The Toxic Avenger - Romance & Cigarettes - Cover
Große Ansicht

The Toxic Avenger Romance & Cigarettes


  • Label: Roy Music/ALIVE
  • Laufzeit: 62 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

French House mit schwachen Liedtexten und wenig Ohrwurmpotential.

Was einem da aus MySpace entgegen kommt ist rauer French House mit kratzenden Bässen. Im Jahr 2009 lud Simon Delacroix unter dem Pseudonym „The Toxic Avenger“ dort schon Musik hoch. Das war, als Streaming-Dienste noch undenkbar waren, MySpace angesagt war und Studiclubs von Indie-Mucke dominiert wurden. Zum Glück gibt es MySpace noch, denn einige der alten Tracks, die noch vor seinem 2011er Debüt „Angst“ veröffentlicht wurden, sind noch verfügbar. Ob eines solchen emotionalen Werts steigt selbstverständlich auch das Interesse an Delacroix' neuer Platte.

Von diesem alten MySpace-Sound hatte sich der Franzose schon auf „Angst“ zwar nicht verabschiedet, aber zugunsten dominanterer Melodien und Vocals schon leicht distanziert. Letztlich konnte sich so ein breiteres Publikum die Musik des Franzosen erschließen, ohne dass er dafür seine Wurzeln verraten musste. Charakteristische Effekte des French Touch, der 4/4-Beat, die Phaser-Effekte, blieben schließlich erhalten und sind auch auf „Romance & Cigarettes“ nach wie vor vertreten. Doch eingängige Melodien verleihen diesem Album zusammen mit Live-Vocals das Feeling alten Indie-Pops.

Was erstmal gar nicht schlecht klingt, leidet stark unter uninspirierten Liedtexten. So sind Tracks, die nicht wie „Say My Name“ abgedroschene Lyrics („Hey / Toxic Avenger / Say My Name Again“) zum Besten geben, tatsächlich tendenziell besser. Das sind meist die eher traditionellen Tracks auf „Romance And Cigarettes“. Dabei ist die Aufteilung ähnlich wie schon auf „Angst“, das zwar von seichteren Songs dominiert wurde, in dem zwischendurch aber einzelne Parts des titelgebenden Tracks („Angst“) die instrumentelle Fahne eines härteren und interessanteren Sounds hissten. Ein gelungener Hybrid ist „Speed“, das auch nicht viel Wert auf Vocals legt, dies in der Aufteilung von Gesang und Instrumentierung aber auch klarstellt. So ist es ein düsteres Bass-Schwergewicht, das bei den Vocal-Parts kurz aufhellt.

Ein etwas unangenehmer, aber treffender Vergleich ist das diesjährige Comeback-Album von Jackson And His Computerband, das selbst eine richtungslose Mischung aus komplexen aber kurzweiligen Electro-Tracks und seichteren, verwaschenen Stücken war. Und tatsächlich klingen beide Alben streckenweise ähnlich und leiden an denselben Wehwehchen. Immerhin klingt „Romance And Cigarettes“ nicht ganz so zusammenhangslos wie „Glow“ und nutzt Songlängen gut aus, wie „In The Meantime - Run/Hide“ schön beweist. Trotzdem fehlt es dem Album eindeutig an Stücken, die in Erinnerung bleiben, trotz netter Spielereien wie der Track-Kombo „Into The Sun“ und „To The Sun“ oder der Garage-Rock-Fusion auf „This Means War“. So bleibt das Album eher Durchschnitt und ein Stück hinter „Angst“ zurück.

Anspieltipps:

  • Speed
  • Something Evil
  • In The Meantime – Run/Hide

Neue Kritiken im Genre „Dance“
7/10

Raw Movements/Rude Movements
  • 2016    
Diskutiere über „The Toxic Avenger“
comments powered by Disqus