Eyes Set To Kill - Masks - Cover
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Eyes Set To Kill Masks


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Massentauglicher Alternative Post Metalcore mit dicken Eiern, ähm, Eierstöcken.

Wenn bei einem Metal-Konzert eine Frau als Teil einer Band die Bühne betritt, dann war sie in der Vergangenheit aus zwei Gründen anwesend: Ihre weiblichen Vorzüge überstrahlten ihr Können (was den sabbernden Metalheads ziemlich egal war) oder die technischen Fertigkeiten ließen vergessen, wie die Dame eigentlich aussieht (was für die pommesgabelschwingenden Metalheads dann eigentlich ebenfalls schnuppe war, aber nur in den seltensten Fälle zutraf). Zum Glück beginnt sich mit starken Charakteren wie Candace Kucsulain (Walls Of Jericho), Otep Shamaya (Otep) oder Angela Gossow (Arch Enemy) dieses Frauenbild nun auch abseits der märchenhaften Symphonic Metal-Blase zu ändern, selbst wenn das Motto „Sex sells“ noch viele Gruppierungen als Allheilmittel für garantierten Charterfolg ansehen (z.B. In This Moment mit einer äußerst freizügigen Maria Brink).

Für die Schwestern Alexia (Gesang, Gitarre, Keyboard) und Anissa Rodriguez (Bass) wurden die Regeln des Business natürlich nicht umgeschrieben und Photoshootings mit Hot Pants und kurzen Kleidern gibt es auch bei den Eyes Set To Kill-Gründerinnen, doch oberflächliche Betrachtungen, wie das vom Revolver-Magazin ausgegebene „The hottest chicks in Metal“-Siegel, sind bei den beiden Damen zum Glück nicht alles, wofür es sich lohnt, in das fünfte Album „Masks“ hineinzuhören. Natürlich ist die Mischung aus zappeligem Metalcore, knackigen Post Hardcore-Abschnitten und einem Hart meets Zart-Pop/Rock-Topping nicht neu oder gar innovativ, aber der Vierer (Cisko Miranda (Screams, Gitarre) und Caleb Clifton (Schlagzeug) komplettieren das Line-up) schafft es zumindest, die Zutaten für ein paar ordentliche Tracks mit roher Energie zu vermengen und das Resultat 1:1 auf den Hörer zu übertragen.

Der Grundsatz hinter der neuesten Langrille „Wir wollten keine Tonnen an Riffs in einem Song verwenden oder über die Gebühr herumfrickeln. Ich wollte einfach Musik machen, die eingängig ist“, mag auf den ersten Blick befremdlich oder abstoßend wirken, allerdings hat Produzent Steve Evetts (The Dillinger Escape Plan, Poison The Well, Still Remains, Sepultura) die harmlosen Pop-Ausbrüche („Haze“, „Infected“) klein gehalten und sich vorrangig auf eine wilde Tour de Force spezialisiert, die aufgrund fehlender Orientierung nicht immer ins Schwarze trifft („Secrets between“, „The forbidden line“, „Where I want to be“) oder oft auch nur als heftige Breitseite konzipiert wurde („The new plague“), aber im Großen und Ganzen eine gesunde Balance zwischen männlichem Hardcore-Geschrei, weiblicher Zuckerbrot und Peitsche-Attitüde und musikalischem Allerlei, vorrangig aus den Bereichen Metalcore, Rock und Pop, hält.

Wütende Abrissbirnen wie die Post Hardcore-Eruption „Nothing left to say“ stehen dann genauso auf der Tagesordnung wie das Metalcore-Pendant „True colors“, der zackige Rock-Auftakt „Killing in your name“ oder der Instant-Hit „Little liar“, der mit einem fabelhaften Gespür für Melodie und Härte mit ähnlich klingenden Kandidaten wie Paramore spielend den Boden aufwischt. Eyes Set To Kill sind mit „Masks“ definitiv auf dem richtigen Weg, eine feste Größe im Rock/Metal-Zirkus zu werden. Jetzt müssen sie eigentlich nur noch die schwachbrüstigen Pop-Exkurse abschütteln, die das Gesamtergebnis verwässern, damit auf dem Nachfolger eine klar erkennbare Struktur vorhanden ist und man nicht pausenlos von ultraböse auf supersüß umschalten muss. Wenn den Rodriguez-Schwestern das gelingt, stehen ihnen mit ihrem neuen Vertragspartner Century Media sicherlich unzählige Türen offen.

Anspieltipps:

  • Little Liar
  • True Colors
  • Nothing Left To Say
  • Killing In Your Name

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