Iced Earth - Plagues Of Babylon - Cover
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Iced Earth Plagues Of Babylon


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 62 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
8.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Stuart Block stopft die Löcher von Jon Schaffers durchwachsenen Kompositionen mit der nötigen Durchtriebenheit und bewahrt den Kahn somit vor dem Kentern.

Der ehemalige Into Eternity-Sänger Stuart Block hat mit seinem Wechsel zur traditionsreichen Metal-Formation Iced Earth vor drei Jahren nicht unbedingt den stärksten Gaul im Stall erwischt. Die Zeiten, in denen das Schaffen von Jon Schaffer Heerscharen von Metalfans aufblicken und ehrfürchtig die Pommesgabel gen Himmel strecken ließ, sind schließlich seit geraumer Zeit vorbei und selbst nett gemeinte, politische (Sons Of Liberty) und freundschaftliche (Demons And Wizards) Nebenbeschäftigungen vermissen die frühere Größe der damaligen Speerspitze amerikanischen Power Metals. Wirft man nun einen Blick auf die verfügbaren Fassungen des mittlerweile elften Studioalbums „Plagues Of Babylon“, so lässt sich aber zumindest schon mal konstatieren, dass sich Schaffer zur Gewinnmaximierung einiges hat einfallen lassen.

Da gibt es neben dem limitierten Deluxe Box-Set (inkl. Mediabook, Bandana, 6 Artwork-Cards, geprägtem Flachmann, Kühlschrankmagnet und besticktem Schweißband) für etwa stolze 60 Euro noch ein limitiertes CD+DVD Mediabook, die Doppel-Vinyl-Ausgabe, ein limitiertes 3fach-10inch-Boxset (mit Booklet und Poster), eine herkömmliche CD oder einen völlig schmucklosen, digitalen Download. Ach Jon, würde sich auch nur die Hälfte der Energie, die in die Fertigung dieser sechs verschiedenen Ausgaben geflossen ist, im Songwriting widerspiegeln, deine Fans würden es dir danken! Leider ist „Plagues Of Babylon“ nämlich nicht viel mehr als ein zahnloser Aufguss von „Dystopia“ (10/2011) geworden, das vor allem die vollmundige Ankündigung, das „wahrscheinlich heavyste und bedrohlichste Album der Bandgeschichte“ in Händen zu halten, weitestgehend verfehlt hat.

Mit dem beinahe acht Minuten langen, durchdachten und mitreißenden Titeltrack als Auftakt möchte man zwar beinahe die Wunderkerzen aus dem Schrank holen, um die elfte Langrille der Amerikaner als erste Sensation des Jahres zu preisen, doch selbst die Funken eines Feuerwerkskörpers halten länger an als die Kreativität von Herrn Schaffer, der bereits mit dem anschließenden „Democide“ auf eine ausgeklügelte Schlagzeugarbeit verzichtet und in „The culling“ dreist bei Metallicas „Disposable heroes“ klaut. Was nach einer Stunde voll babylonischer Plagen bleibt, ist zumindest die Gewissheit, dass Jon mit der Akquirierung von Sänger Stu Block einen wahren Glücksgriff getätigt hat. Der Junge wertet nämlich nicht nur zum Skippen verurteilte Songs auf („Peacemaker“, If I could see you“) oder zeigt durch variablen Einsatz seiner Stimme, was aus seinem Organ herauszuholen ist, er verhilft dem Album somit auch zur einzigen, qualitativen Konstante.

Gelegentlich blitzen zwar durchaus interessante Ideen auf (Hansi Kürsch im Refrain zu „Among the living dead“, dynamisches Wechselspiel in „Cthulhu“), allerdings wäre die Platte wesentlich spannender und runder ausgefallen, wenn sich der eine oder andere Track eine Scheibe vom progressiv anmutenden „Resistance“ abgeschnitten oder ähnlich ohrwurmlastige Widerhaken wie „Spirit Of The Times“ eingebaut hätte, denn der Großteil der elf neuen Songs (das gleichgültige Cover von „Highwayman“ mit Michael Poulsen (Volbeat) und Russell Allen (Adrenaline Mob) als Backup, sowie das überflüssige „Outro“ mal ausgenommen) bewegt sich auf mäßig beeindruckendem Durchschnittsniveau, das sich nicht für alle Zeit hinter der Präsenz von Mr. Block verstecken kann.

Anspieltipps:

  • Resistance
  • Spirit Of The Times
  • Plagues Of Babylon

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