The Rifles - None The Wiser - Cover
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The Rifles None The Wiser


  • Label: Cooking Vinyl/INDIGO
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

In alter Besetzung ist der Vierer aus England wieder zurück in der Spur.

Der Zahn der Zeit nagt perfide und kontinuierlich an den gefeierten Genregrößen früherer Tage. Ehemalige Prog-Rock-Götter wie Dredg machen inzwischen auf Schlager, die Mitbegründer des Nu Metal, Linkin Park, sind zur Lieblingsband jung gebliebener Mittvierzigerinnen verkommen und die zu Beginn der 90er ach so funky aufspielenden Chili Peppers sind längst im lokalen Mainstreamrundfunk gestrandet. Weiterentwicklung nennen es die Künstler, Verrat an sich selbst, schimpfen es Fans der ersten Stunde.

Die Entwicklung von rauem, unverbrauchtem Sound hin zur musikalischen Versoftung ist ein Phänomen, dem sich viele Bands unterworfen fühlen. Auch The Rifles haben eine Entwicklung durchlaufen, die der der oben genannten Formierungen nicht unähnlich ist. Im Jahr 2005 veröffentlichte der Vierer um Joel Stoker sein Debüt „No Love Lost“ und begeisterte dabei mit straightem Alternativ Rock, trotz seiner Ähnlichkeit zu The Clash oder den Strokes unverbraucht und innovativ klingend. Die Hörner abstoßen.

Die rotzfreche Art des Erstlings sollte die Band nie wieder erreichen. „Great Escape“ (2009) klang bereits deutlich gezähmter und nach dem Ausstieg von Bassist Rob Pyne und seinem trommelnden Kollegen Grant Marsh drohte die Band im Jahr 2011 mit „Freedom Run“ doch sehr, sich in poppigem Seicht-Rock zu verlieren. Zur Ruhe kommen, den Stiefel runterspielen.

Die gute Nachricht für alle Rifles-Jünger: Pyne und Marsh kehrten zurück, um den Karren aus dem Dreck zu wuchten und tatsächlich: Die Talsohle scheint durchschritten, die Band macht sich bemüht an den Aufstieg zu früheren Alternative Rock-Gipfeln. Zurück zu alter Stärke finden. Der Opener „Minute Mile“ frisst sich mit catchy Bass gleich mal ins Langzeitgedächtnis. Zu glatt poliert, nicht rotzig genug? Mag sein, dennoch ein gelungener Auftakt, der hoffen lässt. „Heebie Jeebies“ geht mehr als jeder andere Song der Platte als Selbstzitat früherer Glanztaten durch und erinnert an beste „Peace And Quiet“-Zeiten.

Interessant: Gleich mehrfach bedient sich der britische Vierer der in Anfangstagen allenfalls defensiv eingesetzten Akustikgitarre. „All I Need“ beispielsweise wird so im positivsten Sinne zu einem klassischen Rock-Schunkler und „The Hardest Place To Find Me“ bekommt eine angenehm nachdenkliche Facette.

Auf ihre neue Platte angesprochen, meint die Band: „Das Album hat sicher einige Songs, die nach „No Love Lost“ klingen, aber der Sound an sich ist ein wenig erwachsener.“ Eine gesunde Selbsteinschätzung, auch wenn nicht alle Songs zünden und sich durchaus der eine oder andere Filler auf „None the wiser“ versteckt hat. So plätschert „Eclectic Eccentric“ doch ähnlich wie „Catch Her In The Rye“ etwas arg belanglos und brav vor sich hin und „Go Lucky“ klingt ein bisschen wie „Call Me Maybe“ auf Rock getrimmt.

Eine Rückbesinnung auf alte Stärken hat noch keiner Band geschadet, The Rifles bilden da keine Ausnahme. Oft fühlt man sich angenehm an frühere Machwerke erinnert, dazu gelingt es Stoker und Kollegen bisweilen überraschend gut, neue Elemente in den Erfolgssound von 2005 zu integrieren. Die Güte des Erstlings erreicht „None the wiser“ dennoch nicht. Doch wie heißt es so passend in „You win some“: „Yesterday is over and it won’t be back again. But there’s beauty in tomorrow“. Gespannt in die Zukunft blicken. Die Kurve bekommen.

Anspieltipps:

  • Minute Mile
  • Heebie Jeebies
  • All I Need
  • The Hardest Place To Find Me

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