Sapphire Slows - Allegoria - Cover
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Sapphire Slows Allegoria


  • Label: Not Not Fun
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Dass Sapphire Slows beunruhigend und atmosphärisch kann, hat sie schon bewiesen. Dass sie auch anders kann, blitzt leider nur gelegentlich durch.

Über die Frau aus Tokio erfährt man nicht viel. Japanische Seiten dürften sie wohl regelmäßig erwähnen, doch die Frau, die mit Casio-Keyboard und weicher Stimme hinter Sapphire Slows steht, ist mehr wie ein Geist in der westlichen Sphäre. Hier und da erwähnt sie kurz ein Blog, mal lässt auch die eine oder andere größere Seite ein Wort über sie fallen. Doch die Texte sind informationskarg was die Person angeht und konzentrieren sich mehr auf die Musik, die vorliegt. Immerhin so viel lässt sich herausfinden: Hiramatsu Kinuko ist der Name der Japanerin und „Allegoria“ der ihres Debüts nach einigen Solo- und kollaborativen EPs.

Sapphire Slows' Tracks sind düstere, spacige Kompositionen. „Dry Fruits“ vereint Dub-Elemente mit Kinukos Vocals, die mit Reverb im Hintergrund aufgehen und sich so gespenstisch über die ganze Platte ziehen. „Third Party“ ist ein wenig entspannter und berührt schon den Kern des Stils der Japanerin. Der Track wirkt minimalistisch, besteht zwar aus vielerlei harmonischen Elementen, doch scheinen diese dennoch voneinander distanziert. Der Platz, der so in der Musik entsteht, erweckt den Eindruck, dass etwas fehlt, doch ist er gleichzeitig klar als Teil der Musik zu verstehen.

Deutlicher wird das mit den späteren Tracks im Album, die leichte Nervosität und Spuk im Hörer wecken. Den Höhepunkt erreicht dabei definitiv „Rules“, wenn plötzlich das Piepen des Vortracks zum Alarm mutiert, Scherben klirren und die Vocals noch mehr Echo aufgedrückt bekommen. Und weiterhin ist dieser undefinierbare Platz in der Komposition da. „Break Control“ ist ruhiger, doch Kinukos Stimme überlagert sich zu einem spukigen Chor, und wieder ist da ein Piepen, das jedes Mal den Aufbau des Tracks zu unterbrechen scheint. Was wie ein lässiger Chill-Track mit Elektroinfusion wirkt, wird schnell zu einer atmosphärischen, beunruhigenden Collage aus sich überlagernden Tönen und Effekten.

Doch glücklicherweise geht es auch anders. Drone und Techno („Corekill“) sind zwar nicht zwangsläufig entspannend, weichen aber definitiv von der gespenstischen Atmosphäre ab, für die Sapphire Slows in vorigen Kreationen bekannt geworden ist. Definitiv entspannend sind aber das Glitzern, die abgehackten Vocaleinlagen und die verwobenen Bässe auf „Fade Out“. „As You Know“ ist House-inspiriert und setzt die Vocals mehr in Szene, zieht sie in die Länge, lässt sie höher und somit präsenter tönen, obwohl Sapphire Slows nicht mit der Reverb-Tradition bricht. Doch grade „Meteor“ und der letzte Track „Allegoria“ beweisen, dass trotz Reverb mit den nötigen Effekten auch euphorische Gefühle geweckt werden können.

„Allegoria“ ist ein interessantes Ambient- und Elektro-Album. Sapphire Slows weiß, welches Instrument wie eingesetzt werden muss, um scheinbare Einsamkeit, Unruhe und teils doch für die Tanzfläche brauchbare Beats zu kombinieren. Dabei lässt das Album trotz zugegeben abwechslungsreicher Percussion an Vielfalt vermissen. Andere Emotionen als die oben beschriebenen werden bis zum Ende nicht geweckt und musikalisch liegen die Stücke einfach zu nah beieinander. Vor allem abseits der vier Tracks, die wirklich herausstechen, ist nichts da, was überrascht, geschweige denn vom Hocker reißt. Doch „Allegoria“ ist grundsolide und probiert im Großen neue Dinge aus, die anderen Alben sonst oft fehlt. Dafür ein Plus.

Anspieltipps:

  • Rules
  • As You Know
  • Meteor
  • Allegoria

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