „Schlaflos“ in Ansätzen vorhanden, jedoch nicht mehr in der Form, die den Hörer auf Anhieb packt und mitreißt. Eingepfercht in einen bombastischen und stark verdichteten Sound, strampelt sich die Band ihre Neo-NDW-Pop-Punk-Wurzeln ab und lässt dabei all ihre Rotzigkeit auf der Strecke. Damit wird es schwer, sich trotz einer optisch herausstechenden Frontfrau wie Jennifer Weist, von der breiten Masse abzuheben.

Anspieltipps:

  • Zeitspiel
  • Der blinde Passagier
  • Tauben aus Porzellan
  • Bis hier und nicht weiter

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