The Intersphere - Relations In The Unseen - Cover
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The Intersphere Relations In The Unseen


  • Label: Long Branch Records/SPV
  • Laufzeit: 46 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
7.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Kurzweilig, komplex, clever: Der leichtherzige Rock von Billy Talent trifft auf Dredg zu ihren besten Zeiten.

Mit ihrem dritten Album „Hold On, Liberty“ (2012) konnten die Mannheimer The Intersphere endlich Aufsehen erregen. Platz 63 der deutschen Albencharts - wenn auch nur für eine Woche - ist immerhin ein Achtungserfolg, den man einer Band dieses Schlages nicht zutraut, einem Newcomer sowieso nicht. Der kleine Erfolg sei Christoph Hessler (Gesang, Gitarre), Thomas Zipner (Gitarre), Sebastian Wagner (Bass) und Moritz Müller (Schlagzeug) aber auf jeden Fall gegönnt und nachdem sie mit ihrem Longplayer „Relations In The Unseen“ nachgelegt haben, darf man hoffen, dass er sich wiederholen wird. Denn die vier Musiker lassen sich nicht lumpen und machen da weiter, wo sie im Jahre 2012 aufgehört haben. Und sie machen es ohne Frage gut.

Mit einer hervorragenden Produktion in der Hinterhand trumpft „Relations In The Unseen“ so richtig auf und verpasst dem Sound eine angenehme Opulenz, die mehr als zuvor an den hymnischen Rock von Billy Talent oder Biffy Clyro erinnert. Es sind solch Songs wie der flotte Opener und Titeltrack, „Thanks For Nothing“ oder in Ansätzen „Joker“ und „Panic Waves“, die gerade Fans der genannten Band mehr als glücklich machen sollten. Das Tanzbein will geschwungen, die Refrains mitgesungen werden und so präsentieren die vier Musiker ihre rockige Seite als äußerst vergnüglich und kurzweilig. Gleichermaßen Herz und Hirn werden dann angesprochen, wenn The Intersphere zu der Experimentierfreudigkeit der früheren Dredg oder Fair To Midland greifen und dem Hörer sphärischen Prog im Lightgewand anbieten. Ein Löwenanteil der auf „Relations In The Unseen“ gebotenen Kompositionen fährt diese Schiene. Das sind solch Nummern wie das hypnotisierende „...Like It Is“ oder „Walk On Broken Glass“, die zum Teil stark von der leichtherzigen Tour abweichen und ein ganz anderes Gesicht der Band zeigen.

Doch gerade dann machen die Mannheimer ordentlich Dampf und spielen ihre absoluten Stärken aus. Das Spektrum reicht von wirklich ruhigeren Nummern („Golden Mean“) bis hin zum gelungenen Versuch, die straighte Vorgehensweise ein wenig zu erweitern, wenn das mystische „The Ghost Of A Chance“ in einer Punkrock-Eruption mündet. Oder „Out Of Phase“: Es wabert geheimnisvoll vor sich hin und nutzt vor allem gegen Ende hartes Riffing als Kontrast zu den gespenstischen Keyboardmelodien. Wenn Karnivool, welche von The Intersphere auf ihrer Tour begleitet wurden, ein Einfluss gewesen sein sollten, dann macht sich das hier bemerkbar. „Origin: Unknown“ ist dann ein verträumter, stellenweise beinahe shoegazend anmutender Track, der im Refrain schwere Geschütze auffährt und bombastisch rockt. Dredg würden es zwar nie zugeben, aber für The Interspheres Gespür, derart clevere Nummern zu schreiben, würden sie heutzutage wahrscheinlich morden.

Große Pioniere sind The Intersphere mit ihrer Vorgehensweise keinesfalls. Allerdings ist ihre Nische noch lange nicht überlaufen und so wäre es gelacht, wenn das Quartett sich nicht seinen festen Platz in den Reihen der etablierten Acts sichern könnte. Mit „Relations In The Unseen“ sollte das allemal möglich sein. Bleibt festzuhalten: Das vierte Album der Mannheimer glänzt mit zahlreichen Details, ist gleichermaßen kurzweilig wie auch anspruchsvoll, extrem stilsicher und inspiriert. Wem Karnivool zu sperrig sind und wer der Meinung ist, dass Dredg ihren Zenit nach „Catch Without Arms“ (2005) längst überschritten haben, findet in The Intersphere ein für alle Mal einen neuen Genrehelden, der seinen Teil dazu beiträgt, intelligente Rockmusik anno 2014 in die Anlagen zu lotsen. Ein Geheimtipp auf der Schwelle zum Top Act.

Anspieltipps:

  • Relations In The Unseen
  • Out Of Phase
  • Origin: Unknown
  • The Ghost Of A Chance
  • ...Like It Is
  • Golden Mean

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