Deep Purple - Now What?! (Gold Edition) - Cover
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Deep Purple Now What?! (Gold Edition)


  • Label: earMusic/EDEL
  • Laufzeit: 135 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Das kleine Meisterwerk nun in güldener Verpackung und mit einer zusätzlichen Live-CD an Bord.

Das aktuelle Studioalbum „Now What?!“ (04/2013) der britischen Hardrock-Legende Deep Purple läuft vergleichsweise wirklich gut. Die Kritiken sind meistens überschwänglich, die Verkaufszahlen zufriedenstellend und die Welttournee der nun doch schon älteren Herren Ian Gillan (68), Ian Paice (65), Roger Glover (67), Don Airey (65) und Steve Morse (59) gestaltet sich ebenfalls als kleiner Triumphzug. In solchen Ausnahmefällen gehört es zur guten Tradition in der Rockmusik, im Anschluss an ein erfolgreiches Studioalbum mit einem Live-Longplayer um die Ecke zu kommen. Das hat sich bis heute nicht geändert, nur die Mittel zum Zweck haben sich etwas verschoben.

Damit die Verkaufszahlen des eigentlichen Studioalbums weiter gesteigert werden können, wird dieses einfach noch einmal auf den Markt gebracht und um eben jenes Live-Werk erweitert. Die Alternative wäre ein Live-Album, das eine sehr hohe Deckungsgleiche mit den Songs des Studio-Longplayers hat. Auch dann würden die Verkaufszahlen addiert werden. Bei Deep Purple und ihrem Label hat man sich für die erste Variante entschieden.

Und so erscheint die ursprüngliche, um zwei Bonus Tracks erweiterte „Now What?!“ Deluxe Edition ergänzt um ein komplettes Live-Album, das an verschiedenen Orten auf der aktuellen „Now What?!“-Tour mitgeschnitten wurde. Und wer Deep Purple live kennt, der weiß, dass diese Band auch noch im vermeintlich hohen Rock’n’Roll-Alter mächtig rocken kann und damit einen selbstredend wertigen Bonus abliefert, der „100% unveröffentlicht“ und „100% live“ ist. Dass man dazu aber die Studio-CD ein zweites Mal erwerben muss, ist und bleibt eine Unsitte der Musikindustrie.

Ein Kommentar von Matthias Reichel

Die ursprüngliche Besprechung: Acht lange Jahre sind seit „Rapture Of The Deep“ vergangen. Acht Jahre, in denen sich Deep Purple allerdings nicht zurückgelehnt haben, sondern kontinuierlich um den Globus getourt sind. Über 500 Konzerte werden es wohl seit 2005 gewesen sein - eine Zahl, die nicht nur mit Blick auf das Alter der sechs Musiker beeindruckt. Ob Deep Purple überhaupt noch einmal gemeinsam ins Studio gehen und ein neues Album einspielen, war lange Zeit ungewiss. Dass sie es am Ende doch getan haben, erfreut umso mehr, wenn man das Ergebnis ihrer Arbeit betrachtet: „Now What?!“ ist in seiner Komplexität und Vielschichtigkeit ein kleines Meisterwerk geworden.

Für eine Band wie Deep Purple, die ihre großen und zeitlosen Alben vor 40 Jahren abgeliefert hat, ist es immer schwer, neues Material einzuspielen, das im Vergleich mit den alten Hits nicht allzu blass wirkt. Diesem Problem begegnen die fünf Musiker auf „Now What?!“ mit einem orchestralen Sound, der so druckvoll ist, dass die Erde bebt. Da hat Bob Ezrin (u.a. Produzent von Pink Floyds „The Wall“) an den Reglern ganze Arbeit geleistet. Angetrieben von dieser Wucht spielen sich Deep Purple durch elf neue Songs, die in ihrer Gesamtheit einfach nur beeindrucken und - wie es sich für ein Album gehört - untrennbar zusammengehören. Natürlich haben sich die Briten mit „All The Time In The World“ auch eine radiotaugliche Single gegönnt, ansonsten geht es aber um einiges unvorhersehbarer zur Sache. Deutlich wird dieser Fakt bereits beim Opener „A Simple Song“, der mit einem ausführlichen E-Gitarren-Intro eingeleitet wird, bevor Ian Gillan wie magisch die Worte „Time it does not matter. But time is all we have to think about“ singt und schließlich kurze Zeit später durch die gesamte Band unterstützt wird, die wie aus dem Nichts alle Kräfte bündelt und damit bereits andeutet, dass es sich bei „Now What?!“ um eine Hardrock-Platte im typischen Deep Purple-Gewand handelt.

Es ist in der Tat schwierig, einzelne Songs herauszupicken, die sich ausschlaggebend für die Qualität des Albums erweisen. Es gibt keine Ausfälle, keine Nummern, die den Hörer ratlos zurücklassen. Vielmehr halten Deep Purple über die gesamten 57 Minuten ein gleichbleibend hohes Niveau, das seinen unschlagbaren Höhepunkt mit Ian Gillans Schrei am Ende von „Vincent Price“ findet. Gänsehaut pur! Zwischendrin sind es je nach Präferenzen schnelle Rocker wie „Hell To Pay“ oder tief greifende, heftig groovende Stücke wie „Out Of Hand“, die das Herz eines Classic-Rock-Fans höher schlagen lassen. Wer auch immer Deep Purple überredet hat, noch einmal ins Studio zu gehen, man sollte dieser Person einen Pralinenkasten schicken.

Anspieltipps:

  • Out Of Hand
  • All The Time In The World
  • Body Line
  • Hell To Pay
  • Blood From A Stone

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